Erstellt am 30. November 2016, 02:09

von Edith Mauritsch

Knalleffekt: Neues Geldinstitut. Knalleffekt in Gänserndorf: Die Volksbank Marchfeld fusioniert nicht mit der Volksbank Wien und wird zur selbstständigen Marchfelder Bank.

Sichtlich erleichtert und mit einer gehörigen Portion Motivation aufgrund des mehr als eindeutigen Ergebnisses der Abstimmung in der Generalversammlung beflügelt: Philipp Frenzl (Rechtsanwalt der Kanzlei Dr. Völkl), Reinhard Hager-Albrecht (Betriebsrat), Dir. Erich Fellner, Wilhelm Schindler (Betriebsratsobmann), Johann Fürhacker (Aufsichtsratvorsitzender-Stv.), Aufsichtsratvorsitzende Andrea Seidl, Dir. Hartwig Trunner, Johannes Theuringer (AR), Roland Grabner (AR), Georg Klöckler (AR), Thomas Fally (AR) und Clemens Völkl (Rechtsanwalt).  |  NOEN, Mauritsch

Abstimmung Nummer drei in der Volksbank Marchfeld zum Thema Fusion mit der Volksbank Wien – und diesmal fiel das Votum noch deutlicher aus als bei den letzten beiden Malen: 98 Prozent der anwesenden oder vertretenen Eigentümer stimmten gegen die Fusion, doch diesmal gab es eine Alternative. Ein gerichtlicher Vergleich ebnet den Weg in die Unabhängigkeit: Die Volksbank Marchfeld wird mit Tag eins nach der Generalversammlung zur neuen selbstständigen Marchfelder Bank.

Dieser historischen Stunde waren harte Monate vorangegangen. Es war ein Kampf David gegen Goliath – die kleine, als Rechtsperson zwar eigenständige, aber dem Volksbankenverbund zugehörige Volksbank Marchfeld gegen Europäische Zentralbank, Finanzmarktaufsicht und das Zentralinstitut Volksbank Wien.

Die Androhung von aufsichtlichen Maßnahmen der Aufsichtsbehörden sowohl gegen das Institut als auch enormer Druck gegen Vorstand und Aufsichtsrat standen an der Tagesordnung. Die Stimmungslage aller Mitarbeiter schwankte wie das EKG-Bild eines Herzpatienten – ganz oben die Frage: „Habe ich morgen noch einen Job?“

„Wenn Sie uns weiterhin die Treue halten, kann nichts passieren.“

Hartwig Trunner, Bank-Vorstandsdirektor

Jetzt ist es geschafft. Freude, Enthusiasmus und Applaus für Aufsichtsrat und Vorstand nach der Entscheidung erfüllen den Saal mit einer Welle von Motivation für die zukünftigen Aufgaben, die wahrlich nicht einfach sein werden. „Wir stehen voll hinter euch“, tönt es aus dem Plenum und Vorstandsdirektor Hartwig Trunner ruft zurück: „Wenn Sie uns weiterhin die Treue halten, kann nichts passieren.“

Zum Hintergrund: Die Österreichische Volksbanken AG, Spitzeninstitut des Sektors und im Eigentum der damals 51 Primärgenossenschaften stehend, geriet durch Fehlinvestitionen wie die Übernahme der Invest- und der Kommunalkredit in Schieflage, Staatshilfe war von Nöten. Eine der Bedingungen war die Konsolidierung des Sektors auf acht große Regionalbanken – der wesentlichste Punkt des damals geschlossenen Verbundvertrages.

Die Einbringung des Bankgeschäftes in das neu geschaffenen Zentralinstitut Volksbank Wien bedurfte jedoch der Zustimmung der Eigentümer jeder einzelnen regionalen Volksbank – die Marchfelder wollten das von Anfang an nicht (die NÖN berichtete). Großer Knackpunkt dabei: Bei Ablehnung von auch nur einer Bank wäre unter Umständen der gesamte Verbundvertrag hinfällig geworden. Der nunmehrige gerichtliche Vergleich hebelt dieses Hindernis aus – der Weg für eine unabhängige Zukunft der neuen Marchfelder Bank ist geebnet.

"Wir sind sehr gut aufgestellt"

Mit der Entscheidung fällig ist ein Betrag von 7 Millionen Euro als „Entflechtungszahlung“, knapp die Hälfte davon wäre sowieso an die Republik Österreich zu zahlen gewesen. Vorstandsdirektor Erich Fellner erläutert dazu: „Auch nach Zahlung verfügt die Bank über eine sehr solide Eigenkapitaldecke. Mit einer Quote von 12,5 Prozent entgegen dem gesetzlichen Erfordernis von 8,625 Prozent brauchen wir uns nicht zu verstecken.“ Für künftige Aufgaben wurde der Aufsichtsrat um zwei Mitglieder aufgestockt: Marcheggs VP-Bürgermeister Gernot Haupt und Roland Grabner verstärken das Team.

Man erwartet in der nächsten Zeit eine intensive Beobachtung der Aufsichtsbehörden, Vorstand und Aufsichtsrat sind jedoch zuversichtlich. „Wir sind sehr gut aufgestellt und fühlen uns den Aufgaben gewachsen“, so Trunner, der sich bei Kollegen, Mitarbeitern und Aufsichtsrat für die harte Arbeit der letzten Monate auf das Herzlichste bedankt.

Übrigens: Zum neuen Namen wurde auch gleich das neue Logo präsentiert und vom Plenum wohlwollend aufgenommen. Gerhard Schönner dazu: „Der Volksbankplatz sollte auch gleich in Marchfelder Platz umbenannt werden.“ In den nächsten Wochen wird das geflügelte V auf Drucksorten und Beschriftungen verschwinden und der neue ansprechende blau-grüne Schriftzug „Marchfelder Bank“ die „neu geborene“ Bank nach außen hin repräsentieren.

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