Geldautomaten vor dem Aus?

Erstellt am 03. Mai 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
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Der Geschäftsleiter der Raiffeisen Regionalbank Gänserndorf, Johannes Jaindl, beim Geldbehebungsautomat der Filiale Gänserndorf. Mit 18 Bankomat-Standorten sieht man sich als flächendeckender „Geldversorger“.
Foto: privat
Viele Bürger im Bezirk Gänserndorf befürchten baldiges Ende der Bankomaten. Geldinstitute beruhigen.
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Ältere Semester können sich noch an Euro-Schecks erinnern – damit war bargeldloses Zahlen möglich. Heute werden in fast allen Geschäften sogenannte Debitkarten akzeptiert. Im Supermarkt oder an der Tankstelle sind sie das beliebteste Zahlungsmittel, aber auch Restaurants, Apotheken und die meisten Trafiken verfügen über den entsprechenden POS-Terminal (Point of Sale) für bargeldlose Zahlungen. Bis zu einem Betrag von 50 Euro ist nicht einmal ein PIN-Code erforderlich.

In der Corona-Pandemie erlebte die Kartenzahlung noch einmal einen Schub, zahlreiche Geschäfte forderten sogar extra dazu auf. Kartenlimits können größtenteils variabel gestaltet werden, sodass auch teurere Produkte bzw. Dienstleistungen problemlos mit der Bankomatkarte im Geschäft bezahlt werden können.

Und trotzdem: Viele Menschen schätzen nach wie vor die Zahlung mit Bargeld. Auch bei den jetzt wieder boomenden Festen heißt es zumeist „nur Bares ist Wahres“. Doch wie dazu kommen? Schließt die Bankfiliale im Ort, verschwindet zumeist auch der Bankomat. Für mobile Personen kein Problem, steuern sie eben den Geldautomaten unterwegs an. Bei den anderen wird’s schwierig und umständlich.

Die Marchfelder Bank schloss im Vorjahr sieben Filialen im Marchfeld. Vorstand Günther Vock erklärt: „Bis auf Eßling und Orth sind die Standorte jetzt Selbstbedienungsfilialen, die auch mit einem Bankomat ausgestattet sind. In Oberweiden ist ein Geldautomat dazugekommen. Der Betrieb aller ist für die nächste Zeit definitiv gesichert.“

Raika Gänserndorf: „Wir haben Verantwortung“

Die Raiffeisen Regionalbank Gänserndorf hat im Vorjahr einige sehr kleine Standorte wie Raggendorf geschlossen. Bankomat und andere Selbstbedienungsgeräte gab es dort schon in den letzten Jahren nicht mehr. Geschäftsleiter Johannes Jaindl: „Wir sind uns der Verantwortung als regionaler Nahversorger bewusst und bieten an 18 Standorten mit Geldautomaten die Möglichkeit, Bargeld zu beheben.“

Man betreibt auch Kooperationen mit Gemeinden wie Schönkirchen-Reyerdorf, wo zwar die Bankfiliale abgewandert, der Bankomat aber im neu entstandenen Dorf-Office integriert ist – oder auch in Prottes und Markgrafneusiedl. Gibt es Intentionen, demnächst Bankomaten zu schließen? Jaindl: „Aus heutiger Sicht mit den aktuellen Transaktionszahlen bleiben die Geräte bestehen. Letztlich hat es der Kunde in der Hand, wie intensiv er die SB-Geräte nutzt.“ Weitere Filialschließungen seien derzeit kein Thema.

Raika Auersthal: Vorerst bleiben die Bankomaten

Bei der Raiffeisenbank Auersthal/Bockfließ/Groß-Schweinbarth steht im Juni die Fusion mit der Raiffeisenbank Wolkersdorf an. Beiden Geldinstituten ist es wichtig, die bestehenden Zweigstellen im Vollumfang weiterzubetreiben, wie Obmann Richard Döltl in der Ortsversammlung betonte: „Der Verbleib ist vertraglich zumindest für die nächsten vier Jahre abgesichert. Die Kunden müssen die Bankstellen aber nutzen.“ Damit werden auch die Bankomaten an den bisherigen Filialstandorten weiterbetrieben, jedenfalls bis auf Weiteres.

Dass es leider auch anders gehen kann, zeigt das Beispiel Hohenruppersdorf. Mit der Raiffeisenbank Weinviertel und der Volksbank gab es zwei Banken mit vollem Service im Ort. Im Zuge der Restrukturierung des Volksbankensektors schloss zuerst diese die Filiale, wenig später stellte auch die Raiffeisenbank den Betrieb ein. Der Bankomat verblieb noch für eine Weile, schlussendlich war aber auch die letzte Möglichkeit für Bargeldbehebung im Ort weg.

Die Gemeinde überlegte damals, mit einem anderen Bankomat-Anbieter eine Lösung zu schaffen. „Es wäre eine bestimmte Anzahl von Buchungszeilen notwendig gewesen. Für den Fehlbetrag hätte die Gemeinde haften müssen. Unseren Berechnungen nach wären dies rund 10.000 Euro im Jahr gewesen“, erinnert sich Bürgermeister Hermann Gindl.

Man hat sich dagegen entschieden. Die Grundversorgung ist mit Kartenzahlung gewährleistet. „Im Kaufhaus kann man problemlos mit Karte bezahlen. Unser Gasthaus Schwarzer Adler nimmt Kartenzahlung sogar bei Kleinbeträgen entgegen. Einige Winzer haben Kartensysteme und das Lagerhaus bietet schon länger bargeldloses Zahlen mit ihrem eigenen System an“, berichtet Gindl.

Definitiv in bar zu bezahlen sind Autobahnvignetten, auch wenn die Trafiken ansonsten Debitkarten akzeptieren. Hier ist die Spanne so gering, dass zusätzliche Gebühren für den Trafikanten nicht tragbar sind.

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