Cannabis in Wohnung angebaut: Vater & Sohn vor Gericht. 19-Jähriger aus dem Bezirk Gänserndorf nutzte mit Zustimmung des Vaters das Haus für den Anbau von Cannabis-Pflanzen. Beide standen nun vorm Richter.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 01. März 2021 (03:55)
Das Haus diente als Anbauort für Cannabis-Pflanzen.
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Ein beschauliches Einfamilienhaus in Schönkirchen-Reyersdorf diente einem 19-Jährigen als ideales Anbaugebiet für seine Cannabis-Pflanzen und das buchstäblich vom „Garten bis zum Dach“, wie Richter Franz Furtner am Landesgericht Korneuburg immer wieder im Lauf der Verhandlung feststellte. Und das Ganze fand mit Zustimmung des Vaters statt, weswegen sich sowohl der Sohn als auch der 61-Jährige unter anderem wegen Vorbereitung zum Suchtgifthandel verantworten mussten.

Der 19-jährige Schweiß- und Stahlbautechniker-Lehrling rechtfertigte den Anbau der illegalen Pflanzen seit Juni 2020 mit seinem Eigenbedarf. Das deckte sich allerdings nicht ganz mit der Menge, die die Polizei im Haus vorfand – an die zwei Kilo. Sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft konnten allerdings nur einen Kunden ausforschen. Dieser bestätigte dem Gericht, seit Ende 2018 vom angeklagten Burschen Gras und Kokain bezogen zu haben.

„Hanebüchen“ nannte Richter Furtner denn auch das Argument des Eigenbedarfs. Was die Beamten und das Gericht ebenfalls stutzig machte, war eine Kellnergeldbörse mit rund 12.500 Euro, die sie im Zimmer des 19-Jährigen gefunden hatten, darin Geldscheine in „szene-typischer Stückelung“. Gemeint ist damit, immer Wechselgeld für einen Drogen-Verkauf parat zu haben. Außerdem „lobte“ ein Kontrollinspektor die „extrem“ gute Qualität des aufgefunden Kokains: „Da muss man sich schon auskennen.“

Freiheitsstrafen für Vater und Sohn

Der Vorstoß des Verteidigers des 61-Jährigen, Leonhard Kregcjk, das Verfahren für diesen mit einer Diversion zu beenden, da er ja nichts weiter gemacht habe als „ein Aug zu viel zugedrückt“, stieß sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch beim Richter auf taube Ohren. „Ohne Mithilfe kein Anbau“ – auf diesen Nenner brachte es Furtner. Für Vater und Sohn setzte es bedingte Freiheitsstrafen. Der 61-Jährige wurde zu acht Monaten verurteilt, der 19-Jährige zu 20 Monaten.