Boom bei Grippeimpfung: Ein Stich, der Leben rettet. Impfstoff ist im Bezirk Gänserndorf bereits Mangelware. Mediziner warnen vor den Gefahren, die von der Influenza ausgehen – gerade in Zeiten von Covid-19.

Von Edith Mauritsch, Thomas Schindler und Robert Knotz. Erstellt am 23. September 2020 (04:38)
Der Groß-Schweinbarther Allgemeinmediziner Helmut Legat ist Befürworter der Grippeimpfung: „Sie ist Immuntraining für den Körper.“ Eine schwere Influenza sei herausfordernd für den Organismus und schwäche den Körper sehr: „Bei jungen Menschen, auch mit körperlich guter Konstitution, sind Folgeschäden wie Herzmuskelentzündungen gefährlich. Bei anderen wieder besteht die Gefahr einer Pneumonie, also Lungenentzündung.“
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Das Thema Grippeimpfung geht derzeit vielen unter die Haut – vor allem jenen, die Angst haben, dass es heuer nicht genügend Impfstoff geben wird. Wie sieht es hier im Bezirk aus? Erwartet man wegen der Coronakrise einen Ansturm auf die Influenza-Impfung?

„Ich habe bei zwei Firmen Impfstoffe bestellt. Der erste sollte Anfang Oktober bei uns eintreffen“, berichtet Gertrude Kölbl von der Marchfeldapotheke in Deutsch-Wagram. Es gebe bereits sehr viele Anfragen von impfwilligen Kunden. „So eine große Anzahl hatten wir bis dato noch nie“, betont Kölbl.

Die Apothekerin hofft, dass sie die Impfstoffe rechtzeitig bekommt: „Von der zweiten Firma konnte uns noch kein Lieferdatum genannt werden.“ Kölbl zeigt sich aber zuversichtlich. Sie habe auch mehr Impfstoff als üblich geordert: „Und es besteht die Möglichkeit, ihn nachzubestellen. Diese Charge soll Anfang Dezember verfügbar sein.“

„Die Nachfrage in der Apotheke ist viel höher als das Angebot. Wegen der Corona-Pandemie wollen sich heuer wesentlich mehr Menschen gegen die Influenza impfen lassen.“Allgemeinmediziner Rudolf Ludwig

Auch in der Bezirkshauptstadt Gänserndorf dürfte der Grippeimpfstoff derzeit gut aber aus sein. Allgemeinmediziner Rudolf Ludwig: „Die Nachfrage in der Apotheke ist viel höher als das Angebot. Wegen der Corona-Pandemie wollen sich heuer wesentlich mehr Menschen gegen die Influenza impfen lassen.“

Unterrichtsminister Heinz Faßmann versprach eine Gratis-Impfung für Lehrer. Auch für Kinder und Jugendliche soll die Grippeimpfung dieses Jahr gratis sein. Was sagt Ludwig, langjähriger Schularzt am Gänserndorfer Konrad Lorenz Gymnasium, dazu? „In Wien gibt es dieses Angebot. Was NÖ betrifft, haben wir bis dato keine konkreten Informationen.“

Gym-Direktorin Eva Zillinger ergänzt: „Da wir noch keine Infos haben, kann ich natürlich auch noch nicht sagen, wie viele Lehrer das Angebot annehmen werden. Ich gehe aber schon von einem hohen Prozentsatz aus.“

Helmut Legat ist praktischer Arzt in Groß-Schweinbarth und Befürworter der Grippeimpfung: „Sie ist Immuntraining für den Körper.“ Was Patienten langläufig als Grippe bezeichnen, sei allerdings zumeist ein grippaler Infekt. „Die richtige Grippe, also Influenza, kommt meist schlagartig innerhalb sehr kurzer Zeit. Das können nur Stunden sein.“

Kann man trotz Impfung an der Influenza erkranken? „Ja, aber die Infektion verläuft dann wesentlich schwächer.“ Eine schwere Influenza sei herausfordernd für den Organismus und schwäche den Körper sehr: „Bei jungen Menschen, auch mit körperlich guter Konstitution, sind Folgeschäden wie Herzmuskel-Entzündungen gefährlich. Bei anderen wieder besteht die Gefahr einer Pneumonie, also Lungenentzündung.“

Legat sieht eine kommende Grippewelle in Zeiten von Covid-19 als Herausforderung für Mediziner: „Die Symptome sind nahezu identisch. Wir müssen herausfiltern, wer Grippe oder einen grippalen Infekt hat und wer am Coronavirus erkrankt ist.“ Der Groß-Schweinbarther wünscht sich den Einsatz von Covid-19-Schnelltests bei praktischen Ärzten: „Hier muss so rasch wie möglich eine Lösung gefunden werden, das muss von den Kassen bezahlt werden. Jeder Arzt könnte den Test in seiner Ordination machen.“

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