Frauen als Opfer: „Gewalt hat keine Zeugen“. Fünf Morde in 21 Tagen erschüttern Österreich. Sind sie nur der Gipfel einer Gesellschaft, die verroht?

Von Manuel Mattes und Nina Wieneritsch. Erstellt am 23. Januar 2019 (04:45)
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Die Opfer waren Frauen, die Täter Männer – und sie standen in einer Beziehung oder gehörten zur Familie ihrer Mordopfer. Das ist das Einzige, das die fünf Morde – einer in Wien und vier in Niederösterreich (Amstetten, Krumbach, Wr. Neustadt, Tulln) – gemeinsam haben.

Die NÖN sprach mit Juristin Andrea Schwinner und Psychologin Claudia Linimayer vom Gänserndorfer Frauenforum, das 40 Stunden pro Woche kostenlos Unterstützung anbietet: „Viele Frauen erkennen oft nicht, dass sie bereits seit Längerem Opfer sind, und kommen erst zu uns, wenn körperliche Übergriffe stattgefunden haben“, so die beiden Beraterinnen. Gewalt könne diverse Formen annehmen – auch die psychische Gewalt durch Drohungen, der Entzug von finanziellen Ressourcen sowie Mobbing in sozialen Medien zählen dazu. Eines macht Schwinner und Linimayer besonders betroffen: „Viele Vergewaltigungen finden in aufrechter Ehe statt. Manche Frauen gehen davon aus, es gehöre zu ihren ehelichen Pflichten, nicht einvernehmliche Sexualakte zu dulden.“

Auch die technischen Errungenschaften machen sich offenbar zahlreiche Männer zunutze: Manche würden GPS-Tracker am Fahrzeug der Frau befestigen, um sie zu überwachen. Welche Möglichkeiten gibt es, um weiblichen Gewaltopfern zu helfen? „Ganz wichtig sind niederschwellige, kostenlose Beratungseinrichtungen, damit die Hemmschwelle, Unterstützung in Anspruch zu nehmen, sinkt. Auch für Männer sollten Beratungsangebote ausgebaut werden“, so Linimayer und Schwinner unisono.

„Gewalt im eigenen Zuhause ist unsichtbar“

Dass (häusliche) Gewalt zunimmt, glaubt Claudia Fath-Kuba, Leiterin des Mistelbacher Frauenhauses, das auch für den Bezirk Gänserndorf zuständig ist, nicht. „Sie wird durch die verübten Morde sichtbarer.“ Das Problem: Gewalt in den eigenen vier Wänden sei unsichtbar und habe keine Zeugen. Zudem werde heutzutage vieles ungeniert ausgesprochen „und von der verbalen zur körperlichen Gewalt ist es nicht mehr weit“. Übrigens: Im Bezirk wurden 2018 von der Polizei gegenüber Männern 60 Betretungsverbote ausgesprochen.

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