Mann fackelte Haus ab. Ein psychisch Kranker im Bezirk Gänserndorf setzte seine Medikamente ab und zündete ein Gebäude an: Einweisung in Psychiatrie.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 09. September 2021 (06:00)
 Haus in Brand
Der 42-Jährige steckte sein Haus in Brand, nachdem er eine Stimme gehört hatte, die ihn um Hilfe bat.
Symbolfoto: Shuttertock/ SmoothSailing

Als ein 42-Jähriger gegen 23 Uhr am 16. Jänner dieses Jahres an das Fenster des Hauses seiner Mutter im Bezirk Gänserndorf klopft, wird die 74-Jährige vielleicht geahnt haben, dass die schizophrene Erkrankung ihres Sohnes ein Unheil ausgelöst haben könnte. Nach dem Satz „Mama, ich hab das Haus abgebrannt“, wurde diese Annahme zur Gewissheit. Die Feuersbrunst, die der Mann in dieser Nacht in der Küche des vom verstorbenen Vater geerbten Hauses entfacht hatte, war offenbar nur die Spitze des Eisbergs.

Bereits 2012 hatte der Gerichtssachverständige und Gutachter Werner Brosch in einem Verfahren wegen Raubes gegen den 42-Jährigen die psychische Krankheit diagnostiziert. Die Prognose damals war günstig und so konnte der Mann im Rahmen eines speziellen Wohnprojektes und durch therapeutische Betreuung, die er in dieser Zeit selbst aktiv unterstützte, 2017 aus diesen Maßnahmen entlassen werden. Er habe damals große Pläne gehabt, die sich durch den Einzug in das Vaterhaus verwirklichen sollten.

Mann setzte einfach die Medikamente ab

„Ich wollte wieder frei sein“, gab der gelernte Nachrichtenelektroniker dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Xenia Krapfenbauer als seine Beweggründe an, die Medikamente kurz nach dem Einzug in das Haus abzusetzen. Die Folgen davon nahmen spätestens 2018 unvorstellbare Ausmaße an. Stimmen im Kopf hätten ihm befohlen, sich nicht mehr zu bewegen, denn „wenn ich mich bewege, tu ich jemandem weh“. Seiner Körperhaltung war diese erzwungene Starre deutlich anzumerken.

Später hätten die Stimmen ihm auch nicht mehr erlaubt, dass er sich wasche oder etwas trinke. Seine mittlerweile manifestierten Halluzinationen wollten ihn glauben machen, dass er mit jeder Bewegung einem anderen Menschen Schmerzen zufügen würde. Am Tag des Brandes habe er ein Wimmern aus einem Eck des Hauses gehört: „Sie tun mir so weh.“ Da beschloss der Mann, etwas zu unternehmen. „Der Übeltäter war das Haus für mich“, sagte er, ohne eine Art von Schuldbewusstsein erkennen zu lassen.

Nach dem Brand habe er sich wieder frei gefühlt, er ist sogar unter Menschen gegangen – in dem er in Wien U-Bahn fuhr. „Ich war nicht so traurig über das Haus“, seine wieder gewonnene Bewegungsfreiheit war ihm lieber. Seit seiner Festnahme im Mai wohnt er nun in der Forensischen Psychiatrie des Landesklinikums Mauer. Diese Unterkunft kommentiert er mit den Worten: „Wenn ich dort länger bleiben muss, wird das ein Horror.“

Brosch, der den Fall des Mannes von Anfang kennt, konnte ihm aber nicht viel Hoffnung machen. Denn, die Prognose sei ungünstig, sowohl aus persönlicher Sicht, aber auch in Bezug auf mögliche künftige Straftaten. Sein Zustand habe sich im Vergleich zu 2012 verschlechtert, die „innere Desintegration“ habe zugenommen und auf die verabreichten Medikamente spräche er weit schlechter an als beim ersten Behandlungsversuch und die „akute Symptomatik“ sei zu ausgeprägt.

„Ich will bedingt freikommen“, bat er den Schöffensenat in seinen Schlussworten. Dieser Bitte konnte das Gericht nicht nachkommen, da sein „Zustand kausal für die Tat“ gewesen sei und somit „eine Einweisung diesmal unbedingt vorzunehmen war“, so Richterin Krapfenbauer.