NEOS wollen "Tunnel light": ÖVP ist dagegen. Die NEOS wollen nicht die Donau, sondern nur die Lobau untertunneln. ÖVP hält an eingereichtem Projekt fest.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 15. Oktober 2017 (03:06)
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Das Projekt der Autobahnen- und Schnellstraßen Finanzierungs AG(Asfinag) sieht einen 8,2 Kilometer langen Tunnel vor.
Asfinag

Mit einer neuen „Light-Variante“ des geplanten Lobautunnels zwischen Schwechat und Groß-Enzersdorf lassen derzeit die Wiener NEOS aufhorchen. Mit ihr soll die künftige S1 zwischen Schwechat und Süßenbrunn um etwa eine Milliarde Euro günstiger gebaut werden können. Und zwar deshalb, weil die NEOS die Donau nicht untertunneln, sondern überbrücken würden und lediglich für das „Festland“ (Lobau) einen Tunnel vorsehen.

Zur Erinnerung: Mit der Außenring-Schnellstraße S1 zwischen Schwechat und Süßenbrunn (19 Kilometer lang, davon 8,2 Kilometer Tunnel) will die Asfinag die Lücke im Autobahnen-Ring um Wien schließen. Gesamtkosten des Projekts: 1,9 Milliarden Euro. 2019 soll mit dem Bau begonnen werden. Zwei Jahre später will man die Strecke von Groß-Enzersdorf nach Süßenbrunn für den Verkehr freigeben, 2025 soll auch der Tunnel fertig sein.

„Wir sind mit der UVP fast durch. Somit macht es überhaupt keinen Sinn, das ganze Projekt jetzt über den Haufen zu werfen.“ VP-Landtagsabgeordneter René Lobner 

Der Gegenvorschlag der NEOS im Detail: Die Donau westlich des geplanten Lobautunnels soll mittels einer Brücke überquert und lediglich der Nationalpark ab dem Ölhafen untertunnelt werden. Die unterirdische Röhre wäre somit nur zwei statt 8,2 Kilometer lang.

Die Wiener ÖVP wiederum hält von der NEOS-Idee gar nichts. Der vorgelegte Alternativplan stelle keinen neuen und sinnvollen Beitrag dar, sondern sei eine Uralt-Variante, die bereits Teil der Untersuchungen gewesen sei und mittlerweile als überholt bzw. gar nicht mehr realisierbar gelte. Der „Lobautunnel light“ würde viele Anforderungen wie zum Beispiel die Anbindung an die geplante Marchfeld-Schnellstraße S8 nicht erfüllen.

In dasselbe Horn stößt VP-Landtagsabgeordneter René Lobner. Der Gänserndorfer Bürgermeister erklärt im NÖN-Gespräch: „Wir befinden uns mitten im UVP-Verfahren. Sechs der sieben Gutachten wurden bereits positiv bewertet. Im November soll die öffentliche Verhandlung über die Bühne gehen. Somit macht es überhaupt keinen Sinn, das ganze Projekt jetzt über den Haufen zu werfen.“

Zuversichtlich, was die UVP für das eingereichte Projekt betrifft, zeigt sich auch Asfinag-Geschäftsführer Alexander Walcher: „Aktuelle Gutachten zu den Themen Verkehr, Luft, Erschütterung, Geotechnik, Wasser und Ökologie bestätigen unserem Projekt die Umweltverträglichkeit.“ Klärungsbedarf herrsche noch beim Thema Lärm. Bis 31. Oktober hat die Asfinag Zeit, dazu Stellung zu nehmen. „Wir werden diese Punkte aufklären“, so Walcher, der beteuerte, dass dem Schutz der Anrainer vor Lärm große Bedeutung beigemessen werde.