45-Jähriger bedrohte Familie: Vor Gericht. In den Gängen des Landesgerichts Korneuburg herrscht vor den Verhandlungen im Normalfall die Ruhe vor dem sprichwörtlichen Sturm.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 07. Dezember 2020 (18:48)
Gericht Korneuburg
Löwenstein

Nicht so im Fall eines 45-Jährigen, der dieses Forum bereits nutzte, um mit Statements wie „Ich will mich auf deine Kosten enterben lassen, Vater“ auf sich aufmerksam zu machen. Bereits da wurde klar, dass es sich um ein aus dem Ruder gelaufenes Familienproblem handelt, das strafrechtlich relevant wurde.

Und zwar in Form von Freiheitsberaubung, gefährlicher Drohung und Körperverletzung – so die Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft, vertreten durch Benjamin Schilling.

Nicht nur die Familie soll der Mann bedroht haben, auch auf die ehemalige Lebensgefährtin des 45-Jährigen erstreckte sich seine Aggression. Er soll sie am Verlassen der Wohnung gehindert und sie gewürgt haben sowie Nachrichten mit den Inhalten „Du, Dämonenmanifestation“ oder „perverse Totgeburt“ an sie geschickt haben; was er nicht bestreitet, aber den drohenden Charakter nicht erkennen kann: „Das war eine emotionale Reaktion.“

Angezeigt hatte den 45-Jährigen im September dieses Jahres sein Vater, da dieser Angst hatte, dass sein Sohn „allen was antut und sich was antut“. Vor Richter Martin Bodner schilderte der 69-Jährige die vor etwa einem Jahr beginnende Veränderung seines Sohnes: Sprunghaftes, aggressives Verhalten, das fünf Minuten später komplett umschlagen konnte. Sowohl bei seiner Aussage vor der Polizei als auch vor Gericht bekräftigte der Mann, dass es ihm nur darum ginge, seinem Sohn zu helfen.

„Alles Lüge“, unterbrach der 45-Jährige zum wiederholten Mal den Gang der Verhandlung. Selbst Bodners geduldiger Hinweis, dass sein Vater ihm nur helfen wolle, brachte den Angeklagten nicht von seiner Sichtweise ab. Daran konnte auch die Aussage seines 43-jährigen Bruders nichts ändern, der am Bezirksgericht Gänserndorf, aus Angst um seine Familie, mittlerweile eine einstweilige Verfügung erwirkt hat.

Auslöser dafür war eine Sprachnachricht, in der ihm angedroht wird, dass sein Bruder sich Waffen beschafft und ihm zwischen die Augen schießen würde. „Ich weiß nicht mehr weiter“, waren seine hilflosen Worte, die Richter Bodner unter anderem zum Anlass nahm, einen Sachverständigen mit der Begutachtung des aggressiven Mannes zu betrauen.

„Ich schicke Sie zum Psychiater“, versuchte Richter Bodner dem Beschuldigten die Situation klar zu machen.

Die Reaktion war eine „Daumen hoch“-Geste und ein „Danke“ des Angeklagten. Ob dem 45-Jährigen die Tragweite seines Vorgehens bewusst ist, bleibt fraglich. Bis zur Erstellung des Gutachtens vertagte Richter Bodner die Verhandlung, in der vagen Ahnung, dass dieses Familiendrama noch lange nicht ausgestanden ist.