Hitze am Bau: Arbeiten, wenn der Beton glüht. Seit 1. Mai können Arbeiter ab 32,5 Grad hitzefrei bekommen. Was bedeutet die Regelung für die Baustellen in der Region?

Von Nina Wieneritsch und Manuel Mattes. Erstellt am 31. Juli 2019 (04:01)
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Lagebesprechung: Am Protteser Hauptplatz wird trotz Hochsommer-Temperaturen gearbeitet.
Gemeinde

Wenn auf dem Bau „Schlechtwetter“ herrscht, sind Temperaturen bis zu 40 Grad keine Seltenheit. Hochsommer-Wetter, das bei anderen für Freude sorgt, bedeutet auf der Baustelle nämlich Stillstand – und damit Verzögerung und möglicherweise finanzielle Einbußen.

Im Bezirk wird derzeit vielerorts gebaggert, geschaufelt und betoniert. Die Gänserndorfer Baufirma Lahofer ist derzeit auf etwa 15 bis 20 Baustellen zugange, wie Bauleiter Gerhard Hatschka erzählt. Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen kann es da schon mal vorkommen, dass auf Arbeitsstätten im Freien kurzzeitig pausiert wird. Zum Beispiel auf einer Baustelle in Auersthal sei das jüngst der Fall gewesen.

Wer die Temperatur misst, sei übrigens streng geregelt – es gebe spezielle Messstellen, die nur bestimmten Personen zugänglich seien. Diese informieren die Baufirmen, wenn die Temperaturen zu sehr steigen.

„Hitzefrei“ ist keine gesetzliche Pflicht

Dass die Arbeiter hitzefrei bekommen, ist dabei übrigens dennoch keine Pflicht. Oftmals werde dabei nach Dringlichkeit des Auftrags entschieden. „Wenn sich beispielsweise Betonierarbeiten von Freitag über das Wochenende auf Montag verschieben, sind das gleich drei Tage, die fehlen“, erklärt Hatschka.

Glücklich ist die Firma, die da laufend in einen sogenannten Schlechtwetter-Fonds einzahlt. Von diesem werden bei witterungsbedingtem Stillstand – seien es Unwetter oder brütende Hitze – 80 Prozent von der Summe, die die Firma eigentlich verdient hätte, ausbezahlt, quasi ähnlich einer Versicherung gegen besonders schlechtes, aber eben auch besonders gutes Wetter.

„Überall dort, wo im Freien gearbeitet wird, kann es zu Verzögerungen aufgrund von Hitze kommen.“ Bauleiter Gerhard Hatschka

Trotzdem ist es natürlich erfreulicher, wenn die Arbeiten wie geplant vonstattengehen können – und wenn man dabei noch motivierte Beschäftigte vor Ort hat. „Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich den Arbeitern eigentlich hitzefrei geben wollte“, erzählt Hatschka. Einer von diesen habe das „Angebot“ aber dankend abgelehnt und mit den Worten „Ich arbeite lieber in der Hitze als in der Kälte.“ weitergearbeitet.

Eine Großbaustelle im Bezirk, auf der momentan alles reibungslos zu verlaufen scheint, ist jene in Prottes. Seit einigen Wochen laufen dort die Arbeiten am Hauptplatz, der gänzlich umgestaltet wird, auf Hochtouren (die NÖN berichtete). Laute Bagger, sengende Hitze und glühend heißer Asphalt – es gibt wahrlich gemütlichere Arbeitsplätze bei weit über 30 Grad Celsius.

Von Verzögerungen aufgrund der Hitze kann im Ort allerdings nicht die Rede sein. Alles laufe wie geplant, heißt es seitens der Gemeindeführung rund um VP-Bürgermeister Karl Demmer.

Demnächst stehe die Errichtung der neuen Landesstraße, der Gehsteige sowie der Pkw-Stellplätze im Bereich der alten Gemeindestraße am Programm. Im November soll der Umbau, wenn alles nach Plan verläuft und das Wetter nicht doch noch dazwischenfunkt, abgeschlossen sein.

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