20 Jahre Euro: Umrechnen ist längst Geschichte

Erstellt am 19. Januar 2022 | 05:15
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8269660_mar03sw_fellnedarueber.jpg
Erich Fellner, Vorstandsvorsitzender der Marchfelder Bank, ist der Ansicht, dass der Euro gesamtwirtschaftliche Vorteile bringt.
Foto: privat
20 Jahre nach Einführung ziehen Banker im Bezirk Gänserndorf ein positives Fazit über die gemeinsame Währung.
Werbung

Der 1. Jänner 2002 brachte eine neue Bargeldwährung. Der Euro wurde offizielles Zahlungsmittel in Österreich, bis Ende Februar noch zeitgleich mit dem Schilling. Der fixe Umrechnungskurs von 13,7603 Schilling für einen Euro verdrängte für eine gewisse Zeit die üblichen Komma-99-Preise im Handel – allerdings nicht sehr lange.

Das überschlagsmäßige „Im-Kopf-Umrechnen“ der Euro-Preise zum Schilling war zumindest in der ersten Zeit wohl noch an der Tagesordnung. Wie schaut es heute aus?

Die NÖN sprach Vertretern von Banken, Landwirtschaft und Wirtschaft. Erich Fellner, Vorstandsvorsitzender der Marchfelder Bank, sieht Vorteile, aber auch Verbesserungsmöglichkeiten: „Unsere Kunden haben den Euro als Zahlungsmittel rasch akzeptiert und das war auch meine persönliche Wahrnehmung. Für Banken sind zwar die Wechselkurs-Provisionserlöse weggefallen, aber die gesamtwirtschaftlichen Vorteile sind ziemlich bald klar sichtbar geworden: Verstärkter und intensiverer Wettbewerb zwischen Unternehmen und dadurch auch mehr Produkt- und Dienstleistungsvielfalt, Preisstabilität, geringe Inflation, Wegfall des Bargeldwechsels bei Auslandsreisen und die Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.“

Darüber hinaus biete der Euro nach wie vor die Voraussetzungen für einen gut funktionierenden europäischen Binnenmarkt für Dienstleistungen, Güter und Kapital. Fellners damaliger primärer Gedanke beim Umstieg war, dass Europa weltweit wieder an Bedeutung gewinnt, aber vor allem, dass die mit dem Euro gesetzte Basis für eine höhere Wirtschaftsleistung auch gleichzeitig unseren Wohlstand absichern wird.

„Keine Lösung für sämtliche Unterschiede“

Es habe sich aber auch gezeigt, dass der Euro keine Lösung für die wirtschaftspolitischen Unterschiede innerhalb des Euroraums ist – Stichwort Griechenland-Pleite. „Hier glaube ich, dass die Koordination von wirtschaftspolitischen Entscheidungen auf europäischer Ebene insbesondere in den Bereichen Finanzmärkte und jedenfalls in der Fiskalpolitik noch verbessert werden muss. Damit erwarte ich, dass uns der Euro noch lange als stabile und sichere Währung erhalten bleiben wird“, meint Fellner.

Für Geschäftsleiter Johannes Jaindl von der Raiffeisen Regionalbank Gänserndorf haben sich die Erwartungen erfüllt: „Mit dem Euro als einheitliches Zahlungsmittel wurde die Europäische Gemeinschaft gestärkt.“ Der elektronische Zahlungsverkehr innerhalb des Euro-Raums wurde vereinfacht und beschleunigt. Am Handel mit Valuten (dem Wechsel von einer Währung in die andere) verdienen die Banken dafür nichts mehr.

Ist der Euro eine starke Währung? „Gemäß den jüngsten Zahlen des IWF werden mittlerweile 21 % der weltweiten Devisenreserven in Euro gehalten. Der Euro-Anteil ist in den letzten beiden Jahren im Trend gestiegen, was zeigt, dass dem Euro international Vertrauen entgegengebracht wird“, so Jaindl.

Seine damalige Vermutung, dass die Österreicher noch lange umrechnen werden, hat sich aus seiner Sicht nicht bewahrheitet: „Vor allem bei kleineren Beträgen war eine rasche Umstellung bemerkbar.“

Wie sieht die Wirtschaft den Euro? Gerhard Lauer von Renault Lauer in Gänserndorf kann der Gemeinschaftswährung viel Positives abgewinnen: „Die Preise sind dadurch transparent und bei Importen besser zu vergleichen. Die holprige Anfangszeit ist inzwischen vergessen.“ Er findet es schade, dass nicht alle Länder der EU den Euro als Währung haben. Umgerechnet wird schon lange nicht mehr: „Auch in Schilling hätten die Waren heute andere Preise als vor 20 Jahren.“

Weiterlesen nach der Werbung

Umfrage beendet

  • Rechnet ihr noch in Schilling um?