Den Rasern geht es an den Kragen. Zu schnell gefahren wird im Bezirk Gänserndorf vor allem auf der L5 und der B49. Aber auch die B8 verleitet oft zum Rasen.

Von Susanne Jaritz. Erstellt am 08. September 2021 (05:24)
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Auf der B8 wird immer wieder gerast. Die breite Fahrbahn verleitet dazu.
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Die Strafen für Raser haben sich mit 1. September drastisch erhöht: Neben saftigen Geldstrafen wird auch die Dauer des Führerscheinentzuges erheblich verlängert. Man will vor allem gegen illegale Straßenrennen vorgehen. Was sagt der Bezirk zu den neuen Gesetzen und wo gibt es eigentlich Raserstrecken?

Erich Aff vom Bezirkspolizeikommando Gänserndorf erklärt, dass seine Kollegen regelmäßig auf der L5 (Raasdorf bis Lassee), der B49 (entlang der March) und der B8 kontrollieren. Zu Hauptverkehrszeiten, etwa auf dem Weg in die Arbeit, werde dort immer schneller gefahren.

„Vor allem, wenn die Straßen breiter ausgebaut sind, verleitet dies zum Rasen. Die richtigen Tempobolzer erwischt man leider nur ab und zu“, so Aff. In den 30er-Zonen im Ortsgebiet werde zwar auch schnell gefahren und es gebe immer wieder Beschwerden von den Anrainern, aber meistens sind es diese selber, die dort rasen. Radarboxen, Fahrbahnschwellen, Lasermessungen und Tempolimitanzeiger seien gute Maßnahmen, um die Geschwindigkeit zu minimieren.

„Es kann auch mit wenig Geschwindigkeit viel passieren.“
Georg Schicker, FF-Bezirkskommandant

Grundsätzlich findet der Polizist die Strafen noch immer als zu gering: „Wenn man sich in Europa umschaut, wo man Lawinen fürs Schnellfahren zahlen muss ...“ Er ist der Meinung, dass die Strafen an das Gehalt vom Verursacher angepasst werden sollen. Von einer Tuning-Szene könne er übrigens nicht berichten.

Der Leiter der Gänserndorfer Straßenmeisterei, Anton Maritschnig, glaubt, dass es keine klassischen Raserstrecken in der Gegend gibt: „Die Schnellfahrer sind aber meistens die mit den Sportautos.“ Grundsätzlich sei der Verkehr in der Region so stark, dass das Rasen gar nicht so leicht sei. In Ortschaften fahre fast jeder zu schnell ein: „Immer sind es die anderen – in Wahrheit muss sich jeder selber an der Nase nehmen.“ Zu den höheren Strafen meint Maritschnig, dass man die Menschen sowieso nur mit Geld abschrecken könne.

Gänserndorfs Verkehrsstadtrat Wolfgang Halwachs, der auf ein dreistufiges Anti-Raser-Projekt setzt, erzählt, dass dieses positiv aufgenommen werde. „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg’ auch keinem ander’n zu“, lautet das Motto. Halwachs: „Wir stellen das Projekt den Bürgern vor und versuchen herauszuhören, was deren Anliegen sind und mit welchen Maßnahmen sie sich anfreunden können.“

Mehr Raser im Lockdown

Grundsätzlich findet der Stadtrat, dass man die neuen Gesetzesregelungen nur begrüßen könne. Das Problem sei aber, dass man die Leute auch beim Rasen erwischen müsse. Um das zu ermöglichen, müsse eine entsprechende Exekutivpräsenz vor Ort sein. Er empfindet auch, dass das Rasen in Zeiten der Lockdowns zugenommen habe.

Die klassischen Gänserndorfer Raserstrecken sieht Halwachs im Bereich der alten Siebenbrunner Straße, für die man derzeit eine bauliche Maßnahme ausarbeite. Auch die Bahnstraße sei in Bezug auf aufgemotzte Motoren ein neuralgischer Punkt. Dort sei zwar das Schnellfahren nicht das vorrangige Thema, aber der Lärm, der von diesen Motoren ausgehe. Und dann gebe es natürlich noch die neue Umfahrungsstraße in Gänserndorf-Süd: Dort werden von einer Tankstelle aus immer wieder Rennen veranstaltet, berichtet Verkehrsstadtrat Halwachs.

Ein Tankstellenbesitzer bestätigt, dass in der Gegend und auch von der Tankstelle ausgehend Rennen stattfinden: „Es sind immer die Jungen, die ganz extrem rasen. Da ist die komplette Ortschaft betroffen.“ Es seien auch immer die gleichen – die mit den „dicken BMWs“. Er versucht oft, ihnen einzureden, nicht so schnell zu fahren. Die Polizei könne sich ja auch nicht immer um alles kümmern. Zudem mangle es der Exekutive an Personal.

Selbst ein schlechter Autofahrer

Gänserndorfs FF-Bezirkschef Georg Schicker heißt die härteren Strafen gut, obwohl diese ihn selbst treffen, da er ein schlechter Autofahrer und oftmals abgelenkt sei. Er findet, dass die Geschwindigkeit allein nie ursächlich für einen Unfall sei: „Entweder man ist ein guter Autofahrer oder ein schlechter. Da kann auch mit wenig Geschwindigkeit viel passieren.“ Aber natürlich geschehe weniger, wenn überwacht werde.

Schicker hat bemerkt, dass Junge mit Probeführerscheinen oft in Unfälle verwickelt sind. Geradlinige Straßen verleiten eben zum Schnellfahren. „Auf den Bundesstraßen ist viel Verkehr und da ist auch das Risiko, einen Unfall zu bauen, viel höher“, so der FF-Bezirkschef.

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