Hundehaltung: „Brave dürfen nicht die Dummen sein“. SP-Bezirksparteichefin Karin Renner hat Vorbehalte gegen geplante Novelle.

Von Manuel Mattes. Erstellt am 29. Juli 2020 (03:37)
Karin Renner und ihr Hund Berti sind ein Herz und eine Seele. Sie möchte die geplante Novelle einer kritischen Beurteilung unterziehen. 
privat

Der geplanten Gesetzesnovelle von FP-Landesrat Gottfried Waldhäusl, wonach künftig unter anderem Beratungsgespräche und der Nachweis von entsprechender „Sachkunde“ vor der Anschaffung eines Hundes notwendig sein sollen, steht SP-Bezirksparteichefin und Dritte Landtagspräsidentin Karin Renner aus Markgrafneusiedl mit Vorbehalten gegenüber.

„Wir kennen noch nicht alle Details der geplanten Novelle und werden über die Pläne auch noch mit unserem Tierschutzsprecher Rainer Windholz intern diskutieren“, so Renner, die selbst stolze Hundebesitzerin ist, im Gespräch mit der NÖN.

Solche Vorhaben seien immer eine Gratwanderung zwischen Überregulierung und allzu großer Sorglosigkeit. Eines möchte Renner aber auf jeden Fall verhindern: „Es kann nicht sein, dass die überwiegende Mehrheit der Hundebesitzer, die mit den Vierbeinern sehr verantwortungsbewusst umgeht, dafür geradestehen muss, weil es immer noch ein paar Unbelehrbare gibt, die ihre Tiere nicht unter Kontrolle haben.“

Der Großteil der Bevölkerung zeige ein vorbildliches Verhalten in puncto Hundehaltung.

„Rassismus bringt nichts“

Experten aus dem Bezirk zeigen sich für Reformierung der Gesetze offen. Grundtenor: „Alle Halter, unabhängig von der Hunderasse, gehören informiert.“

Wie sehen eigentlich Menschen, die mit Hunden arbeiten, die geplante Novelle von FP-Landesrat Gottfried Waldhäusl, wonach künftig unter anderem Beratungsgespräche und der Nachweis von entsprechender „Sachkunde“ vor der Anschaffung eines Hundes notwendig sein sollen?

Die NÖN fragte nach: Birgit Neumann von der Hundeschule „DogHof“ in Schloßhof hat zu diesem Thema eine klare Meinung: „Alle Hundehalter, unabhängig von der Vierbeiner-Rasse, gehören ausreichend informiert.“ Von Chihuahua bis zur Deutschen Dogge, alle Halter müssen die Tiere artgerecht auslasten und gut erziehen, damit ein Zusammenleben funktioniert.

Neumann hat seit etwa 30 Jahren selbst Hunde und weiß: „Viele sind sich der Verantwortung nicht bewusst, die sie mit einem Hund übernehmen.“ Sie selbst trainiert regelmäßig mit ihrem siebenjährigen „lammfrommen“ Labrador. Nicht, weil sie einen perfekt abgerichteten Hund haben möchte, sondern weil ihr die Arbeit mit ihrer Fellnase Spaß mache und diese den Hund auslaste.

Günther Potocnik vom Hundeausbildungszentrum Gänserndorf kann sich mit einer neuen Gesetzeslage grundsätzlich anfreunden, ortet er doch bei der derzeit geltenden grundlegende Mängel: „Prinzipiell halte ich eine Reformierung der Hundehaltungsgesetze für sinnvoll, weil man dadurch die Diskriminierung einzelner Rassen, nämlich jene der Listenhunde, unterbinden würde. Die Beiß-Statistik sagt nämlich etwas ganz anderes aus als die Liste. Rassismus bringt also nichts.“

Potocnik berichtet von einem Fall aus seinem näheren Bekanntenkreis: „Ein Ehepaar mit einem sogenannten Listenhund wurde in Italien von österreichischen und deutschen Urlaubern aufs Ärgste beschimpft und sogar bespuckt.“ Auch einen Nachweis der Sachkunde befürwortet der Hundetrainer. Im Zeitalter von Google und Co, wo einfach Informationen eingeholt werden können, sei es wirklich nicht mehr notwendig, sich Hunde anzuschaffen, die nicht zu einem passen und deren Wesen man nicht kennt.

Potocnik, der schon viele Listenhunde in seiner Schule ausbildete, meint abschließend: „Eine weitere Möglichkeit wäre es, das Bundestierschutzgesetz zu exekutieren. Darin heißt es unter anderem, dass Hunde an allen öffentlichen Plätzen mit Leine und Beißkorb geführt werden müssen.“