Impfen: Kleiner Stich mit großer Wirkung. Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Masern und Mumps – gegen diese Krankheiten sollte man sich schützen.

Von Thomas Schindler, Manuel Mattes, Robert Knotz und Stefan Havranek. Erstellt am 12. Februar 2020 (03:28)
Impfen ist auch bei Erwachsenen ein Thema. Häufig fehlen Auffrischungsimpfungen.
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Das Thema Impfen ist derzeit in aller Munde. Dabei stellen sich viele Fragen: Bezüglich welcher Krankheiten ist Impfen unerlässlich? Wo sollte man an Auffrischungen denken? Was bedeutet die Impfung des Einzelnen für die Gesellschaft? Und: Wie steht es generell um das Bewusstsein für Hygienemaßnahmen – Stichwort Händewaschen in Influenza-Zeiten? Die NÖN hörte sich im Bezirk um.

Allgemeinmediziner Herbert Morgenbesser aus Gänserndorf hält nichts von einer Impfpflicht: „Jeder soll freiwillig entscheiden dürfen, ob er sich impfen lässt oder nicht. Wichtig ist, dass die Patienten aufgeklärt werden – über die Risiken, die entstehen können, wenn man nicht geimpft ist.“

Morgenbesser gehe auf jeden Fall mit dem österreichischen Impfplan konform: „Ich persönlich impfe aber nur Patienten, die hundertprozentig gesund sind.“ Wer zum Beispiel erkältet ist, muss wiederkommen, wenn alle Symptome abgeklungen sind. „Was Masern betrifft, wäre es natürlich gut, wenn alle geimpft sind. Da hatten wir vor einigen Jahren leider einen Todesfall in Strasshof“, erinnert sich der Mediziner. Und wie sieht es in Grippezeiten aus? Morgenbesser: „Da versuche ich selbst, so wenig wie möglich die Hand zu geben. Das empfehle ich auch meinen Patienten.“

Apotheken-Inhaberin Gertrude Kölbl von der Marchfeld-Apotheke aus Deutsch-Wagram sieht das ähnlich: „Speziell in dieser Jahreszeit empfehle ich eine Impfung gegen Influenza.“ Doch leider verwechseln viele Menschen die Influenza, also die richtige Grippe, mit einem grippalen Infekt. Da spricht der Schutz natürlich nicht an. Die Leute sind dann der Meinung, dass ihre Impfung nutzlos gewesen sei.“ Die Apothekerin hält den Vierfachschutz (Kombi-Impfung Diphtherie/Tetanus/Keuchhusten/Polio) für Kinder sowie gegen Masern und Mumps für unerlässlich.

"Impfstatus regelmäßig kontrollieren"

„Grundsätzlich sollte jeder seinen Impfstatus regelmäßig kontrollieren. Für den Nestschutz (gegenseitige Ansteckungsgefahr bei Kindern und Erwachsenen, Anm.) sind die Schutzmaßnahmen absolut empfehlenswert. Nicht nur Kinder und ältere Menschen, sondern jeder sollte sich impfen lassen“, so Kölbl. Als Präventionsmaßnahmen empfiehlt sie, eine eigene Erkrankung und somit die Ansteckungsgefahr für andere durch Sauberkeit (Hände öfters waschen) zu vermeiden.

Wie sieht es eigentlich in den Schulen aus? Direktorin Barbara Steinau – sie leitet die Volksschulen in Lassee und Engelhartstetten – gibt Auskunft: Angeboten wird in der dritten Schulstufe eine Vierfachimpfung und in der vierten Schulstufe die HPV-Impfung (Gebärmutterhalskrebs). Beide Impfaktionen werden über die Bezirkshauptmannschaft organisiert, in der dritten Klasse wird vom Amtsarzt, in der vierten Klasse auch von niedergelassenen Ärzten geimpft. Die Anmeldung dafür ist freiwillig, es wird also niemand verpflichtet, eine Impfung zu haben.

Mit Impfgegnern, die jegliche Schutzimpfungen ablehnen, habe man laut Steinau noch keine Erfahrungen gemacht. Steinau merkt aber an: „Mit ungeimpften Kindern gehen wir nicht anders als mit geimpften Kindern um. Impfen liegt im Entscheidungsbereich der Erziehungsberechtigten.“

Welche Maßnahmen werden in den Schulen ergriffen, um sich in der Grippezeit vor einer Infektion zu schützen? „Wir thematisieren Hygienemaßnahmen im Rahmen des Unterrichts,“ so die Direktorin. Außerdem sei die Lehrerschaft angehalten, verstärktes Augenmerk auf richtiges Desinfizieren der Hände zu legen.

Wie sieht Ursula Streicher, Direktorin des Gänserndorfer Pflege- und Betreuungszentrums die Situation? „Unsere Mitarbeiter sind daran interessiert, sich und die anvertrauten Bewohner durch eine gute Händehygiene zu schützen. Diese hat im Reinigungsteam, in der Küche, in der Pflege und in der Therapie natürlich immer einen hohen Stellenwert.“ Daher gebe es in sehr vielen Räumen des Hauses fix montierte Hände-Desinfektionsspender.

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