Lockdown-Ende: Der nächste Versuch. Seit Montag hat der Handel wieder offen. Auch die Friseure werden gestürmt. Und: Marchfeld-Schlösser bereiten sich auf Ausstellungen vor.

Von Stefan Havranek, Thomas Schindler und Edith Mauritsch. Erstellt am 10. Februar 2021 (04:18)
Eine gute Frisur und dazu vielleicht sogar einen neuen Wagen? Der Gänserndorfer Autohaus-Betreiber Gerhard Lauer freut sich, wieder Kunden in seinem Geschäft begrüßen zu dürfen.
Mauritsch

Seit Montag ist der vorerst letzte harte Corona-Lockdown vorbei: Die Schulen, der Handel, körpernahe Dienstleister und Kultureinrichtungen durften unter strengen Auflagen wieder aufsperren. Wie sieht die Lage nun im Bezirk aus?

Laut Verordnung darf sich in Handelsgeschäften nicht mehr als ein Kunde pro 20 Quadratmeter aufhalten. Da wird es bei kleineren Lokalen eng.

„Wir konnten den Gästebetrieb so sicher wie möglich gestalten.“ Klaus Panholzer, Geschäftsführer der Schönbrunn Group

Erich Kröll, Besitzer des gleichnamigen Spielwarengeschäftes auf der Gänserndorfer Bahnstraße , verfügt über 230 Quadratmeter Verkaufsfläche: „Somit dürfen bei mir neun bis zehn Kunden gleichzeitig rein.“

Damit kann der Unternehmer leben: „Arm sind jene, die knapp unter 60 Quadratmeter haben. In diesem Fall darf nur ein Kunde rein, weil der Mitarbeiter des Geschäfts ja auch bei der 20-Quadratmeter-Rechnung mitgezählt werden muss.“

Gänserndorfs Wirtschaftskammer-Leiter Philipp Teufl widerspricht: In der Verordnung stehe ausdrücklich „Kunde pro Quadratmeter“. Für Teufl ist somit klar, dass „die Mitarbeiter nicht mitgerechnet werden“. Und weiter: „Ein Kunde darf immer rein, auch wenn weniger als 20 Quadratmeter vorhanden sind.“

Kröll – er ist auch Obmann des städtischen „werbeteams“ – hofft auf jeden Fall, dass es nun wirtschaftlich wieder bergauf geht: „Nicht, dass wir in zwei bis drei Wochen wieder zusperren müssen, weil die Infektionszahlen zu hoch sind. Dann wäre das zweite Ostergeschäft hintereinander ruiniert.“

Friseure haben es auch nicht leicht. Sie dürfen nur jene Kunden in den Laden lassen, die einen negativen Covid-19-Test vorweisen können, der maximal 48 Stunden alt ist. Eine unverhältnismäßig strenge Vorgabe für die Haarstylisten?

„Nein“, sagt Gänserndorfs Wirtschaftskammer-Obmann Andreas Hager : „Man muss das pragmatisch sehen. Die Alternative wäre, dass sie nicht aufsperren dürfen.“ Also werden sich die Friseure mit dieser Maßnahme arrangieren. Es sei auch nicht zu viel verlangt, dass sich die Kunden vor dem Haarschneider-Termin testen lassen – immerhin gehen sie ja nicht jeden Tag zum Friseur.

Maria Vogg vom Salon Maria in Groß-Schweinbarth erklärt: „Meine Kunden verstehen, dass wir uns schützen müssen und haben Verständnis für die Maßnahmen.“ Voggs Terminkalender ist jedenfalls für mehr als die nächsten zwei Wochen ausgebucht. „Wir vereinbaren die Termine so, dass es sich mit den Öffnungszeiten der Teststraßen gut ausgeht.“ Und weiter: „Man braucht ja das Testergebnis nur vorzeigen. Ältere Kunde, die nicht wussten, wo sie testen gehen können, habe ich informiert.“ Der Wunsch nach einer ordentlichen Frisur scheint zu überwiegen.

Gerhard Lauer, Chef des Gänserndorfer Autohauses Renault/Dacia , ist froh, wieder Kunden im Geschäft begrüßen zu dürfen. „Wir haben ein gutes Hygienekonzept und viel Platz in unserem Schauraum. Die 20-Quadratmeter-Regel bereitet uns keine Probleme.“ Zwar präsentierte man im Lockdown die Autos den Kunden per Videobotschaft , dennoch: „Wir freuen uns, die Fahrzeuge wieder direkt herzeigen zu dürfen. Es ist eben etwas anderes, das Produkt sehen und angreifen zu können. Die Kunden möchten natürlich auch Probefahrten machen.“

Für Franz und Birgit Pekarek vom Nah&Frisch-Kaufhaus in Engelhartstetten heißt es seit Montag „Kunden zählen“. Die Beschränkung auf einen Gast pro 20 Quadratmeter bedeutet, dass sich nur noch zehn Personen im Geschäft aufhalten dürfen. „Wir haben uns die Kundenfrequenz angeschaut und das dürfte sich ausgehen, ohne dass es zu Wartezeiten kommt“, weiß Franz Pekarek. Auch an der Feinkost gibt es kein Gedränge, weil auch fertige Jausensackerl angeboten werden.

Der Nahversorger ist in der Pandemiezeit kreativ geworden, es wurde ausgeliefert und das neueste Service sind Mahlzeiten für Zuhause. „Wir kochen das Essen vor und füllen es in umweltfreundliche Glasbehälter ab, die sich die Kunden daheim aufwärmen können“, erklärt Birgit Pekarek. Mit Erfolg, die Kunden nehmen das neue Service gern an und sind begeistert, vor allem an den „Bratl-Tagen“, jeweils mittwochs und donnerstags.

Auch die Schönbrunn-Group, die die Marchfelder Publikumsmagneten Schloss Hof und Niederweiden betreibt, öffnet am 11. Februar wieder alle Standorte. „2020 war ein Jahr mit vielen Herausforderungen, das wir nur mit Fokus, Flexibilität und gemeinsamem Durchhaltevermögen bewältigen konnten“, so Klaus Panholzer, Geschäftsführer der Schönbrunn Group . Man habe die Zeit genutzt, Projekte im Bereich Kulturvermittlung, Wissenschaft und Bau sowie Digitalisierung umzusetzen. „Ebenso konnten wir den Gästebetrieb aufgrund unserer Sicherheitskonzepte und dem Besucherstrom-Management so sicher wie möglich gestalten“, betont Panholzer.

Das Programm-Highlight in diesem Jahr ist die Sisi-Sonderausstellung, die in Schloss Hof und Niederweiden aufgrund ihres großen Erfolges in der Vergangenheit von 13. März bis 26. Oktober 2021 in die Verlängerung gehen wird.

Sie wird auch um einen spannenden Ausstellungsbereich in Niederweiden erweitert. Außerdem wird das „Barocke Wasserspektakel“ (12. bis 15. August und 19. bis 22. August) noch spektakulärer und kann mit Conchita aufwarten.

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