Je mehr Müll, desto günstiger: Ärger über Abfallgebühren

Erstellt am 28. September 2022 | 05:31
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8482183_mar39_muelltonnen_.jpg
Die große Restmülltonne kostet ein ganzes Stück weniger als die große Biomülltonne. Dies könnte dazu verleiten, einen Teil der Bioabfälle in der falschen Tonne zu entsorgen.
Foto: Symbolfoto: Shutterstock/Breitformat
Ein NÖN-Leser aus dem Bezirk Gänserndorf ist erzürnt über die unterschiedlichen Preise für größere Restmüll- und Biomülltonnen.
Werbung

Mülltrennung, Abfallvermeidung – sind das nur Schlagworte? Ein NÖN-Leser aus dem Bezirk Gänserndorf (Name der Redaktion bekannt) sieht in der Konzeption der Gebühren für Rest- und Biomüll des Gemeindeverbandes für Umweltaufgaben (G.V.U.) eher die Aufforderung, mehr Müll zu produzieren. Er bemängelt, dass die große Restmülltonne nur wenig mehr kostet, die große Biomülltonne allerdings doppelt so viel als die jeweils kleine Version.

Zuständig für das Müllmanagement im Bezirk Gänserndorf ist – bis auf wenige Ausnahmen – der G.V.U. Seinen Sitz hat der Verband in Hohenruppersdorf. Er stellt den Haushalten Restmüll-, Bio- und Papiertonnen zur Verfügung, wobei die beiden Ersteren kostenpflichtig sind. Genau diese Kostengestaltung geht dem NÖN-Leser gegen den Strich: „Man setzt beim G.V.U. offensichtlich darauf – je mehr Müll, desto günstiger.“

Die 120-Liter-Restmülltonne kostet aktuell 154,30 Euro pro Jahr. Die doppelt so große Version lediglich 22 Euro mehr – pro Jahr. Im Gegensatz dazu sind für die 120-Liter-Biomülltonne 97 Euro im Jahr fällig, für die 240 Liter fassende grüne Tonne jedoch 182 Euro.

„Jeglicher Anreiz zur Mülltrennung genommen“

Das ist fast der doppelte Preis, was den Leser erzürnt: „Damit wird jeglicher Anreiz zur Müllvermeidung und Mülltrennung genommen, denn es ist sehr viel günstiger, Bioabfälle über die Restmülltonne zu entsorgen.“ Im Umkehrschluss werden – so der Leser – damit alle bestraft, die mehr biogene Abfälle über die große Biomülltonne entsorgen.

Was sagt der G.V.U. dazu? Geschäftsführerin Kathrin Dürr gegenüber der NÖN: „Gemäß des Niederösterreichischen Abfallwirtschaftsgesetzes ist eine Bereitstellungsgebühr einzuheben. Diese ist pro Wohneinheit und Jahr zu verrechnen, unabhängig von der Größe des Abfuhrbehältnisses, und kommt bei der verpflichtend von jedem Haushalt in Anspruch zu nehmenden Restmülltonne zur Anwendung.“

Diese Gebühr beträgt beim G.V.U. 54 Euro pro Jahr und soll sogenannte Overhead-Kosten (Kosten, die einem Kostenträger nicht unmittelbar zugerechnet werden können) abdecken. Biomülltonnen allerdings sind nicht verpflichtend und können daher vom Verbraucher frei gewählt werden – oder auch nicht. Deswegen die Verrechnung bei der Restmülltonne. Bei einer „Milchmädchenrechnung“ ergibt sich daher folgendes Bild: 120-Liter-Restmülltonne ohne die Bereitstellungsgebühr würden dann statt 154,30 Euro eben um 54 Euro weniger kosten, Mehrwertsteuerbereinigung mal außen vor gelassen.

Dürr betont: „Der G.V.U. spricht sich klar für eine korrekte Mülltrennung aus und bringt dies auch mit diversen Maßnahmen zum Ausdruck. Der G.V.U. begrüßt sinkende Restmüllmengen und Abfallvermeidung, sowohl aufgrund des Umweltgedankens als auch aus Kostenaspekten.“ Klar gesagt werden müsse, dass eine Entsorgung des Biomülls in der Restmülltonne laut Niederösterreichischem Abfallwirtschaftsgesetz verboten ist.

Weiterlesen nach der Werbung

Umfrage beendet

  • Findet ihr, dass Biomülltonnen im Vergleich zu Restmülltonnen zu teuer sind?