Betrüger prellte Opfer um 80.000 Euro. Angeklagter bot günstige Kredite an. Opfer - unter ihnen auch zwei Personen aus dem Bezirk Gänserndorf - sahen kein Geld: Drei Jahre Haft.

Von Sandra Frank. Erstellt am 29. Juni 2020 (01:07)
Am Korneuburger Landesgericht konnte nun ein Mann zur Verantwortung gezogen werden, der günstige Kredite aus Thailand versprach. Zwei seiner Opfer sind aus dem Bezirk Gänserndorf, sie wurden um insgesamt 80.000 Euro betrogen.
Löwenstein

Eine günstige Investitionsmöglichkeit entpuppte sich als glatter Betrug: Mehrere Opfer wollten das schnelle Geld machen. Zwei davon sind aus dem Bezirk Gänserndorf, von ihnen erhielt der Angeklagte rund 80.000 Euro.

Um an das günstige Darlehen zu kommen, mussten die Interessenten vorab Bares übermitteln, und zwar nach Thailand. Pro Person flossen einige hundert Euro bis zu mehreren tausend Euro. Als europäische Kontaktperson fungierte eine Pensionistin, die sich bereits in dieser Sache vor Gericht verantworten musste und wegen Mitbetrügerei zu sechs Monaten auf drei Jahre Bewährung verurteilt wurde.

„Ich wurde immer vertröstet, bis mir klar war, dass das alles illegal ist.“ Der Angeklagte beteuert, keine betrügerischen Absichten gehabt zu haben.

Jetzt stand der Mittelsmann (61) aus Thailand vor Gericht. Er lebte einige Jahre dort, wurde aber im September 2019 in sein Heimatland Deutschland abgeschoben. Bei seiner Ankunft klickten die Handschellen.

Der Betrug liegt bereits fünf Jahre zurück. Alle Opfer sagten aus, mit der Pensionistin in Kontakt gewesen zu sein. Sie selbst war in Geldnot und wollte einen günstigen Kredit. Für 100.000 Euro Vorzahlung sollte sie über eine Versicherung 8,5 Millionen Euro oder US-Dollar, da war sie nicht mehr sicher, erhalten. „Ich hatte die 100.000 Euro aber nicht“, sagte die Zeugin, die per Video aus dem Bezirksgericht Neunkirchen in den Gerichtssaal am Landesgericht Korneuburg zugeschaltet war. Also schaltete sie Anzeigen, um weitere Investoren zu finden. „Die haben mir Geld gegeben und ich habe ihnen Kredite zugesichert, die sie aber nie bekommen haben“, gestand die Pensionistin.

Versicherer sei mit Geld der Opfer verschwunden

Der Angeklagte, der zu diesem Zeitpunkt in Thailand war, habe sie immer wieder hingehalten. „Bis er gesagt hat, der Versicherer sei mit dem ganzen Geld abgehauen.“ Das Geld habe sie von den Opfern in bar erhalten und via Western Union nach Thailand transferiert.

„Ich habe das Geld der Frau gegeben. Sie sagte, es sei ein Kredit, der mit einem Fonds verbunden ist“, schildert ein Opfer. Er sollte 3.600 Euro investieren. Gezahlt hat er aber nur 600 Euro. „Sie hat mir Unterlagen versprochen, die ich nie bekommen habe.“ Deswegen habe er kein weiteres Geld mehr überwiesen. So glimpflich stiegen nicht alle Opfer aus. Einer Dame wurden etwa eine Million US-Dollar zugesichert, wenn sie 17.000 Euro vorschieße.

Ein Bekannter habe ihr einmal bei den Überweisungen geholfen: „Man kann nur 5.000 Euro überweisen. Sie hatte aber 9.000 Euro. Darum habe ich die restlichen 4.000 Euro überwiesen“, erzählt der 59-Jährige. Das sei in „einem Shop von Western Union in Gänserndorf“ geschehen. Eigenes Geld habe er nicht investiert.

Der Angeklagte, der in Deutschland einschlägig vorbestraft ist und dort bereits fast fünf Jahre hinter Gittern war, sagte aus, nur als „Werkzeug“ fungiert zu haben. Zunächst habe er daran geglaubt, dass die Versicherung günstige Darlehen gegen Vorkasse vergeben würde. Erst im August 2015 sei er unsicher geworden und habe vermutet, dass es sich hier um Betrug handle. „Ich wurde immer vertröstet, bis mir klar war, dass das alles illegal ist“, beteuerte er vor Richterin Anna Wiesflecker.

Dass er keinen Betrugsvorsatz hatte, glaubte ihm die Staatsanwältin nicht. „Die Modalitäten waren völlig unrealistisch. Außerdem hat der Angeklagte seine Vorgehensweise nicht geändert. Er hat seine Kontaktperson immer wieder zu Einzahlungen verleitet.“ Im September 2015 seien so noch 47.000 Euro geflossen.

Er wollte sich mit der Provision über Wasser halten, sagte der Verteidiger. „Es tut mir einfach leid“, meinte der Angeklagte, der mit einigen Zahlungen an die Kontaktperson noch etwas retten wollte. Dieses Geld gab die Pensionistin allerdings nicht weiter, sondern behielt es, da sie selbst in Geldnot war. Der Verteidiger bat um ein mildes Urteil. Der geständige 61-Jährige habe nach diesem Betrug noch knapp fünf Jahre in Thailand gelebt und sich dort aus dem betrügerischen Umfeld zurückgezogen.

Der Schöffensenat verurteilte den Mann schließlich zu einer dreijährigen Haftstrafe, die er in Deutschland absitzen soll. „Könnt‘ ich auf die Überstellung verzichten?“, will der Angeklagte, der das Urteil sofort annahm, lieber in einem österreichischen Gefängnis bleiben.