Apotheken/Hausapotheken: „Manche müssten zusperren“. Ärzte sehen Vorteil der Patientennähe, Apotheken befürchten den Verlust von Arbeitsplätzen.

Von Christoph Szeker und Manuel Mattes. Erstellt am 04. September 2019 (04:00)
Mattes
Viele Kunden nehmen die Beratung der Apotheken gerne in Anspruch – so wie hier in Deutsch-Wagram.

Dass Mediziner eine Hausapotheke führen dürfen, macht den Beruf des Landarztes zweifellos attraktiver. Aus Sicht der Apothekerkammer würde eine Erhöhung der Anzahl der Hausapotheken jedoch bedeuten, dass zahlreiche Betriebe zusperren müssen. Gleichzeitig entlasten öffentliche Apotheken das Gesundheitssystem, weil viele Patienten nach dem Gang zur Apotheke keinen Arzt mehr aufsuchen. Die NÖN sprach mit Verantwortlichen im Bezirk und fragte sie nach ihrem Standpunkt.

Bezirksärztevertreter Franz Tödling, der eine Praxis in Probstdorf betreibt, sieht einen großen Pluspunkt der Hausapotheken in der Nähe zum Arzt. Diese würden sich positiv auf die Behandlungsqualität auswirken: „Hausapotheken sind für die zeitnahe medikamentöse Behandlung wichtig, da diese einen Unterschied im Behandlungsweg und bei Folgebehandlungen machen kann“, sagt Tödling.

Aus eigener Erfahrung weiß er zudem, dass Patienten „sehr wohl“ die Hausapotheke fordern. Vor allem die ländliche Infrastruktur spreche für eine Apotheke beim Arzt. Tödling verdeutlicht das an einem Beispiel: „Wenn ich Abendordination halte, müssen Patienten oft von Probstdorf nach Deutsch-Wagram oder Gänserndorf zur nächsten Apotheke fahren. Mit dem Auto sind das hin und retour über 40 Kilometer.“

Für viele Pendler käme jedoch nur die Abendordination in Frage. Wenn dann ein Medikament in der Apotheke nicht lagernd sei, müssten die Patienten ein Ersatzrezept besorgen und wieder in die Apotheke fahren. Dieses Beispiel sei paradigmenhaft für viele Fälle.

„Betagte Menschen würden profitieren“

Problematisch sieht Tödling die Situation auch für Pensionisten. Denn für sie seien Arztwege und zusätzliche Apothekenwege oft aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich.

Gertrude Kölbl von der Marchfeldapotheke Deutsch-Wagram sieht die Sache anders: „Die Ärzte sind bereits jetzt sehr stark unter Zeitdruck. Die Arzneimittelversorgung ist eine umfassende und verantwortungsvolle Aufgabe, die sich nicht als Nebentätigkeit erledigen lässt. Außerdem hat sich das Vier-Augen-Prinzip zwischen Apotheker und Arzt bewährt.“ Würde es zu einem eklatanten Anstieg an Hausapotheken kommen, sei mittelfristig auch mit Schließungen von Apotheken und dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Region zu rechnen, schließt Kölbl.

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