Anklage wegen Kinderpornografie: „Es war nur der Reiz“. 28-Jähriger sicherte einschlägiges Material auf PC.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 15. November 2020 (03:42)
Der Richter machte dem Angeklagten klar, dass es sich bei Kinderpornografie um kein Kavaliersdelikt handelt. Symbolfoto: Indian Stock images
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Ohne User müssten Kinder nicht leiden“, machte Richter Helmut Neumar im Landesgericht Korneuburg unmissverständlich klar, dass Kinderpornografie kein Kavaliersdelikt ist.

Zuvor hatte ihm der 28-jährige Angeklagte auf seine Frage, warum er Fotos von missbrauchten achtjährigen Buben überhaupt konsumiert habe, geantwortet: „Es war der Reiz, wenn man’s angeboten bekommt.“ Bei einer Hausdurchsuchung beim IT-Angestellten aus dem Bezirk Gänserndorf im Januar dieses Jahres stellten die Beamten ein Notebook und drei Festplatten sicher, auf denen sie bei der Auswertung eine „Vielzahl von Dateien“, wie Staatsanwältin Gudrun Bischof erschwerend in ihrer Anklage erwähnte, mit einschlägigem Inhalt fanden.

„Ist das ein gefährlicher Mensch vor mir?“, fragte sich Richter Neumar vor der Urteilsfindung. Verteidiger Rudolf Lind betonte die Unbescholtenheit seines Mandanten und bat das Gericht, Gnade vor Recht ergehen zu lassen.

Das Urteil fiel milde aus: 360 Tagessätze zu je 30 Euro, wovon 120 Tagessätze bedingt sind, was sechs Monaten Freiheitsstrafe entspricht, ist – bei einem Strafrahmen von bis zu drei Jahren. „Aber“, warnte Richter Neumar den Angeklagten, „beim zweiten Mal geht man in der Regel sitzen.“