Mann verletzt:„Wer weiß, wo der im Rausch um’kugelt is“. Selbst- oder Fremdverschulden? Wie ein Mann zu drei angeknacksten Rippen kam, bleibt auch im Prozess ungeklärt.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 13. Februar 2017 (18:35)
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„Ich schwöre, ich habe ihn nicht getreten. Es war nur ein Stessa. Ich bin kein Raufer“, beteuert ein Mann (34) aus dem Bezirk Gänserndorf vor Gericht, und er will nicht der Verursacher von drei angeknacksten Rippen sein.

Laut Opfer gesagt: „Schleich di, sonst hau i di nieder!“

Der Verletzte (48) wohne in seiner Nähe und sei ein Bekannter: „Immer, wenn er Eheprobleme hat und besoffen ist, will er reden. Er tauchte wieder einmal unangemeldet auf und störte uns beim Kochen. Wir sind zwei Single-Männer und fabrizieren am Sonntag gemeinsam was Gutes. Er ließ sich nicht vertreiben, kam immer wieder und nervte, da gab ich ihm vor der Tür einen Stessa. Er ging kurz auf die Knie, dann rappelte er sich wieder auf“, schildert der Beschuldigte und gibt nur einen unsanften Körperkontakt zu.

„Schleich di, sonst hau i di nieder!“, habe der 34-Jährige geschrien, dann zugeschlagen und getreten, behauptet hingegen das Opfer. Es muss aber einräumen, zuvor schon eine handfeste Auseinandersetzung in einem Lokal gehabt zu haben und alkoholbedingt auch nicht mehr allzu sicher auf seinen Beinen gewesen zu sein.

„Wer weiß schon, mit wem er aller Streit hatte“

„Von mir hat er die lädierten Rippen sicher net. Wer weiß schon, wo der in seinem Rausch umg’kugelt is und mit wem er aller Streit hatte“, kommt es unwirsch vom Beschuldigten.

Ein Zeuge bestätigt: „Ich habe vom Küchenfenster aus gesehen, wie er hinfiel, dann am Straßenboden umherkroch und den verstreuten Tabak einsammelte.“ Auf die fragenden Blicke der Richterin erklärt der Zeuge: „Er geht immer mit einer Tabakdose und einer Bier-Ration in Händen spazieren.“

Auch ein umfangreiches Beweisverfahren kann nicht klären, wie der 48-Jährige zu den angeknacksten Rippen gekommen ist. Der Angeklagte wird in diesem Punkt im Zweifel freigesprochen. Für den eingeräumten Stoß und die leichten Folgeverletzungen (Prellungen) kassiert er drei Monate auf Bewährung und muss dem Opfer 653 Euro Schmerzensgeld zahlen.