Die Wirte bitten zu Tisch - mit gemischten Gefühlen. Die einen versprühen Euphorie, andere befürchten ein Ausbleiben der Gäste wegen Geldmangels.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:20)
Auch das Gasthaus „Auhirsch“ in Stopfenreuth darf seine Pforten wieder öffnen. Wirt Chris Bartusch und Patricia Mück freuen sich, mit frischem Wind die Gäste zu verwöhnen.
Havranek

Sonntagvormittag, noch vorm großen Ansturm der Gäste beim Groß-Enzersdorfer Uferhaus: Die Stimmung ist prächtig, die Sonne lacht, es lacht der Wirt, die Tische sind ausgebucht, endlich wieder Wirtshausleben. Beim Eingang wartet die Mannschaft und weist die Gäste ein, ein Stamperl Obstler inklusive.

Uferhaus in Groß-Enzerdorf. Freude bei Wirt Michael Eichler samt Team Rita Andre und Gustav Neuwirth: „Wir haben die Zeit gut genutzt.“
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„Uns geht es sehr gut“, so Wirt Michael Eichler. „Wir haben die Zeit genutzt, das Gasthaus herausgeputzt, die verstaubten Vorhänge abgenommen, neue Polster aufgelegt, auch die Speisekarte ist neu. Es gibt jetzt neben den Klassikern auch Gesundes wie Salatschüssel, Thunfisch-Wrap oder Falafel.“ Er hat auch die Hilfsleistungen genutzt, die Soforthilfe wie auch einen günstigen Kredit des AWS, der nur mit einem Prozent verzinst ist.

Gasthof Breinreich in Wittau: Die Küche hat wieder Hochbetrieb, WirtHerbert Breinreich(rechts im Bild) ist wieder in seinem Element, auch Koch Paul, Mutter und Tanten haben alle Hände voll zu tun.
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Beim Breinreich in Wittau ist die Stimmung ebenso euphorisch, Wirt Herbert Breinreich hat die Nacht beim Fabrizieren von Blutwurst und Presswurst verbracht und lässt stolz verkosten. Mama Breinreich füllt die Schnitzel fürs Cordon bleu, Koch Paul und Küchenhilfe Stefanie haben alle Hände voll zu tun, auch die Tante hilft mit. Es ist schon einiges verloren gegangen in den letzten Wochen – obwohl sie rund 60 bis 70 Essen täglich zur Abholung oder fürs Lieferservice gekocht hatten. Und es wird auch in Zukunft einiges wegfallen, keine Kulturveranstaltungen, keine großen Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern. Aber die Breinreichs stehen das durch, versichert Herbert. „Das ist mein Leben, das macht mir Freude, es wird weitergehen.“

Landgasthaus Abraham in Mühlleiten: „Schön, dass die Gäste wieder da sind“, sagt Wirt Hannes Abraham (l.).Kremsmayer
NOEN

Auch beim Landgasthaus Abraham in Mühleiten ist man entspannt. Die Gäste kommen wieder und freuen sich über gebackene Leber und kühles Bier. Zur Mittagszeit ist Hannes Abraham ausgebucht. Als alteingesessener Wirt kann er den Ausfall wegstecken. Aber: „Wenn jemand vom aktuellen Umsatz Miete zahlen muss, wird es eng.“

Ein wenig besorgt zeigt sich das Wirtsehepaar Ludl: Werden es sich die Gäste noch leisten können, regelmäßig ins Wirtshaus zu gehen?
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Im Gasthaus Ludl ist man weniger euphorisch, am ersten Tag kamen die Gäste in Scharen, am Samstag blieb es ruhig. „Wir werden sehen, ob die Leute genug Geld haben werden, um ins Wirtshaus zu gehen“, seufzt Hubert Ludl und ärgert sich über angebotene Hilfen: „Der Kredit wäre teurer als ein normaler, aber kostet 700 Euro Bearbeitungsgebühr. Wenn man darauf ist, sollte man gleich zusperren.“ Ludl muss nicht zusperren, aber vielleicht den Schanigarten aufsperren, denn eines konnte die NÖN eindeutig beobachten: Die Gäste bleiben lieber im Freien.

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