Nach Lockdown ging es beim Tourismus leicht bergauf. Auch wenn es keine vollen Autobusse gab, konnten die Fremdenverkehrs-Betriebe im Bezirk Gänserndorf zum Teil relativ viele Gäste begrüßen.

Von Thomas Schindler, Markus Szelnekovics und Ernst Spet. Erstellt am 16. September 2020 (04:29)
Alexandra Pataki, Carina Schmid und Andreas Pataki (v.l.) betreiben das Bernstein-Motel in Marchegg und sehen positiv in die Zukunft.  Foto: 
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Wie ist der heurige Corona-Sommer für die Tourismusbetriebe gelaufen? Sind die Betreiber von Beherbergungsbetrieben zufrieden oder nicht? Und was erwarten sie für die Zukunft? Die NÖN hörte sich in der Region um.

Im Schloss Hof, dem touristischen Hotspot des Bezirks, ist man den Umständen entsprechend zufrieden. Sprecherin Petra Reiner: „Während der Schließung von März bis Mitte Mai hatten wir natürlich leider keine Gäste.“ Danach nahmen die Schlösser Hof und Niederweiden aber wieder Fahrt auf: „Aufgrund unserer Jahreskarten-Besitzer waren die Ausstellungen über Kronprinz Rudolf und Kaiserin Sisi gut besucht.“

Auch die Veranstaltungen, wie das barocke Wasserspektakel im Schloss Hof, lockten zahlreiche Gäste an. „Natürlich können wir nicht die Besucherzahlen wie im Vorjahr erreichen, aber unterm Strich war der Corona-Sommer für uns nicht ganz so schlecht, wie es manche befürchtet hatten“, so Reiner.

Auch im Museumsdorf in Niedersulz konnte man nach dem Lockdown im Frühjahr wieder aufatmen. Mit sechs Wochen Verspätung durfte das größte Freilichtmuseum in Niederösterreich am 1. Juni öffnen. Wissenschaftliche Leiterin Veronika Plöckinger-Walenta: „Auf der einen Seite war das Geschäft mit Schüler- und Pensionistengruppen komplett weggebrochen. Auf der anderen Seite konnten wir relativ viele Individualtouristen im Juli und August begrüßen.“

Man sei somit halbwegs zufrieden. Jetzt werde man sehen, was der Herbst noch an Besuchern bringt, betont Plöckinger-Walenta. Bis 1. November ist das 22 Hektar große Freigelände geöffnet. Sein Vorteil liegt natürlich auf der Hand: Im Freien brauchen sich die Besucher weniger Sorgen machen, sich mit dem Virus anzustecken.

Hannes Kopriva mit Tochter und Junior-Chefin Julia: „Bei den internationalen Gästen hatten wir natürlich einen Totalausfall.“
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Und wie erging es der Hotellerie im Bezirk? Hannes Kopriva, Chef des Aulandhotels in Untersiebenbrunn, erinnert sich: „Ich bin froh, dass spürbar mehr inländische Gäste in unserem Haus genächtigt haben. Bei den internationalen Besuchern hatten wir natürlich einen Totalausfall.“ Auch Busgruppen, die Wien oder den Neusiedlersee besichtigen – „hier waren wir immer das Ausgangshotel für die Touren“ –, fielen zu hundert Prozent weg, erklärt der Unternehmer.

Die Familie Pataki führt immer eine genaue Statistik, wie viele Touristen und wie viele Monteure bzw. Handwerker in ihren beiden Motels in Marchegg nächtigen. Waren es 2011 noch 3 Prozent, sind es 2020 bereits 12 Prozent Touristen.

Die Patakis haben insgesamt 50 Betten, allein im August gab es 650 Übernachtungen. Ausschlaggebend für eine gute Buchungslage sind viele Veranstaltungen in den umliegenden Marchfeld-Schlössern. „Gäste, die bei uns wegen einer Veranstaltung genächtigt haben, kommen jetzt immer wieder, um das Marchfeld mit dem Fahrrad zu erkunden“, wissen die Hoteliers.

Natürlich sei der Lockdown auch für sie eine große Herausforderung gewesen – Alexandra und Andreas Pataki sowie Junior-Chefin Carina sehen aber durchwegs positiv in die Zukunft: „Der Trend geht in Richtung sanfter Tourismus und Radtourismus.“ Dieser könne sogar in Zeiten einer Pandemie den Beherbergungsbetrieben Gäste bringen.

Übrigens: Auch der NÖ Landesausstellung 2022 im Marchfeld sehen die Patakis mit Freude entgegen.

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