„Aus Protest“ vier Kilo in der Fastenzeit zugenommen. Pfarrer Pelczar erklärt, warum Fasten kein Verzicht ist & wie er mit Jesus Espresso trinkt.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 17. April 2019 (04:23)
NÖN-Archiv
„Fasten hat nichts mit Verzichten zu tun“, weiß Pfarrer Christoph Pelczar. Es gehe ums bewusste Leben und darum, sich Zeit zu nehmen.

„Fasten“ und „Abnehmen“ ist für viele dasselbe. 40 Tage lang wird verzichtet, gelitten, gehadert – danach nimmt alles seinen gewohnten Gang. Was von der Fastenzeit hängen bleibt, ist meist nicht der Rede wert. Höchstens ein paar Kilos weniger auf der Waage, die aber recht schnell wieder zurückkommen.

„Die Menschen haben beim Fasten die falsche Motivation“, weiß Weikendorfs Pfarrer Christoph Pelczar. Er selbst habe in den vergangenen 40 Tagen bewusst vier Kilo zugenommen – „aus Protest“. Beim Fasten gehe es nämlich nicht ums Verzichten. „Stattdessen sollte man Dinge machen, für die man sich sonst keine Zeit nimmt“, erklärt der Rapid-Pfarrer. Das könne zum Beispiel das bewusste tägliche Lesen in der Bibel sein. „Sie ist zwar das meistverkaufte Buch der Welt – die wenigsten werfen im Alltag aber einen Blick hinein“, unterstreicht Pelczar.

„Für manche ist das Fasten eine unbequeme Pflicht – das soll es aber nicht sein.“ Pfarrer Christoph Pelczar aus Weikendorf

Was hat er in den letzten 40 Tagen anders gemacht als sonst? „Ich habe mir mehr Zeit genommen – für Freunde, für Gespräche, für Fachliteratur und für Gebete“, erzählt er. „Ich habe mir jeden Tag einen Kaffee gemacht, mir Stille gegönnt und Jesus auf einen Espresso eingeladen. Dann haben wir in Ruhe miteinander geredet.“

Zeit nehmen – das ist Pelczar ein Hauptanliegen, nicht nur in der Fastenzeit. „Die 40 Tage haben mir das sehr schmackhaft gemacht. Ich baue gewisse Erkenntnisse daraus jetzt in mein Leben ein“, führt er weiter aus.

Fasten mache darauf aufmerksam, dass nicht alles selbstverständlich ist. Man beginne, bewusst zu leben. Zwar würden immer mehr Leute fasten, dennoch sei es für viele nicht viel mehr als eine unbequeme Pflicht, weiß Pelczar.

Nach dem Motto „Hurra, ich bin wieder frei!“ aufs Ende hinzufiebern, sei dabei der falsche Weg. Wer nicht verzichtet, sondern achtsam lebt, könne aus den 40 Tagen nämlich einiges mehr mitnehmen – nicht nur ein Minus auf der Waage.