Handel sperrt wieder auf. „Das Geschäft ist gelaufen“. Handel im Bezirk Gänserndorf glaubt nicht, dass er Verluste durch zweiten Lockdown ausgleichen kann. Gastronomie kämpft weiter ums Überleben. Schulen sind vorbereitet.

Von Thomas Schindler, Robert Knotz, Ernst Spet und Manuel Mattes. Erstellt am 10. Dezember 2020 (04:23)
Die Marcheggerin Brigitte Strohmaier von „Stromsi Cut“ schneidet auch Gatten Rainer die Haare.
Spet

Seit Montag hat der Handel wieder offen. Nach dem Ende des zweiten harten Lockdowns dürfen auch die Dienstleister, wie zum Beispiel Friseure, ihre Kunden wie immer begrüßen. Auch die Schulen sind zum Teil geöffnet. Nur die Gastronomie muss weiterhin geschlossen bleiben. Die NÖN hörte sich um, wie nun die Lage im Bezirk ist.

Erich Kröll, Inhaber der gleichnamigen Spielwarenhandlung in Gänserndorf, kann sich nicht wirklich freuen. Fast drei Wochen musste er sein Geschäft auf der Bahnstraße geschlossen halten – und das in der Adventzeit: „In den letzten fünf Wochen vor Weihnachten mache ich ca. 20 Prozent meines Jahresumsatzes. Ich glaube nicht, dass ich das jetzt noch aufholen kann.“

„Bis Ende Oktober brauchte ich, um den ersten Lockdown umsatztechnisch wegzustecken.“ Erich Kröll, Unternehmer aus Gänserndorf

Viele Eltern werden die Spielwaren für ihre Sprösslinge zuletzt online gekauft haben. Aber noch mehr ärgert sich Kröll über eine große Supermarkt- und eine Drogeriemarktkette, die auch während des Shutdowns Spielwaren verkaufen durften.

Bis Ende Oktober brauchte der Gänserndorfer Unternehmer, um seinen finanziellen Verlust wegen des ersten Lockdowns ausgleichen zu können. Bekommt er nun eine Hilfe vom Staat? „Ja, aber nur 40 Prozent von meinem gewöhnlichen Umsatz.“ Um den Fixkostenzuschuss fällt Kröll komplett um, weil er dafür wieder „zu viel“ einnahm – hier liegt die Grenze bei 30 Prozent.

Unzufrieden zeigt sich auch Michael Eisner, Chef des Restaurants Seinerzeit in Deutsch-Wagram. Er findet es ungerecht, dass die Gastronomie weiter geschlossen bleiben muss. Der Wirt kann mit seinem Abhol- und Lieferservice nur rund 15 Prozent seiner sonstigen Umsätze erzielen: „Das ist lediglich Schadensbegrenzung. Wir haben heuer bereits Absagen für rund 20 Weihnachtsfeiern erhalten. Selbst, wenn wir jetzt öffnen dürften, wäre das Geschäft gelaufen.“

Seit Einführung des generellen Rauchverbotes habe Eisner mit einer Renovierung seines Lokals geliebäugelt. Das war wegen der Öffnungszeiten bisher nicht möglich. „Jetzt nützen wir die Zeit zum Ausmalen und Tapezieren der Gasträume. Wir halten durch und hoffen, dass wir am 7. Jänner wieder aufsperren können“, so der Gastwirt.

Für Brigitte Strohmaier aus Marchegg waren die finanziellen Einbußen nicht so stark, da sie keinen Laden betreibt, sondern ihren Beruf als Mobilfriseurin ausübt. Natürlich laufen die Fixkosten wie Versicherungen und Pensionsvorsorge weiter, Strohmaier fühlt aber mit ihren Zunftkollegen, die auch noch Miete für ein Lokal zu zahlen haben und ihre Mitarbeiter entlohnen müssen.

„Ein Friseur ist immer ein guter Zuhörer“

Sehr beschäftigt sie auch das Wohl ihrer Kunden. „Ein Friseur ist immer ein guter Zuhörer. Viele Personen, die einen Mobilfriseur bevorzugen, sind körperlich beeinträchtigt oder älter“, weiß sie. Für diese Menschen sei es sehr schwer, über so lange Zeit auf soziale Kontakte verzichten zu müssen.

Eva Zillinger, Direktorin des Gänserndorfer Konrad Lorenz Gymnasiums, ist „startklar“. Die Schüler der Maturaklassen sowie der Unterstufen sind wieder im Präsenzunterricht: „Wir haben Pläne entwickelt, wie wir unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften ,Maskenpausen‘ einlegen können.“ Wurde man vom Ministerium gut vorbereitet? „Das Wort ,wurden‘ würde ich nicht in den Mund nehmen, wir haben uns vorbereitet“, schließt die Schulleiterin.

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