Arbeitsmarkt: Klinik setzte auf Kurzarbeit . In Corona-Spitzenzeiten waren 1.069 Betriebe mit 6.200 Mitarbeitern in Kurzarbeit.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 15. Juli 2020 (05:30)
Klinikdirektorin Andrea Sutter-Münz, AMS-Geschäftsstellenleiter Georg Grund-Groiss, Irene Kraus (AMS-Sachbearbeiterin für Unternehmen), Gerhard Hösch (Leiter Rechnungswesen und Controlling von der Klinik Pirawarth, hinten) sowie Patricia Rohatsch vom Serviceteam und Monika Winkler (Stationsleitung Pflege, vorne).
Mauritsch

Der coronabedingte Lockdown im März hatte gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Ein historisches Hoch an Stellensuchenden war die Folge. Ein Instrumentarium, um Kündigungen zu vermeiden, war und ist die Möglichkeit der Kurzarbeit. Gänserndorfs AMS-Chef Georg Grund-Groiss und die Direktorin der Reha-Klinik Pirawarth, Andrea Sutter-Münz, berichten über ihre Erfahrungen.

Mit rund 450 Mitarbeitern ist die Kurklinik Pirawarth einer der größten Arbeitgeber in der Region. „Unsere Leitung hatte sehr schnell beschlossen, niemanden zu kündigen. Kurzarbeit war ein essenzielles Mittel, um die Mitarbeiter behalten zu können“, ist Sutter-Münz überzeugt.

Nach dem Beschluss der Regierung, die Reha-Kliniken zu schließen, wurde sofort ein Betretungsverbot ausgesprochen. Neue Patienten – in der Klinik Pirawarth als Gäste bezeichnet – konnten nicht mehr aufgenommen werden. Wo es möglich war, mussten Gäste nach Hause geschickt werden. Einzig sogenannte Anschlussheilverfahren wie nach einem Schlaganfall kamen zur stationären Behandlung. „Hier zählt jeder Tag“, so Sutter-Münz. An die 360 Gäste beherbergt die Klinik bei Vollbelegung im Normalbetrieb, nach der Schließung waren es bloß zehn. Entsprechend weniger Personal wurde benötigt.

Mit 23. März wurde ein Großteil der Klinik-Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Als Mitte Mai – mit den Lockerungen – der Betrieb schrittweise hochgefahren wurde, kamen Pflegekräfte und Therapeuten in Etappen wieder zurück. Es dauerte fast fünf Wochen, bis der Betrieb zur (neuen) Normalität zurückkehrte. Die erste Phase der Kurzarbeit endete mit Ende Juni. Nur für eine kleine Gruppe an Therapeuten beantragte die Klinik die Verlängerung der arbeitserhaltenden Maßnahmen auf weitere drei Monate.

Sutter-Münz hebt die Kooperation mit dem AMS hervor: „Die Zeit war von Herausforderungen geprägt. Es gab Überschriften, aber viele Unklarheiten. Der gute Kontakt mit Irene Kraus und Georg Grund-Groiss hat uns sehr geholfen.“

Der AMS-Chef berichtet über die Situation im Bezirk: „In Spitzenzeiten hatten wir 1.069 Betriebe mit 6.200 Mitarbeitern in Kurzarbeit.“ Vertreten waren alle Branchen und alle Betriebsgrößen. Aktuell sind es nur noch 209 Betriebe mit 1.009 Arbeitskräften. Ein Erfolg und ein gutes Zeichen. „Rasches Agieren ist wichtig. Je länger die Arbeitslosigkeit dauert, desto schwieriger wird es, wieder Tritt zu fassen“, sieht Grund-Groiss das AMS weiter gefordert.

Dennoch: 4.969 Arbeitssuchenden im Juni bedeuten eine Steigerung zum Vorjahr um mehr als ein Drittel. Dem gegenüber stehen 369 freie Stellen. Das klingt vorerst eher negativ. Wichtig ist aber: „Das sind Momentaufnahmen. Jeden Monat werden an die 500 freie Stelle gemeldet und auch wiederbesetzt. Der Arbeitsmarkt ist mit Dynamik erfüllt.“

Dazu kommt, dass im Pendlerbezirk Gänserndorf viele Positionen nach Wien vermittelt werden. Grund-Groiss will nichts schönreden, blickt aber doch vorsichtig positiv in die Zukunft: „Die verstärkten Vermittlungsaktivitäten des AMS greifen.“

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