Homeschooling: „Sind die leeren Gänge leid“. NÖN sprach mit Schülern, Eltern und Lehrern im Bezirk Gänserndorf über die Herausforderungen des Homeschoolings.

Von Sandra Frank, Ulla Kremsmayer und Manuel Mattes. Erstellt am 20. Januar 2021 (03:13)
Die Kinder der Flüchtlingsfamilie Alhamdan berichten, wie es ihnen mit den Herausforderungen des Homeschoolings geht.
Kremsmayer

„Mich persönlich hat es nicht überrascht, dass der Lockdown noch einmal verlängert wird“, sagt Christoph Jank, Leiter der BHAS BHAK Gänserndorf im Gespräch mit der NÖN. In der Vorwoche war eine Öffnung der Schulen mit 25. Jänner avisiert worden. Das sollte sich übers Wochenende ändern, nun ist der 8. Februar geplant.

„Wir würden uns freuen, wieder einen Hauch von Normalität zurückzubekommen. Lieber gestern als morgen“, sind Jank und seine Kollegen die leeren Klassenzimmer und Gänge im Schulgebäude leid. Auch die Jugendlichen seien frustriert. „Der Wert der Institution Schule wird jetzt sicher mehr geschätzt“, bemerkt der Schulleiter – von Eltern und Schülern. „Dass ein Jugendlicher sagt, er freut sich schon wieder, wenn er endlich wieder in die Schule gehen darf, war vor März 2020 undenkbar“, ergänzt Jank.

Wie erlebt Claudia Schmid aus Tallesbrunn die Herausforderung des Homeschoolings? „Es läuft deutlich besser als noch während des ersten Lockdowns. Meine Tochter Anja besucht die zweite Klasse einer Mittelschule und erledigt alles allein.“ Es sei allerdings ein wenig nervenaufreibend, regelmäßig darauf achten zu müssen, ob Tochter Anja auch tatsächlich lernt, wenn keine Videokonferenzen anstehen.

Insgesamt macht sich bei der Familie bereits ein wenig Erschöpfung breit: „Ich hoffe, wir kehren bald wieder zu einem geregelten Schulbetrieb zurück. Die Kinder vermissen die sozialen Kontakte sowie einen normalen Ablauf der Fächer Turnen und Zeichnen bereits sehr“, schließt Mutter Claudia.

„Ich warte noch ab“, sagt Mittelschuldirektor Michael Paternostro, als die NÖN vorige Woche nachfragte, wie sich die Schulen auf die letzte Schulwoche vorbereiteten. Er sei vorsichtig geworden, die Verlautbarungen überholten sich doch immer wieder. In puncto Wissenszugewinn hätten die zwei Tage wohl ohnedies keinen großen Unterschied gemacht. Gelassen sieht das auch Volksschuldirektorin Gabriele Mindt. Auf den gestaffelten Unterricht habe sie schon seit Sommer gewartet. Dass der nun auch ins Wasser fällt, sei freilich schade, aber mittlerweile sei man eingespielt. „Und Kinder, die Betreuung beim Lernen brauchen, bekommen sie auch. Wir haben sie uns von Anfang an in die Schule geholt.“

Man scheint sich an das Homeschooling gewöhnt zu haben. Hatten im vorigen Frühjahr Kinder noch reihenweise den Kontakt zur Schule verloren, saßen daheim ohne Computer, einsam ihre Handys erforschend, so habe sich das nun eingespielt, berichtet Paternostro: „Die meisten haben einen enormen Entwicklungsschritt gemacht, was sie vielleicht an Wissensstoff nicht dazu gelernt haben, haben sie dafür in Bezug auf neue Technologien und Selbstständigkeit aufgeholt. Auch der berühmte „Gap“, die Kluft zwischen den Schichten, sei nicht mehr so ausgeprägt. Alle haben jeweils aufgeholt, die Schwächeren haben mancherorts sogar profitiert, weil sie in den Kleingruppen gelernt hätten.

Wie schaut das etwa bei den Kindern der der Flüchtlingsfamilie Alhamdan aus? Das Echo ist vielstimmig: Den Älteren taugt das mittlerweile. Die beiden Großen, die sonst über eine Stunde lang ins TGM gependelt sind, genießen das Homeschooling: „Manche Lehrer erklären uns etwas via Video, manche geben uns nur Aufgaben. Das war auch in der Schule so und wir haben keine langen Wege mehr. Ähnlich sieht es Asmaa, die sich ebenso lange Fahrtzeiten in die Sozialfachschule spart. Sie vermisst aber das Verschnaufen im Bus und das Aus-dem-Haus-Kommen.

14-Jährigem ging der Knopf in Mathe auf

Abdulrahman, der 14- Jährige, versteht „die Sachen jetzt besser“, selbst in Mathematik, dem Horrorfach, scheint ihm der Knopf aufgegangen zu sein. Er muss sich die Aufgaben selbst erarbeiten, und könne sich jetzt besser konzentrieren. Auch seine Geschwister, erst seit zwei Jahren in Österreich, haben sich gemausert, obwohl man sich anfangs Sorgen machte, keine PCs, noch gar kein gutes Deutsch, keine Nachhilfe mehr. Kausar, noch in der Volksschule, ist eine von jenen, die in die Schule geholt wurden und dort gut lesen gelernt hat, auch ihr kleiner Bruder Ahmad geht in die Vorschule und plappert munter auf Deutsch dazwischen, während die mittleren Schwestern Nour und Rayan erzählen, dass sie alles ganz leicht schaffen.

Sie bekommen Aufgaben, die sie in Büchern und auf Arbeitsblättern erledigen „Es ist alles ganz leicht, ich brauche gar keine Hilfe“, sagt Rayan. Schwerer hat es da ihre Mutter, die online Deutsch lernen soll. „Ich verstehe fast gar nichts, die Lehrerin spricht viel zu schnell.“ Auch Aladin vermisst die Schule, er kann sich dort doch viel besser konzentrieren. Daheim lockt der Fernseher. Während des Lockdowns in die Schule will er aber auch nicht gehen, da hat er doch zu viel Angst vor einer Ansteckung.

In ihrer Nachbarschaft geht es einigen Asylwerbern weniger gut. Für sie sind keine Kurse vorgesehen. Die Flüchtlingshelferinnen, die bisher mit Kursen eingesprungen sind, dürfen derzeit auch nicht kommen, sie sind ja meist auch schon älter und zählen zur Corona-Risikogruppe. Nun hatten sie zu Weihnachten aufgerufen, ausgediente Computer zu spenden. Einige sind zusammengekommen und am Wochenende der Massentests nutzte man – negativ getestet – die Chance und lieferte die PCs den Flüchtlingen. Nächste Woche kann es mit Online-Kursen losgehen.

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