Freiwilliges Soziales Jahr: „Ein Segen für das Rote Kreuz“

Erstellt am 24. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
Auch das Gänserndorfer Pflegeheim ist froh, dass es dieses Angebot gibt.
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Freiwilliges Engagement im sozialen Bereich hat viele Gesichter. Eines davon ist das Freiwillige Soziale Jahr, kurz FSJ genannt. Junge Menschen haben damit die Möglichkeit, soziale Berufe besser kennenzulernen oder – im Fall von Burschen – dieses als Ersatz für den Zivildienst zu leisten.

Beim Roten Kreuz Gänserndorf-Marchegg sind neun junge Menschen im Rahmen des FSJ tätig, darunter Johanna Essl und Georg Perl. Essl arbeiten als Rettungssanitäterin. Die Ausbildung ist wesentlicher Teil im Zuge des FSJ. Für die junge Frau war der Sozialbereich schon immer Thema. Just am Tag des NÖN-Interviews hat sie die Zusage für die Aufnahme am FH-Campus Wien erhalten. Sie wird Gesundheits- und Krankenpflege studieren.

Essl zu ihrer Zeit beim Roten Kreuz: „Der Gedanke, in den Sozialbereich zu gehen, hat sich während meiner Tätigkeit noch gefestigt. Ich konnte viel mitnehmen.“ Im September startet sie mit dem Studium, das mit dem Bachelor abschließt.

Perl wiederum absolviert das FSJ als Ersatz für den Zivildienst: „Ich habe keinen Platz gefunden und daher mit meinem ehemaligen Lehrer Kontakt aufgenommen. Er hat mir das FSJ empfohlen.“ Der ehemalige Lehrer ist Thomas Hasenberger, Leiter der Bezirksstelle des Roten Kreuzes Gänserndorf-Marchegg. Perl möchte nach seiner Zeit beim Roten Kreuz Lehramt für Sport und Englisch studieren.

Ausbildung zum Sanitäter ist staatlich anerkannt

Für Hasenberger sind bei den Bewerbern soziales Engagement und Neugier Voraussetzungen. Spezielle Vorkenntnisse sind nicht notwendig. „Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist staatlich anerkannt“, informiert Hasenberger. Die Tätigkeit umfasst die eigenverantwortliche Betreuung und Versorgung von Notfallspatienten und die Betreuung bei Sanitätseinsätzen.

Für den Bezirksstellenleiter sind die FSJ ein Segen. „Der Bereich ist nicht kontingentiert, das ermöglicht uns eine bessere Einteilung.“ Einsatzmöglichkeit gibt es neben dem Rettungssanitätsdienst auch im Sozialen Dienst bei Einrichtungen des Rotes Kreuzes wie dem Henry-Laden, dem Lernhaus der Volksschule Gänserndorf, der Nachmittagsbetreuung oder dem Pflegemittelverleih.

Auch im NÖ Pflege- und Betreuungszentrum Gänserndorf absolvieren zwei junge Menschen ihr Freiwilliges Soziales Jahr. Direktor Norbert Baran: „Es ist ein großes Plus, dass diese jungen Menschen lange Zeit mit dabei sind. Sie sind voll integriert und vollwertige Arbeitskräfte.“

„Jugend und Alter passen sehr gut zusammen“

Die beiden entlasten das Betreuungsteam und bieten Unterstützung bei den Dingen des persönlichen Lebens. Dazu gehört auch das Gespräch mit den Bewohnern, es wird gebastelt und gebacken. Im Frühling wurde gemeinsam ein Hochbeet bepflanzt. Pflege- und Betreuungsleiterin Betina Rauscher schätzt den Einsatz sehr: „Jugend und Alter passen sehr gut zusammen. Durch die strengen Auflagen in der Coronazeit durften ehrenamtliche Mitarbeiter nicht kommen, da konnte mit den beiden FSJ-Absolventen sehr viel abgefangen werden.“

Welche Voraussetzungen muss ein Bewerber für das Freiwillige Soziale Jahr in einem Pflege- und Betreuungszentrum mitbringen? Für Baran zählt vor allem Offenheit und Ehrlichkeit. Die jungen Menschen sollten eine soziale Ader haben und keine Berührungsängste.

Carla Clenci, Koordinatorin für Ehrenamt und Alltagsbetreuung, sagt: „Die jungen Menschen machen während ihrer Zeit bei uns im Haus eine beachtliche Entwicklung durch. Sie sind nach dem Jahr reifer, selbstbewusster und nehmen viel fürs Leben mit.“

Sandra Pusterhofer und Daniel Schachinger absolvieren seit September 2021 ihr Freiwilliges Soziales Jahr im PBZ Gänserndorf. Pusterhofer sieht diese Zeit als Einstieg in ihr weiteres Berufsleben: „Ich möchte Sozialarbeit studieren und hier habe ich die Gelegenheit, den Bereich kennenzulernen. Es hat mich in meinem Berufswunsch bestärkt.“ Ihr Resümee: Man kann mit kleinen Dingen sehr viel erreichen.

Schachinger hingegen absolviert das Freiwillige Soziale Jahr als Ersatz für den Zivildienst. „Der Umgang mit alten Menschen war für mich Neuland, da meine Großeltern noch sehr jung sind. Ich habe jetzt bessere soziale Kenntnisse, kann gut auf die Menschen zugehen.“ Schachinger möchte Mathematik und Volkswirtschaft studieren.

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