Gemeinden sollen nicht explodieren. Wo gibt es noch im Bezirk Gänserndorf Baugrund zu vernünftigen Preisen? Die NÖN fragte bei den Bürgermeistern nach.

Von Sandra Frank und Susanne Jaritz. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:47)
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Die Grundstückspreise steigen. Das ist kein Geheimnis. Die NÖN fragte nach, wo im Bezirk man sich den Traum vom Eigenheim überhaupt noch erfüllen kann.

Aus der öffentlich zugänglichen Tabelle des OGM-Markt- und Meinungsforschungsinstituts zur „Leistbarkeit von Baugrund in Niederösterreich“ geht hervor, dass statistisch betrachtet die nördlichen Gemeinden wie Hohenau an der March, Drösing, Zistersdorf, Sulz im Weinviertel bis Angern noch als gut leistbar eingestuft werden. Neusiedl an der Zaya, Palterndorf-Dobermannsdorf und Hauskirchen fallen als einzige in die Kategorie „sehr gut leistbar“.

Ausbaus der Nordautobahn lässt Preise steigen

Noch. Denn aufgrund des Ausbaus der Nordautobahn A5 im Jahr 2018 ist das Interesse an Bauland auch dort enorm gestiegen. So verzeichnet der Bürgermeister von Hauskirchen, Helmut Arzt, einen Anstieg der Quadratmeterpreise seit der Eröffnung der Teilstrecke zwischen Schrick und Poysbrunn.

Der Bezirk erlebte dadurch einen Aufschwung. Der Quadratmeterpreis habe sich seither mit mittlerweile 30 Euro verdoppelt, der Ansturm der Wiener auf einen Zweitwohnsitz ist enorm gestiegen. Das hat seinen Preis: Kaum jemand will mehr im Ortskern wohnen, denn jeder träumt vom eigenen Garten. Eine Abrissförderung soll dem entgegenwirken.

Der Anstieg für den Norden des Bezirks ist enorm, schaut man in den Süden, hat man es mit einer anderen Preisklasse zu tun: So etwa in Strasshof. 280 Euro kann dort der Quadratmeter Baugrund kosten. Bürgermeister Ludwig Deltl meint: „Wenn der Verkäufer merkt, dass er mehr verlangen kann, dann tut er es auch.“

Bürgermeister Deltl: keine neuen Widmungen mehr

Es werde versucht gegenzusteuern, damit die Verteuerung hintangehalten werde, denn wenn es nur noch um die Gewinnmaximierung der Bauträger gehe, dann sei das nicht mehr zu unterstützen, so Deltl. So soll im Dezember 2021 eine neue Regelung getroffen werden: „Pro Grundstück darf nur noch ein Haus gebaut werden, nicht mehr zwei oder drei auf einmal.“ Hier gehe Wohnqualität vor Quantität. Daher, so Deltl, komme es in diesem Jahrzehnt zu keinen neuen Widmungen mehr. Bauland, das mobilisiert werden kann, gebe es genug.

Anders sieht es in der benachbarten Bezirkshauptstadt aus: „Die Gemeinde selbst hat keine Baugründe mehr“, sagt Bürgermeister René Lobner. In der Vergangenheit sei zu viel umgewidmet und verabsäumt worden, einen Bauzwang zu verhängen, weil man die Dynamik nicht erahnen konnte. „Eine riesengroße Herausforderung für uns.“

Gänserndorf-Süd bekam Bausperre verhängt

Weil der Stadtteil Gänserndorf-Süd schneller wachse als der Rest, wurde dort eine Bausperre verhängt, damit die Infrastruktur nachziehen kann. Das starke Nord-Süd-Gefälle hat mit der Wien-Nähe zu tun. Aufgrund der steigenden Immobilienpreise in Wien sucht der Käufer zunächst nach günstigeren Alternativen im sogenannten „Speckgürtel“.

Mannsdorf sticht im Vergleich zu seinen Nachbargemeinden hervor, Bauplätze sind um ein Drittel günstiger. Laut OGM kann man sich mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen 700 bis 1.000 Quadratmeter Grund kaufen. Bürgermeister Christoph Windisch spricht von einer bewussten Entscheidung: „Wir wollen vor allem der Jugend ein leistbares Wohnen ermöglichen und versuchen, die Abgaben niedrig zu halten.“

Aber auch hier spüre man „den Zuzug von Wien ins Umland“ – das Interesse an Bauplätzen habe sich vervierfacht und der Quadratmeterpreis ist mittlerweile auf 100 Euro angestiegen. „Auf keinen Fall soll die Gemeinde explodieren“, so Windisch. Das Flair solle möglichst erhalten bleiben.

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