Konzert gefiel den Flüchtlingen nicht. Nicht alle Asylwerber der vergangenen Jahre im Bezirk Gänserndorf wollten sich integrieren und blieben deshalb lieber unter sich. Eine ehemalige ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin ist deshalb mittlerweile frustiert.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 09. September 2020 (05:21)
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Kremsmayer

Barbara R. aus Matzen betreute über drei Jahre ehrenamtlich in Kooperation mit einem Verein eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien. Ihr Engagement verwandelte sich mit der Zeit in Frustration.

„Vielleicht hatte ich zu hohe Ansprüche. Ich habe gehofft, dass sich die Erfolge rascher einstellen. Heute muss ich sagen, Europäer werden diese Menschen nicht“, beschreibt R. ihre Eindrücke.

„Eine Vermischung mit der hiesigen Bevölkerung wollte die Familie wohl nicht.“Barbara R.

Die Familie mit Eltern und neun Kindern im Alter von drei bis 19 Jahren kam aus Syrien über den Libanon nach Österreich. Das jüngste Kind war krank und wurde in Wien operiert. „Sie hatten schon eine Odyssee hinter sich. Ihr Haus war von einer Bombe getroffen worden“, erinnert sich R.

In der neuen Heimat wurde mit den Kindern drei Tage pro Woche intensiv gelernt – Deutsch und Mathematik. Als Dolmetsch fungierte ein Syrer, der mit sieben Jahren nach Österreich geflohen war. Der Wille zur Integration sei bei der Familie nur rudimentär gewesen.

„Eine Vermischung mit der hiesigen Bevölkerung wollte sie wohl nicht“, sinniert R. und bringt ein Beispiel. „Wir haben sie zu einem Konzert vom Erdklang eingeladen. Nach ein paar Musikstücken ist die Familie geschlossen wieder gegangen.“ Ob es an der Musik lag oder der grundsätzlichen Einstellung, hat R. nie erfahren.

Auch ging die Familie ausschließlich in syrische Geschäfte einkaufen, wofür sie extra nach Wien fuhr. Dem Vater hätte man Arbeit als Fahrer bei der Lebenshilfe organisiert. Dies lehnte er aber ab, mit der Begründung, dass er nicht gut genug Deutsch könne.

Bis 2019 lebte die Familie in Gänserndorf

Bis 2019 lebte die Familie in Gänserndorf, dann sind alle nach Wien gezogen. Der Kontakt brach bis auf einzelne SMS-Nachrichten – auf Arabisch – ab. R. erfuhr, dass die zwei ältesten Söhne bereits verheiratet sind – mit Syrerinnen, auch Kinder gäbe es schon.

Ob und was sie arbeiten, ist ihr nicht bekannt. „Die kleinen Kinder haben sich damals leichtgetan mit dem Lernen. Bei den Erwachsenen war alles viel schwieriger“, so R. abschließend.