Lockdown: Zwischen Verständnis und Frustration

Was sagt die lokale Politik zum mittlerweile vierten Lockdown und zur Impfpflicht? Die NÖN hörte sich im Bezirk Gänserndorf um.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:18
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Am Sonntag war in der Bärenstub’n in Matzen noch der Bär los. Ab Montag ist zu – wieder einmal. Dann ist nur noch eine Abholung der Speisen möglich.
Foto: Edith Mauritsch

„Es ist ein ganz normaler Lockdown“, so eine Supermarkt-Mitarbeiterin zu einer Kundin. Was bis zum März des Vorjahres unvorstellbar schien, wird beim vierten Lockdown offenbar emotionsbefreiter gesehen – Maßnahmengegner wohl ausgenommen. Verstärkter Andrang war Freitag und Samstag bei Baumärkten zu erkennen, die wie viele andere Geschäfte seit Montag geschlossen sind. Bei Fetter in Gänserndorf reagierte man auf die Ankündigung schnell – Adventkränze wurden um den halben Preis verkauft. Die Wirtschaft ist nicht begeistert, Politiker appellieren an die Solidarität der Bevölkerung.

Impflicht ist letzte Konsequenz zum Schutz

SPÖ-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec aus Groß-Enzersdorf ruft zur Impfung auf: „Ich möchte alle dazu aufrufen, diese Schutzmöglichkeit anzunehmen und bei Bedenken mit einem Arzt ihres Vertrauens zu sprechen.“

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SPÖ-Bürgermeisterin Obereigner-Sivec ruft zur Impfung auf.
NÖN

Wenn die Freiwilligkeit nicht greift, ist für sie die Impflicht die letzte Konsequenz zum Schutz der Gesamtbevölkerung. Leider sei die Bevölkerung gespalten. „Würden jetzt alle Politiker ihre persönlichen Befindlichkeiten hintanstellen und gemeinsam auftreten, wäre das sicher ein sehr starkes Signal an die Bevölkerung“, mahnt Obereigner-Sivec.

Wie wird der Lockdown von den Bürgern angenommen? „In der Diskussion mit meinen Schülern (Berufsschule – Anm.) ist die Verantwortung mitzumachen klar herausgekommen. In der Gesellschaft trägt die große Gruppe die kleinere und schwächere“, berichtet Obereigner-Sivec, die im Brotberuf Pädagogin ist. Unter ihren Schülern ist nur eine Person nicht geimpft.

Lockdown wäre früher notwendig gewesen

ÖVP-Landtagsabgeordneter René Lobner sieht den Lockdown als letzte Möglichkeit: „Eine Freude hat damit keiner, ein Lockdown ist aber die einzig richtige Entscheidung. Er wäre wahrscheinlich schon früher notwendig gewesen.“

Lobner versuchte in seinem Umfeld, die Menschen mit Argumenten vom Impfen zu überzeugen. Jeder Einzelne sei wichtig, ansonsten komme man aus diesem Teufelskreis nicht heraus. Auf die Impfpflicht angesprochen, sagt Lobner: „Verweigerer und Verschwörungstheoretiker werden wir nur mit der Impfpflicht erreichen. Gegebenenfalls kann das über das Arbeitsgesetz geregelt werden.“ Lobner appelliert eindringlich an die Menschen, als Gesellschaft zusammenzuhalten.

„Gesundheitssystem ist hervorragend“

Solidarität und Verantwortungsbewusstsein stellt auch ÖVP-Nationalratsabgeordnete Angela Baumgartner in den Vordergrund: „Wir leben in einem wunderbaren Land mit sehr gut funktionierender Wirtschaft und einem hervorragenden Gesundheitssystem. Wenn eines davon kollabiert, trifft es jeden Einzelnen von uns.“

Die Spitäler seien am Limit, der Lockdown bremse die wirtschaftliche Entwicklung, was wiederum Arbeitsplätze gefährde. „Ich hätte nie gedacht, dass wir über eine Impfpflicht sprechen müssen“, so Baumgartner, die an die die gesellschaftliche Verantwortung betont.

Die Bezirkssprecherin der Grünen, Beate Kainz, hält den Lockdown für notwendig: „Wir müssen uns zusammenreißen. Es ist wichtig, die Spitäler zu entlasten. Es soll jeder ein Bett bekommen können, wenn er es braucht“, so Kainz. Und weiter: „Ich bin nicht grundsätzlich für eine Impfpflicht, nur als letzte Konsequenz.“

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ÖVP-Stadtchef Doschek ortet Frustration bei den Menschen.
NÖN

Für ÖVP-Bürgermeister Helmut Doschek aus Zistersdorf ist klar: „Zwei Drittel der impfbaren Menschen in Österreich sind inzwischen geimpft, das stellt in einer Demokratie die eindeutige Mehrheit dar. In weiten Teilen der Bevölkerung herrscht inzwischen spürbarer Frust und Unverständnis, dass in Österreich zwar genug Impfstoff verfügbar ist, aber zu wenige Impfwillige vorhanden sind.“

Länder mit höherer Durchimpfungsrate hätten keine Lockdowns mehr, das könne selbst jemand mit Affinität zu Entwurmungsmitteln nicht leugnen. Ganz anderer Ansicht ist FPÖ-Bezirksparteiobmann und Landtagsabgeordneter Dieter Dorner: „Die Impfpflicht mit einem Impfstoff in der Notzulassung und einer geringen Wirkung ist eine Katastrophe. Deswegen war ich demonstrieren.“ Er lasse sich keine Zügel anlegen, er sei kein Pferd.

Frage der Woche

  • Ist die Corona-Impfpflicht gerechtfertigt?