FF-Bezirkschefwahl: Lamminger fordert Schicker heraus. Ehemaliger Groß-Enzersdorfer FF-Chef tritt gegen den amtierenden Bezirks-Kommandanten bei der kommenden Wahl an.

Von Thomas Schindler und Ulla Kremsmayer. Erstellt am 22. Februar 2021 (15:59)
Christian Lamminger (links), der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Groß-Enzersdorfer FF-Chef kandierte, will Schicker als FF-Bezirkschef beerben. Georg Schicker steht wegen einer eigenmächtigen Kreditaufnahme für die Anschaffung von Feuerwehrgeräten im Visier des Landes-FF-Kommandos.
Kremsmayer (Lamminger)/Schindler (Schicker)

Die Machtkämpfe innerhalb der Feuerwehren in der Region werden jetzt immer sichtbarer. Nachdem FF-Bezirkschef Georg Schicker von einem anonymen Briefeschreiber beim Landes-FF-Kommando verpfiffen wurde (die NÖN berichtete), sieht sich der Marchegger nun erstmals mit einem Gegenkandidaten konfrontiert: Der Groß-Enzersdorfer Christian Lamminger fordert Schicker bei der Bezirkskommandanten-Wahl diesen Freitag heraus.

Christian Lamminger, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Groß-Enzersdorfer FF-Chef kandierte, will Schicker als FF-Bezirkschef beerben.
Kremsmayer

„Ich will Ruhe hineinbringen“, sagt Lamminger, der bis vor Kurzem Chef der Feuerwehr Groß-Enzersdorf und des gleichnamigen Unterabschnittes war. Er sei 44 Jahre Mitglied bei der FF und habe vieles erlebt: „Ich will wieder die Freiwilligkeit in den Mittelpunkt rücken und das Miteinander.“ Schicker habe zu viel Druck aufgebaut, wollte stets die neuesten Gerätschaften, alles hoch spezialisiert, für jede kleine Feuerwehr: „Das führt zu einer Übertechnisierung und zu Stress.“

Laut Lamminger brauche nicht jede Wehr alles machen. Es müssen auch nicht alle die neuesten Wasserpumpen für den Hochwasserschutz oder Löschgeräte für E-Autos haben: „Wir wissen ja gar nicht mehr, wo wir alle die Dinge hinstellen sollen.“ Doch Schicker habe „uns neue Einrichtungen und Ausbildungen aufgebrummt“. Und er habe sich überall eingemischt – bis hinunter in die Personalien der Abschnittsfeuerwehren. Lammingers Fazit: „Alle sind mittlerweile zerstritten.“

Freilich sei durch die eigenmächtigen Entscheidungen Schickers auch der Landesverband „sauer auf den Bezirk“, da gebe es kaum noch Begegnungen auf Augenhöhe: „Er vergisst, dass wir alles ehrenamtlich machen und dass wir auch ein Berufs- und Privatleben haben.“ Durch den permanenten Druck seien auch die Freude und das Gemeinschaftsgefühl verloren gegangen.

„Aber nur was man gern macht, macht man gut“, so Lamminger. Er habe noch fünf Jahre bis zur Pensionierung und die wolle er dafür nutzen, zu entschleunigen und zu beruhigen. Nach einer Operation im Herbst sei er nun die letzten Tage auf Rehabilitation und fühle sich bereits wieder gesund.

Als Stellvertreter hätte er sich Mannsdorfs FF-Chef Markus Unger, der als Vize von Schicker kandidiert, gewünscht. Doch der winkt ab. Er habe nichts gegen Lamminger, dieser sei ein toller Kamerad: „Aber ich kann das schon allein aus Loyalitätsgründen nicht machen. Ich kandidiere im Team mit Georg Schicker. Für mich zählen Loyalität, Kameradschaft und Vertrauen. Und ich habe großes Vertrauen zu Schicker, ich habe ja in den letzten Jahren alles gemeinsam mit ihm gemacht.“

Georg Schicker steht wegen einer eigenmächtigen Kreditaufnahme für die Anschaffung von Feuerwehrgeräten im Visier des Landes-FF-Kommandos.
Schindler

Unger ist überzeugt davon, dass im Bezirk der richtige Weg eingeschlagen wurde. Wenn er auch einräumt: „Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Schicker polarisiert sicher manchmal auch.“ Aber sein Weg sei eben vernünftig. „Wir müssen uns weiterentwickeln, viele beneiden uns um unser Stationierungskonzept. Es ist wichtig weiterzudenken.“

Schicker selbst nimmt Lammingers Kandidatur zur Kenntnis: „Ich verstehe die Kritik nicht. Bis jetzt waren immer alle zufrieden.“ Und: „Es ist eine demokratische Wahl. Am Freitag wird sich entscheiden, in welche Richtung der Bezirk geht.“