Monatelanges Warten auf Dämmplatten. Während Häuslbauer und Baufirmen wegen fehlenden Materials schwitzen, dürften Gemeinden im Bezirk Gänserndorf bei ihren Projekten mit einem blauen Auge davonkommen.

Von Thomas Schindler, Robert Knotz, Vera Coursolle und Ernst Spet. Erstellt am 28. April 2021 (04:14)
Christoph Hradetzky aus Breitensee hat einen Großteil seines Hausbauvorhabens schon erledigt. Kleinere Arbeiten stehen noch an. Er muss aktuell noch etwa zwei Monate auf spezielle Dämmplatten warten.  
Spet

Der Mangel an Baustoffen wird zunehmend zum Problem – sowohl im privaten Bereich als auch bei öffentlichen Baustellen. Wie sieht eigentlich die Lage im Bezirk aus? Kann alles gebaut werden, was geplant ist?

„Zum Glück ja, weil unsere Bauträger das nötige Material auf Risiko vorbestellt hatten“, meint Gänserndorfs ÖVP-Bürgermeister René Lobner, wenn er die aktuellen Gemeindepläne in der Bezirkshauptstadt betrachtet. Lobner kennt aber auch die andere Seite: „Die Auftragsbücher vieler Baufirmen sind bis August voll. Die warten dann statt einer Woche einen Monat auf ihr Baumaterial.“

Die Gründe für den privaten Bauboom liegen für den Stadtchef auf der Hand: „Corona-bedingt fährt niemand in den Urlaub, kann keiner Shoppen gehen und auch nicht im Gasthaus essen.“ Das ersparte Geld werde somit in Neu- und Zubauten, Sanierungen und in die Gartengestaltung, Stichwort Swimmingpool, gesteckt.

Lobner: "Wenig Facharbeiter"

Neben dem Baustoffmangel und den „enorm hohen Rohstoffpreisen“ ortet Lobner noch ein weiteres aktuelles Problem in der Baubranche: „Ich höre immer wieder, dass die Betriebe derzeit zu wenig Facharbeiter haben.“

Einer dieser leidgeprüften Firmenchefs ist Karlheinz Katzek, Baumeister aus Strasshof. Es spricht von einer Katastrophe: „Auf Wärmedämmungen warten wir acht bis zehn Wochen. Baustahl und Holz sind auch schon Mangelware.“ Man sei gezwungen, das Material teilweise auf Vorrat zu bestellen: „Aber das kann man auf längere Zeit nicht mehr vorfinanzieren.“

Ohne gute Kontakte bei den Lieferfirmen habe man derzeit keine Chance, Baumaterial zu bekommen. Es gebe jetzt schon Betriebe, die aufgrund des Materialmangels stillstehen: „Der Mangel wirkt sich natürlich auf die Preise aus. So sei Dämmstoff um 15 Prozent und Baustahl sogar um 25 Prozent teurer geworden.“

Preise werden steigen

In der Branche munkelt man, dass die Preise im nächsten Monat nochmals um zehn bis 15 Prozent steigen werden. „Jetzt dürften wir trotz des Corona-Lockdowns arbeiten, haben aber kein Material“, ärgert sich Katzek. Die Gründe liegen seiner Ansicht nach am Rohstoffmangel. „Es gibt nur wenige Firmen, die Rohstoffe, wie das Grundmaterial für Dämmstoffe, herstellen – und die sind sehr weit weg.“ Angeblich werde das meiste davon nach Amerika oder China geliefert. So soll es demnächst auch beim Holz sein. „Man kann nur hoffen, dass sich die Situation bald bessert, jedoch bezweifle ich, dass die Preise dann auch fallen werden.“ Eine Lösung für das Problem sieht der Baumeister nicht.

Wolfgang Pöll, Inhaber eines Spengler- und Dachdeckerbetriebs in Dürnkrut, beklagt wiederum den Baustoffmangel in der Holzwirtschaft: „Heimische Sägewerke verkaufen an Bestbieter aus Übersee. Es ist tragisch, dass diese Betriebe, die jahrzehntelang unsere Partner waren, uns jetzt einfach m Stich lassen.“

Auch Christoph Hradetzky aus Breitensee, der gerade ein Eigenheim baut, meint, dass die weltweiten Covid-Lockdowns es den Häuslbauern schwermachen. Baustoffe wie Holz oder Dämmstoffe werden zur Mangelware. So muss Hradetzky noch etwa zwei Monate auf seine XPS-Styrodur-Dämmplatten warten. Der junge Breitenseer bleibt aber seinem Baustoffhändler, dem Lagerhaus Obersiebenbrunn, treu.

Auch die Preise bleiben für ihn unverändert. Mehrere seiner Bekannten, die ebenfalls gerade bauen, berichten aber von massiven Preiserhöhungen gerade bei Bauholz von bis zu 60 Prozent und dass gerade Dämm- und Isolationsmaterial in stärkeren Ausführungen mit teils monatelangen Wartezeiten verbunden sind.

Marcheggs ÖVP-Bürgermeister Gernot Haupt, der mit der Renovierung vom Schloss und der Neugestaltung der Bahnstraße zwei Großbaustellen in seiner Gemeinde hat, sieht die Lage entspannter: „Da beim Schloss keine thermische Isolierung notwendig ist und bei der Straßengestaltung keine Rohre neu verlegt werden müssen, kommt es zu keinerlei Verzögerungen.“

Markus Pernold, Spartenleiter für den Baustoff-Einkauf für mehrere Raiffeisen-Lagerhäuser im Weinviertel, bestätigt, dass es Engpässe bei Styropor, Styrodur und Baueisen gibt. Als Grund nennt er einen Eisenschrottmangel. China und die Türkei hätten den Markt schlicht aufgekauft.

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