Landwirte trotzen Klimawandel: Bauernschläue gefragt. Wetterkapriolen, Schädlinge und Corona bedeuten viele Herausforderungen.

Von Stefan Havranek und Manuel Mattes. Erstellt am 01. Juli 2020 (04:29)
Landwirt Tim Prossenitsch inmitten seiner Artischockenpflanzen direkt nach der Ernte in Zwerndorf.
Mattes

Das heurige Erntejahr stellt die Bauern des Bezirks wieder vor einige Herausforderungen. Nicht nur die Wetterkapriolen – kaum Niederschlag bis Ende April, dafür reichlich Regen in Mai und Juni – auch der Schädlingsdruck und die coronabedingte Knappheit an Landarbeitern sorgten mitunter für rauchende Köpfe bei den Landwirten. Die NÖN hörte sich im Bezirk um, wie die heurige Ernte ausfallen könnte.

„Am Freitag hat die Ernte der Wintergerste im Bezirk begonnen, da sind die Erträge erstaunlich positiv“, informiert Manfred Zörnpfenning, Obmann der Bezirksbauernkammer. Es seien aber erst einige Flächen gedroschen worden. Generell erwartet er aber eine unterdurchschnittliche Getreideernte: „Manche Felder werden aufgrund der Niederschläge jetzt wieder grün, obwohl sie eigentlich schon abreifen sollten.“ Es sei schwer zu sagen, wie sich das auf die Qualität auswirke.

Beim Spargel gab es laut Zörnpfenning eine „maximal durchschnittliche“ Ernte, Schuld sei der verregnete Mai: „Und der Mangel an Landarbeitern wegen Corona machte den Bauern das Leben schwer, es konnten sicherlich nicht alle Flächen geerntet werden.“ Apropos Corona: Normalerweise würde es jetzt schon Statistiken über die Verteilung der Kulturen auf die Flächen im Bezirk geben, aufgrund der Coronakrise wurde aber die Frist für die Einreichung des Mehrfachantrages (damit übermitteln die Landwirte der AMA, was sie auf ihren Flächen anbauen) bis 15. Juni verlängert und die Daten sind noch nicht vorhanden.

Regen hatte auch positive Seiten

Die starken Regenfälle der letzten Wochen hatten aber auch positive Seiten: „Die Herbstkulturen wie Zuckerrüben, Erdäpfel, Mais oder Soja profitierten davon“, weiß Zörnpfenning, gibt aber zu bedenken: „Jetzt kommt es aber darauf an, wie es das Wetter in den kommenden Monaten mit uns meint.“ Wenn er einen Wunsch äußern könnte? „Dann soll es 25 Grad haben und alle zwei Wochen regnen.“

Übrigens: Der Rüsselkäfer, der in den vergangenen Jahren den Zuckerrüben-Beständen arg zusetzte, hat auch heuer wieder stark zugeschlagen, die Trockenheit bis Mai begünstigte den Schädling: „Mit 26.000 Hektar Rübenfläche in Österreich haben wir heuer so wenig wie noch nie. Wir hatten schon Jahre mit 48.000 Hektar“, gibt Zörnpfenning zu bedenken.

Wie erlebt eigentlich Jung-Landwirt Tim Prossenitsch, der unter anderem Artischocken, Karden sowie Wassermelonen auf Feldern in Schönkirchen-Reyersdorf und Zwerndorf anbaut, die klimatischen Herausforderungen?

„Durch den trockenen Winter fehlte zu Vegetationsbeginn das Wasser im Boden und es musste sehr zeitig bewässert werden. In der zweiten Maihälfte wurde das Niederschlagsdefizit dann etwas ausgeglichen.“

Die wahren Folgen werden sich laut Prossenitsch allerdings erst bei der Ernte in den kommenden Wochen zeigen. Er blickt jedoch auch optimistisch in die Zukunft: „Ich versuche, meinen Betrieb auf eine steigende Jahresdurchschnittstemperatur auszurichten. Deshalb baue ich auch im Bezirk eher seltene Kulturen wie Wassermelonen und Artischocken an. Das sollte langfristig auch im Hinblick auf den Klimawandel funktionieren. Ich mache das Beste aus der Situation.“

Zur Bewässerung seiner Kulturen verwendet er wassersparende Tropfschläuche, die den Vorteil bieten, dass damit auch direkt Dünger auf den Feldern ausgebracht werden kann.

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