Bilder am Acker: Bauern zeigen Gesicht. Wer ins Museumsdorf fährt, kommt auch an der Portrait-Serie „Grund und Boden ein Gesicht geben“ vorbei. Diese Aktion der EGZ soll an deren Grundwerte erinnern.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 12. Juni 2017 (04:22)
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Adolf Kroboth, Franz Bauer (geschäftsführender EGZ-Gesellschafter und leidenschaftlicher Landwirt), Robert Bauer sowie Reinhard Hemrich (EGZ-Bauer und Pflanzenschutzbeauftragter) mit Gattin Maria (von links) erklärten die Hintergründe zur Portrait-Serie „Grund und Boden ein Gesicht geben“.
Mauritsch

Schulterlanges Haar, flippige Kleidung – Landwirt Franz Bauer entspricht nicht dem traditionellen Erscheinungsbild, und doch: Der Gründer und geschäftsführende Gesellschafter der Erzeugergemeinschaft Zistersdorf (kurz EGZ) ist leidenschaftlicher Bauer, Verfechter der Europäischen Union und von Regionalität. Das muss kein Widerspruch sein.

Die Zufahrt zum Museumsdorf ist derzeit gesäumt von einer Portrait-Serie – „Grund und Boden ein Gesicht geben“ nennt Franz Bauer diese Aktion. Die klaren Schwarz-Weiß-Fotos dokumentieren die Grundsätze der EGZ: regionale Wertschöpfung und Nachhaltigkeit. Das war auch im Gründungsjahr 1989 schon so, als mit diesen Begriffen nicht viele Menschen etwas anfangen konnten. So gesehen ist Franz Bauer als Visionär zu bezeichnen: „Nach der Betriebsübernahme hatte ich einiges am System auszusetzen. Nur bemängeln und selber nichts tun, liegt mir nicht“, begründet Bauer seine Initiative.

Was einst mit rund 20 Betrieben begann, hat sich heute auf eine Gemeinschaft von rund 300 bis 500 Vertragsbauern, die teilweise auch Eigentümer sind, ausgewachsen – und diese sind über das gesamte Weinviertel verteilt.

Man könnte sagen, eine genossenschaftliche Idee. Die Systematik ist jedoch eine andere. Angebaut wird nach strengen Richtlinien in enger Kooperation mit den verarbeitenden Betrieben und Industrie wie Brauereien oder Mühlen – auf Auftrag.

„Vorteil: Wir wissen, an wen wir liefern“

Darunter findet sich auch das Unternehmen Reicheis, das für die Nudelproduktion Durum (Hartweizen) benötigt. Geliefert wird auch Futtermittel für die Hühner, schließlich finden sich in den Teigwaren auch Eier wieder. Der Hühnermist wiederum kommt pelletiert zur Düngung der Felder zurück. „Unser Ziel ist die Erwirtschaftung von Optimalerträgen bei gleichzeitiger umweltschonender Nutzung der Ressourcen. Und wir wissen, für wen wir produzieren“, sieht Bauer in dem personenbezogenen Lieferverhältnis Vorteile.

Die Produktpalette umfasst unter anderem Braugerste, Weichweizen, Sonnenblumen, Raps und Kürbisse. Die EGZ ist Inhaber einiger Eigenmarken, beispielsweise der Roggensorte „K.u.K. Troad“.

Das Dreiländereck Österreich-Tschechien-Slowakei wieder näher zusammenzubringen, ist ein aktuelles Projekt, dem sich die Landwirte widmen – ganz nach Bauers Motto „Regionalität“, dieses Mal aber eben grenzüberschreitend. Auch mit dem Museumsdorf Niedersulz würde der EGZ-Gesellschafter gerne verstärkt kooperieren, denn: „Ich sehe hier einige Anknüpfungspunkte“, erklärt der umtriebige Landwirt.