Countdown für Hochleistungs-Leitung läuft. Austrian Power Grid plant neue Hochleistungs-Leitung durch den Bezirk Gänserndorf. Die NÖN kennt alle Details.

Von Edith Mauritsch und Erwin Nußbaum. Erstellt am 15. Februar 2017 (04:11)
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Die neue 380-kV-Leitung verläuft streckenweise auch durch den Bezirk Gänserndorf.
APG

Die Austrian Power Grid (kurz APG) – als Österreichs Übertragungsnetzbetreiber verantwortlich für das heimische Hochspannungsnetz – plant ein Megaprojekt mit einem Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro. Auf einer Länge von rund 47 Kilometern soll eine neue 380-kV-Leitung entstehen, der Großteil der Strecke wird durch den Bezirk Gänserndorf führen. Dazu kommt ein neu zu errichtendes Umspannwerk im Gemeindegebiet von Neusiedl als weitere Verbindung zwischen den Leitungen der APG und den 110-kV-Leitungen der Netz NÖ.

Birgit Breiter, Sprecherin der APG, über die Hintergründe des Neubaus: „Die bestehende 220-kV-Leitung ist bereits über 70 Jahre alt und entsprechend sanierungsbedürftig. Wir haben uns daher zu einem Ersatzneubau entschlossen, um auch in Zukunft jederzeit einen sekundengenauen Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch herstellen zu können.“ Den geänderten Anforderungen an ein Stromnetz – von wenigen Großkraftwerken hin zu vielen Regionalerzeugern – war bei der Planung ebenfalls Rechnung zu tragen.

Jede regionale Kilowattstunde verringere Zufluss aus anderen Quellen

Die neue Weinviertelleitung zweigt vom Anschlusspunkt Seyring ab und wird nach der Querung der Gemeindegebiete von Auersthal und Schönkirchen-Reyersdorf die Stadt Gänserndorf nordwestlich umschiffen, um dann vom Umspannwerk Prottes in das neu zu bauende Umspannwerk in Neusiedl einzumünden. Die Masten sind je nach topografischer Lage an die 60 Meter hoch und zweisystemig ausgeführt – das bedeutet, die Leitung besteht aus zwei getrennten Stromsystemen. Damit wird der internationale Sicherheitsstandard erfüllt. Insgesamt 148 Masten sollen die neue Weinviertel-Leitung tragen.

Bei der Planung war auf bestehende Anlagen, wie das Fördergebiet der OMV, ebenso Rücksicht zu nehmen, wie auf die zahlreichen bestehenden oder geplanten Windparks. Der Neubau soll die Abführung des Stroms aus erneuerbaren Energien aus dem Stromnetz der Netz NÖ in das Übertragungsnetz der APG gewährleisten.

Durch den direkten Zugang zu der Weinviertelleitung bekomme regional erzeugter Strom Vorfahrt, jede regionale Kilowattstunde verringere den Zufluss aus anderen Quellen – welche das sein könnten, erklärt Breiter so: „Durch die Errichtung auf einer neuen Trasse werden keine zusätzlichen Kapazitäten geschaffen, um über diese Leitung mehr Atom-Strom nach Österreich zu bringen.“ Ein wichtiger Aspekt für die neue Trassenführung war, möglichst weit entfernt vom Siedlungsgebiet zu bauen, um Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinden nicht einzuschränken.

"Damit kann nicht noch mehr Atom-Strom importiert werden"

So ist die alte Leitung unter anderem in Dürnkrut ziemlich nahe bei den Häusern, das fällt dann weg. In unzähligen Gesprächen während der fast zweijährigen Planungsphase flossen Wünsche von Gemeindevertretern, Grundeigentümern und Anrainern ein.

Im Vergleich zur bestehenden Anlage, die vom Umspannwerk Bisamberg kommend südlich der Bezirkshauptstadt und dann entlang der Staatsgrenze nach Norden führt, können 53 Masten eingespart werden. Der zweite Teil der Weinviertel-Leitung ist der Neubau einer 220-kV-Leitung vom Umspannwerk Neusiedl bis zur Staatsgrenze. Dieses Bauvorhaben stellt einen kapazitätsneutralen Ersatz der bestehenden Leitung dar – im Gegensatz zum kapazitätserhöhenden Leitungsteil mit 380-kV Spannung.

Derzeit läuft die Umweltverträglichkeits-Prüfung. Noch bis zum 8. März liegen die Unterlagen in allen betroffenen Gemeinden zur Einsicht auf. Die APG ging zusätzlich den Weg der öffentlichen Information bei Bürgersprechtagen, die bereits im Laufe des Jahres 2016 abgehalten wurden. Nach Einlangen der Stellungnahmen und Gutachten der Sachverständigen könnte es im Laufe des heurigen Jahres zur mündlichen Verhandlung kommen. Je nach Ausgang erfolgt dann der endgültige Bescheid.

Die NÖN hat sich auch mit Umweltschützer Wolfgang Rehm in Verbindung gesetzt. Wie bewertet er den APG-Bau? „Aus der Perspektive des Vogelschutzes ist die neue 380-kV-Leitung eine Verbesserung – sie rückt nämlich von der March weg und umgeht auch ein Vogelschutz-Gebiet.“ Auch die kapazitätsneutrale 220-kV-Leitung ab Neusiedl über die Grenze sei positiv zu bewerten: „Damit kann zumindest nicht noch mehr Atom-Strom importiert werden.“