Künstler vermissen ihr „täglich’ Brot“. Die Musiker des Bezirks Gänserndorf durften teilweise schon ein Jahr lang keine regulären Auftritte spielen. Kreativität ist gefragt.

Von Stefan Havranek und Thomas Schindler. Erstellt am 24. Februar 2021 (03:45)
Lockdown-bedingt restauriert Künstler Jimmy Schlager derzeit seinen Weinkeller.
privat

Die Kulturschaffenden des Landes haben es in der Corona-Krise nicht einfach. Der Applaus, das sprichwörtliche „täglich’ Brot“ des Künstlers, ertönt maximal aus Computer-Lautsprechern bei Livestream-Konzerten. Dennoch übt man sich in Durchhalteparolen und versucht, das Beste aus einer verzwickten Situation zu machen.

„Ich habe ein Zitat einer Kulturpolitikerin zur Situation in der Kunst gelesen. Es schloss mit dem Satz ,Aber zumindest ist jetzt im Kultursektor Klarheit darüber geschaffen, dass auf jeden Fall bis Ostern nichts passieren wird.‘ Man kann auch wirklich alles als Erfolg auslegen“, übt sich der Ollersdorfer Lukas Weiser, besser bekannt als „Onk Lou“, in Galgenhumor.

„Mein letztes Konzert hatte ich im September in Wien vor maskiertem Publikum. Mein letztes ,normales‘ Konzert war genau vor einem Jahr in Paderborn“, berichtet der Singer/Songwriter, der allerdings im Lockdown sein neues Album „Quarterlife“ veröffentlichte und eine aufsehenerregende, Corona-konforme Konzert-Tour mit dem Fahrrad unternahm. Die dazugehörige Doku „Vorhang Zu“ lief auf zahlreichen Fernsehsendern und ist zudem auf der Plattform YouTube zu sehen.

„Musik nicht nur ein Job, sondern Leidenschaft“

Die aktuell größte Herausforderung? „Überleben und sich nicht verrückt machen lassen“, so Weiser. Live-Konzerte seien nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern grundsätzlich das, was Künstler am meisten machen. Bricht das weg, wird nicht nur das Geld knapp, sondern man ist gezwungen, ein völlig anderes Leben zu führen.

„Musikmachen ist das, wofür ich mich entschieden habe, weil es meine Leidenschaft ist. Es ist nicht nur ein schlecht bezahlter Job, den ich einfach durch Spargelstechen ersetzen kann und will. Dinge, die es momentan zu tun gibt, sind das Herausbringen von Singles und der Videodreh. Da ich gerade mein neues Album rausgebracht habe, wird es davon bald viel zu hören und zu sehen geben“, will der junge Musiker kein Trübsal blasen.

Nicht betrübt, aber genervt von der Situation zeigt sich Weinviertel-Barde Jimmy Schlager. Der bekannte Liedermacher und Entertainer aus Matzen hatte seit November keinen einzigen Auftritt: „2020 habe ich keine 20 Mal gespielt. Gewöhnlich komme ich auf 80 bis 100 Auftritte pro Jahr.“

Schlager hofft, dass er im kommenden Sommer ein paar Freiluft-Konzerte absolvieren kann: „Ich habe schon die ärgsten Entzugserscheinungen.“ Und wie wird es ab Herbst weitergehen? „Wenn es mit Impfungen und Schnelltests funktioniert, kann ich mir vorstellen, dass wir auftreten dürfen.“

Kürzlich hätte die Premiere seines neuen Programmes über die Bühne gehen sollen: „Die habe ich auf Februar 2022 verschoben.“ Wie geht es ihm finanziell? „Am Anfang war es eine Katastrophe. Mit den staatlichen Hilfen komme ich aber über die Runden.“ Schlager lebt vom Live-Spielen: „Wenn ich das nicht kann, verdiene ich nichts durch die Auftritte und verkaufe auch keine CDs.“

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