Hier wirft keiner die Flinte ins Korn. Bezirk Gänserndorf: Geplante Gesetzesverschärfung könnte Jäger aus dem Wald in die Behördenstube gelockt haben.

Von Peter Sonnenberg, Robert Knotz und Thomas Schindler. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:11)
Die prominenteste Schützin der Protteser Schützengilde ist Heeressportlerin und Olympiakandidatin Marlene Pribitzer. Ihr Vater Herbert, Oberschützenmeister, sieht ein wachsendes Waffeninteresse der Österreicher.
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Immer mehr Privatpersonen in Österreich lassen ihre Schusswaffen behördlich registrieren. Was sind die Gründe dafür? Steigt auch die Zahl der Waffenkäufe? Und: Trifft diese Entwicklung für unsere etwa 105.000 Einwohner fassende Region ebenfalls zu?

Bezirkshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Merkatz erklärt, dass in den 44 Gemeinden des Bezirks derzeit 19.243 Waffen behördlich registriert sind: „Um 723 mehr als im Jahr 2019.“ Eine Steigerung der Zahl sei also Fakt, wobei man nicht sagen könne, dass diese auf die Coronakrise und die Lockdowns zurückzuführen ist: „2019 lag die Steigerung gegenüber 2018 noch bei 883.“ Selbst wenn er bis 2016 zurückgehe, sei der Zuwachs immer geringer als im Jahr davor gewesen.

Wie sehen eigentlich die Inhaber von Waffengeschäften die Lage? Manfred Ellinger aus Strasshof: „Einen wahren Boom konnte ich nur im vergangenen März verzeichnen. Zu Beginn der Corona-Pandemie wollten viele Kunden plötzlich Schrotflinten kaufen – warum auch immer.“ Selbst wenn man ihnen sagte, dass sie diese Waffen nicht unbedingt brauchen, waren sie kaum von einem Kauf abzubringen, erinnert sich der Händler.

Ellinger glaubt auch an einen Irrtum bei manchen Waffenbesitzern, woraus die Steigerung bei den Registrierungen resultieren könnte. „Bis 12. Dezember 2021 müssen alle Waffen – auch die, die bis jetzt nicht registriert waren – im zentralen Waffenregister gemeldet werden. Viele Besitzer haben sich im Datum geirrt und geglaubt, dass sie bis Weihnachten 2020 ihre Waffen anmelden müssen.“ Sein Geschäft sei im vergangenen Dezember voll mit registrierungswilligen Kunden gewesen.

Beim Verkauf von Jagdwaffen verändern sich die Zahlen – wie auch die Zahl der Jäger – kaum. Bei den Sportwaffen sei sogar ein Rückgang zu verzeichnen, sagt Ellinger: „Die Leute haben kaum noch Geld für ihre Hobbys. Vereinstreffen können nicht stattfinden und die Schießstände haben geschlossen.“

Bezirksjägermeister Gerhard Breuer nennt zwei mögliche Gründe für die Steigerung bei den Registrierungen: „Im Gegensatz zu Büchsen sind Flinten, also Schrotgewehre, noch freie Waffen. Sie müssen aber künftig registriert werden. Vielleicht wurden welche innerhalb der Familie weitergegeben und deshalb bei der Behörde gemeldet.“ Das heißt: Alte Flinten, die schon längst „unerkannt“ im Umlauf waren, scheinen nun plötzlich statistisch auf.

Die zweite Möglichkeit: Als Jagdaufseher darf man zum Selbstschutz – etwa um aggressive Wildschweine abwehren zu können – eine Faustfeuerwaffe tragen. Dieses Recht hatte man bisher aber nur, wenn man einen Waffenpass besaß – die Jagdkarte reichte nicht aus. Breuer: „Jetzt hingegen bekommt man auch mit einer gültigen Jagdkarte eine Faustfeuerwaffe.“

Bei der Schützengilde Prottes merkt Oberschützenmeister Herbert Pribitzer ein steigendes Interesse: „Allerdings handelt es sich hauptsächlich um Leute, die die Jagdprüfung ablegen und dann wegen des Übungsschießens bei uns hängenbleiben.“ Zudem bekomme er immer wieder Anfragen von Faustfeuerwaffen-Besitzern: „Da muss ich aber ablehnen, weil bei uns am Stand nur mit Luftdruckwaffen geschossen wird.“ Für ihn hängt das erhöhte Interesse der Bevölkerung an Waffen mit einer „steigenden, generellen Unsicherheit“ zusammen, so Pribitzer abschließend.

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