Bürgermeister zu Covid-Tests: „Stehen immer an Front“. SPÖ-Bezirksgeschäftsführer und rote Bürgermeister aus dem Bezirk Gänserndorf fühlen sich von Bundesregierung beim Testen und Impfen im Stich gelassen.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 10. Februar 2021 (03:31)
Video-Pressekonferenz mit SPÖ-Bezirksgeschäftsführer David Schramm (l.) und drei Bürgermeistern aus dem Bezirk.
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Drei SPÖ-Bürgermeister und ihr Bezirksgeschäftsführer David Schramm luden zu einer Online-Pressekonferenz, bei der sie der Bundesregierung wegen derer Test- und Impfstrategie die Rote Karte zeigten. Grundtenor: Es könne nicht sein, dass die Verantwortung für die unausgegorenen Pläne der schwarz-grünen Regierung auf die Gemeinden abgewälzt werde.

Bürgermeister Ludwig Deltl aus Strasshof ergriff als Erster das Wort: „Zuerst hieß es, dass man sich ab 18. Jänner online für eine Corona-Impfung registrieren kann, dann war es plötzlich der 16. Jänner. Und niemand dachte daran, dass ältere Mitbürger weder einen PC noch Internet haben.“ Die standen dann alle plötzlich im Rathaus, damit die Gemeinde die Anmeldung vornimmt. Deltl: „Wir müssen ständig über Nacht zaubern, damit alles funktioniert, was die Regierung verspricht. Wir stehen immer an der Front.“

„Wir sind die Puffer zur Bundesregierung.“ Monika Obereigner-Sivec, SPÖ-Bürgermeisterin von Groß-Enzersdorf

In dasselbe Horn stieß Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec aus Groß-Enzersdorf: „Uns wurden für die Massentests keine Tester zur Seite gestellt. Das mussten wir als Gemeinde alles selbst organisieren. Wegen der aktuellen permanenten Teststraßen haben mich schon Wiener aus dem 22. Bezirk angerufen.“ Die wollen nach Groß-Enzersdorf kommen, weil dies für manche einfacher ist als die Fahrt zum Austria Center. Obereigner-Sivec: „Bei uns laufen die Telefone heiß und wir wissen nicht, woher wir die nötigen freiwilligen Tester finden sollen. Wir sind die Puffer zur Bundesregierung.“

Bürgermeister Peter Schaludek aus Ringelsdorf-Niederabsdorf wiederum sprach das finanzielle Problem an: „Aufgrund der Corona-Krise haben wir eh schon viel weniger Einnahmen als sonst. Und trotzdem müssen wir die Kosten für die Testungen tragen.“ Für die Tester selbst gibt es zwar eine Entschädigung, aber nicht für die Organisation und die Infrastruktur, die die Gemeinden zur Verfügung stellt. Schaludek: „Die Verantwortung wird einfach weitergegeben und wir Kommunen bleiben über.“

SPÖ-Bezirksgeschäftsführer Schramm, er ist auch Stadtrat in Zistersdorf, ortete jede Menge Probleme, die noch auf die Gemeinden zukommen werden: „So wie es derzeit aussieht, wird es noch Monate dauern, bis zumindest einmal alle vulnerablen Mitbürger geimpft sind.“