Katzenjammer bei den Tierschützern. Spendenbereitschaft der Bürger im Bezirk Gänserndorf sinkt, Schützlinge müssen aber weiterhin versorgt werden. Und: Die Nachfrage nach Hund und Co steigt.

Von Stefan Havranek, Edith Mauritsch und Michael Pfabigan. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:43)
Viele Menschen denken in Zeiten des Lockdowns über die Anschaffung eines Haustiers nach.
Mauritsch

Wie geht es eigentlich Tierheimen während der Corona-Pandemie? Werden mehr oder weniger Tiere abgegeben als zu „normalen Zeiten“? Gibt es die Möglichkeit, sich derzeit ein Tier aus dem Heim abzuholen? Die NÖN hörte sich im Bezirk um.

Beim Team M.I.A.U. handelt es sich um einen ehrenamtlichen Tierschutzverein mit Sitz in Gänserndorf. Er hat sich zum Ziel gesetzt, Organisationen und private Tierhalter finanziell, beratend, informierend und aktiv unterstützen. Die Lockdown-Bilanz von M.I.A.U. fällt ernüchternd aus: „Die Corona-Krise traf und trifft natürlich auch kleine Vereine wie uns sehr hart. Die Spendeneingänge sind extrem zurückgegangen. Die Kosten für die Versorgung unsere Pfleglinge laufen aber weiter und auch notwendige Tierarztbehandlungen müssen gestemmt werden und können nicht warten“, heißt es vonseiten des Vereins. Man bewege sich oft am finanziellen Limit, eine adäquate Versorgung der Tiere sei aber unumgänglich.

„Unzählige Tiere warten in unseren Heimen auf ein dauerhaftes Zuhause.“ Veronika Weissenböck, Vier Pfoten

Erschwerend komme hinzu, dass sich durch die Lockdown-Beschränkungen auch die Suche nach einem neuen Zuhause für die Pfleglinge schwierig gestaltet. Warum? Die Tiere müssen über viele weitere Wochen durchgefüttert werden, weil keine Vorkontrollen oder Besuche zum Kennenlernen auf den Pflegestellen möglich sind.

Die die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, die im Bezirk die Eulen- und Greifvogelstation in Haringsee führt, kennt das in Zeiten des Lockdowns gestiegene Bedürfnis nach Hund, Katz und Co. „Tiere können in schwierigen Zeiten eine starke emotionale Stütze sein. Die aktuelle Lage scheint der perfekte Zeitpunkt zu sein, um einem Tier eine vorübergehende Pflegestelle anzubieten oder gar ein eigenes Haustier aufzunehmen“, weiß Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck: „Doch dies muss in jedem Fall wohl überlegt sein. Eine Adoption ist zwar eine wunderbare Sache, aber sie ist eine langfristige Verpflichtung. Auch die Pflege sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Da viele Menschen jetzt von zu Hause aus arbeiten, um die weitere Verbreitung von Covid-19 zu bekämpfen, sei es grundsätzlich richtig, dass nun ein guter Zeitpunkt für eine Adoption oder dem Anbieten einer Pflegestelle sein könnte. Der Entschluss sollte aber wohlüberlegt sein und es wird von Spontanentscheidungen abgeraten.

Die Adoption eines Haustiers sei aber auf jeden Fall besser, als ein Tier zu kaufen. „Es gibt unzählige Vierbeiner und Vögel, die in einem Tierheim auf ein neues dauerhaftes Daheim hoffen. Heime sind immer froh, entlastet zu werden, wenn immer mehr Tiere in ihre Obhut gegeben werden, besonders in der gegenwärtigen Situation“, informiert Weissenböck und ergänzt: „Es kann verschiedene Gründe haben, warum im Moment vermehrt Tiere abgegeben werden: Finanzielle Engpässe aufgrund des Verlusts des Arbeitsplatzes oder einer Reduktion der Arbeitszeit, Infektion oder Tod durch Covid-19 oder die Befürchtung, dass das Haustier das Coronavirus übertragen könnte.“ Diese Befürchtung habe sich aber durch wissenschaftliche Studien als unbegründet erwiesen. Die gegenwärtige Pandemie wird durch die Übertragung von Mensch zu Mensch verursacht.

„Irgendwann kehrt die Normalität zurück“

Abschließend mahnt Weissenböck: „Denken Sie langfristig. Jeder, der erwägt, ein Tier zu adoptieren oder zu pflegen, sollte sich bewusst machen, dass unser Leben irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren wird, sobald die Ausgangsbeschränkungen gelockert wurden und die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden konnte. Deshalb ist es wichtig sicherzustellen, dass Sie nach dem Lockdown immer noch in der Lage sind, sich um das Tier zu kümmern.“

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf das Tierheim Dechanthof im Bezirk Mistelbach aus? Die Einrichtung ist auch für den Bezirk Gänserndorf zuständig, da dieser über keine eigene verfügt. Derzeit betreut man dort 33 Hunde, 39 Katzen, acht Kaninchen und fünf Degus. „Im März letzten Jahres sind unsere Mitarbeiter schon in Kurzarbeit gegangen und jetzt sind sie wieder einen Monat in Kurzarbeit. Die Tiervergabe funktioniert bei uns im Moment nur durch Termine. Wir wollen vermeiden, dass zu viele Menschen auf einmal auf dem Gelände sind, und uns an die gesetzlichen Bestimmungen halten“, informiert Schriftführerin Gabriele Bachmayer.

Ist auch im Dechanthof eine vermehrte Nachfrage nach Tieren zu verzeichnen? Die Anzahl an Vermittlungen sei definitiv gestiegen, fügt Bachmayer hinzu. Insbesondere Menschen, die viel Zeit im Homeoffice verbringen, seien vermehrt an der Adoption von Tieren interessiert.

Auch in Zeiten der steigenden Nachfrage vergibt man Tiere im Dechanthof allerdings nicht leichtfertig. Man kontrolliere immer genau, in welchen Haushalt die Schützlinge kommen. Wenn jemand sage, dass er jetzt zuhause arbeite und sich gut um das Tier kümmern könne, werden stets nachgefragt, wie lang das noch so bleibt.

Was die Finanzen betrifft, sieht man positive und negative Tendenzen: „Die Hoffeste, durch die wir Geld einnehmen, können wir nicht durchführen. Die Leute spenden dafür sehr viel“, schließt Bachmayer.

Umfrage beendet

  • Worauf legt ihr beim Lebensmittel-Kauf am meisten Wert?