Nach Pröll-Rückzug: Mikl-Leitner "war klar“. Das sagen die Parteigranden im Bezirk zu den jüngsten Polit-Entwicklungen im Land.

Von Thomas Schindler und Nina Wieneritsch. Erstellt am 25. Januar 2017 (03:45)
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Die Nachricht schlug vergangene Woche wie eine Bombe ein: VP-Landeshauptmann Erwin Pröll wird sich im März aus der Politik zurückziehen. Das höchste Amt im Land soll seine jetzige Stellvertreterin und Parteifreundin Johanna Mikl-Leitner übernehmen. Was sagen die Parteigranden im Bezirk zu dieser doch überraschenden Entwicklung?

Hat VP-Landtagsabgeordneter Bürgermeister René Lobner aus Gänserndorf mit Prölls Rücktritt gerechnet? „Es war irgendwie logisch, dass in diesen Wochen eine Entscheidung fällt, ob Erwin Pröll bei der Landtagswahl 2018 wieder kandidiert oder nicht – damit sein Nachfolger gegebenenfalls Zeit hat, sich als Spitzenkandidat auf den Urnengang vorzubereiten. Erwin Pröll hat viel für NÖ geleistet und nun verantwortungsvoll seine Nachfolge geregelt.“

Lobner: „Landesrat für mich jetzt kein Thema“

Lobner weiter: „Die Entscheidung hat er im letzten Jahr reifen lassen. Ich selbst wusste nicht, wie er sich entscheiden würde, und war mir bis zuletzt nicht sicher.“ Mit Mikl-Leitner folge auf jeden Fall eine erfahrene Politikerin nach: „Zu ihr habe ich persönlich auch einen sehr guten Draht.“

In der Landesregierung wird dann ein Sessel frei sein. Wird gar der Gänserndorfer neuer Landesrat? „Nein, das war und ist zur Zeit kein Thema. Außerdem könnte ich als Landesrat nicht gleichzeitig Bürgermeister sein – und als dieser möchte ich in und für Gänserndorf noch viel bewegen.“

"Ich dachte, dass Pröll erneut antritt"

Auch SP-Landeshauptmann-Stellvertreterin Karin Renner aus Markgrafneusiedl war zuletzt mehr als unschlüssig: „Zuerst dachte ich schon, dass Pröll erneut antritt, dann aber auch wieder nicht. Dass es mit seinem Rückzug schließlich so schnell ging, war doch eine Überraschung.“

Keine Überraschung hingegen war für Renner, dass Mikl-Leitner von der ÖVP als neue Landes-Chefin nominiert wurde: „Pröll war vom Bauernbund, sie ist vom ÖAAB. Die schwarzen Spitzenkandidaten kommen immer abwechselnd von diesen Bünden.“

Renner rechnet damit, dass VP-Landesrat Stephan Pernkopf neuer Landesvize wird und irgendjemand vom Bauernbund zum Landesrat aufsteigt. Wird es Mikl-Leitner gelingen, bei der Wahl 2018 die absolute Mehrheit der ÖVP zu verteidigen? Renner: „Das glaube ich weniger. Auch Pröll hätte sich da schwergetan. Absolute Mehrheiten schafft man heutzutage kaum noch.“

"Rücktritt kam dennoch überraschend"

Für FP-Bezirksparteichef Herbert Steindl aus Untersiebenbrunn war klar, dass Pröll nicht mehr in die nächste Landtagswahl geht. „Dass sein Rücktritt jetzt passiert, kam aber dennoch überraschend“, so Steindl. Er will abwarten, wie Mikl-Leitner mit der FPÖ zusammenarbeiten wird und inwieweit sie Kontakt zu FP-Landtagsabgeordnetem Gottfried Waldhäusl aufnimmt. Dass gerade sie Pröll-Nachfolgerin wird, sei eine „ganz normale parteiinterne Geschichte“.

Grünen-Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger aus Aderklaa sieht im Skandal um die Erwin-Pröll-Privatstiftung den Grund dafür, dass der Rücktritt des Landeschefs nun doch so überraschend kam: „Es hat immer geheißen, dass er sich im Frühjahr zurückzieht. Die Geschichte mit der Stiftung hat das jetzt wohl beschleunigt.“

Mikl-Leitner werde künftig beweisen müssen, dass sie eine Landeshauptfrau für alle ist. „Sie hat vor allem Nachholbedarf in der Sozialpolitik“, so Enzinger, die betont, dass der öffentliche Verkehr endlich zeitgemäß werden muss. Ob Mikl-Leitner hier besser agieren wird als ihr Vorgänger? „Es geht nicht um besser, sondern um anders.“