Gastro: Zwischen Bangen und Hoffen. Lokalbetreiber im Bezirk Gänserndorf befürchten Ausbleiben von Gästen, wenn Eintrittstests verlangt werden. Manche Hoteliers beherbergen Arbeiter statt Touristen.

Von Thomas Schindler, Markus Szelnekovics, Robert Knotz und Manuel Mattes. Erstellt am 24. Februar 2021 (03:54)
Der Leopoldsdorfer Wirt Andreas Sinnhuber mit seiner neuesten Errungenschaft, dem Automaten „Herr Leopold“. Aus diesem können hungrige Gäste rund um die Uhr fertige Speisen „herausdrücken“.
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Vielleicht schon im März, aber mit ziemlicher Sicherheit zu Ostern – das ist Anfang April – dürfen Gastronomie und Hotellerie wieder ihre Lokale öffnen. Wie geht es der Branche derzeit? Was sind die aktuellen Herausforderungen? Welche Alternativen boten sich zuletzt an – Stichwort Lieferservice? Die NÖN hörte sich im Bezirk um.

Robert Prager, Besitzer des Gänserndorfer Gasthauses Ziegelofen, würde lieber heute als morgen aufsperren: „Wir dürfen ja derzeit nur Essen liefern oder von den Kunden abholen lassen. Nachdem unser Hauptgeschäft die Mittagsmenüs sind, ist das Ganze lediglich ein Nullsummenspiel.“ Warum das? „Weil man mit einem Menü nichts verdient. Geld macht man als Gastwirt mit den Getränken und Kaffees.“ Und von diesen wurde kaum etwas verkauft.

„Wir haben Glück, dass wir viele Arbeiter beherbergen können.“ Elfriede Sommer, Hotelbetreiberin aus Auersthal

Dass seine Kunden künftig vermutlich einen negativen Corona-Test vorweisen müssen, damit kann Prager leben: „Wobei man eines nicht vergessen darf – mit Masken, Testpflicht und Abstandsregeln mache ich bestimmt nicht mehr als 50 Prozent meines früheren Umsatzes.“ Der Glaube, die Gastronom sei demnächst finanziell gerettet, sei ein gewaltiger Irrtum.

Der Gänserndorfer Gastronom Robert Prager: „Mit einem Menü verdienst du nichts. Geld macht man als Wirt mit den Getränken und Kaffees.“
Schindler

Für Andreas Sinnhuber, Besitzer des Gasthauses zur Zuckerfabrik in Leopoldsdorf, war der erste Lockdown im März des Vorjahres ein richtiger Schock: „Schon da war mir klar, dass die Corona-Geschichte nicht so schnell erledigt sein wird. Ich wusste, ich muss aktiv werden, um finanziell zu überleben und meine acht Mitarbeiter halten zu können.“

Rechnet er damit, in einigen Wochen aufsperren zu dürfen? „Ich rechne mit gar nichts. Die ganzen Visionen unserer Branche haben sich immer in Luft aufgelöst.“ Sinnhuber ist überzeugt, dass – sobald heuer die gestundeten Zahlungen bei Finanzamt und Krankenkassa fällig werden – viele Wirte in Konkurs gehen.

Der Gastronom zeigte sich in der Vergangenheit erfinderisch: Er belieferte das halbe Marchfeld mit „Essen auf Rädern“ (Mittagsmenü). Dann kam ihm die Idee der „Kulinarischen Weltreise“. Sinnhuber: „Wenn die Leute schon nicht in den Urlaub fahren können, sollen sie zumindest die Gelegenheit bekommen, typische Speisen aus fernen Ländern nach Abholung im Gasthaus zu genießen.“

Die neueste Errungenschaft ist der „Herr Leopold“ – so nennt der Wirt den Automaten vor seinem Lokal, aus dem man rund um die Uhr fertige Speisen „herausdrücken“ kann. Man braucht diese nur zu Hause zu wärmen. Dazu gibt es auch eine erlesene Auswahl an Weinen und Getränken. Weitere Projekte sind in Arbeit.

Wenn es zu einer Öffnung der Gastronomie mit Eintrittstests kommt, sieht Sinnhuber die Zukunft nicht rosig: „Wir haben sehr viele Stammgäste, die jeden Tag nur auf ein oder zwei Achterl Wein kommen, um ein wenig Gesellschaft zu haben. Ob sich diese dann drei Mal in der Woche testen lassen, wage ich zu bezweifeln.“

Schwer gebeutelt wurde Corona-bedingt auch die Hotellerie. Ingrid Ganselmaier, Motel-Betreiberin aus Angern, erinnert sich: „Im November, Dezember und Jänner hatten wir gar keine Kunden. Die Verluste beliefen sich auf 80 bis 90 Prozent. Die Tourismusgäste fehlen uns natürlich sehr.“

Derzeit seien im Motel einige Arbeiter einquartiert, die ja aufgenommen dürfen, „weil wir auch ein Beherbergungsbetrieb sind“. Allerdings müssen diese aus Sicherheitsgründen in Einzelzimmern untergebracht werden. „Das wirkt sich natürlich wieder auf die maximale Gästeanzahl aus. Wir hoffen, dass sich die Situation bald ändert“, so Ganselmaier.

Gastronomie-Bezirksvertrauensfrau Elfriede Sommer, die in der Gemeinde Auersthal auch ein Hotel mit insgesamt 60 Betten betreibt, zeigt sich da weit optimistischer: „Wir haben Glück, dass wir ein 3-Sterne-Haus sind und somit nicht rein vom Tourismus leben müssen“, so die Unternehmerin. Ihr Hotel sei zumindest unter der Woche einigermaßen gut ausgelastet.

Warum? „Da in der Nähe rege nach Erdöl und Erdgas gebohrt wird und sich im Bezirk viele OMV-Mitarbeiter aufhalten, können wir diese Menschen unter der Woche beherbergen“, so Sommer weiter. Einnahmen durch Touristen entfallen aber beinahe zur Gänze.

Mit Corona-Hilfsgeldern und dem Kurzarbeitmodell komme man über die Runden. Nur eine Sache stört Sommer sehr: „Wenn Mitarbeiter während der Kurzarbeit auf Urlaub gehen, muss für diese Zeit das Unternehmen den Lohn zahlen. Das ist ungerecht. Wieso ändert man das nicht?“

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