Neue Wege: Landwirt setzt auf Exquisites. Tim Prossenitsch baut Gemüsesorten an, die man im Marchfeld sonst nur äußerst selten antrifft.

Von Manuel Mattes. Erstellt am 01. August 2018 (05:10)
Mattes
Tim Prossenitsch auf seinem Artischockenfeld in Zwerndorf. Das Gemüse ist nach telefonischer Vereinbarung in Schönkirchen-Reyersdorf erhältlich und wird ab dieser Woche in Handel und Gastronomie seinen Platz finden. Auch einen Folder mit Rezeptideen gibt es auf Wunsch.

Denkt man an Marchfelder Landwirte und deren Produkte, kommen einem vermutlich zuerst Mais, Zuckerrüben, Raps, Zwiebel, Karotten und Ähnliches in den Sinn. Der 20-jährige innovative Jung-Landwirt Tim Prossenitsch aus Schönkirchen-Reyersdorf räumt mit diesem Klischee kurzerhand auf und hat sich Gemüsesorten verschrieben, die man hierzulande nur äußerst selten antrifft.

Der BOKU-Student erobert derzeit mit Artischocken, Süßkartoffeln und Karden, einem in Österreich weitestgehend unbekannten Gemüse, den Markt.

Was hat ihn dazu bewegt, ausgetretene Pfade zu verlassen und etwas gänzlich Neues zu wagen? „Die Idee dazu kam unter anderem auch von in Wien arbeitenden Köchen bekannter Restaurants, die mich dazu motiviert haben, einmal etwas völlig anderes zu probieren“, so der Landwirt.

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Aus Süßkartoffeln lassen sich beispielsweise leckere Pommes zaubern.

Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Mittlerweile beliefert Prossenitsch zahlreiche Wiener Restaurants und Hotels mit seinen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, auf Märkten wird sein Gemüse ebenso feilgeboten.

Auch in puncto Bewässerung geht der junge Schönkirchner neue Wege: So kommen keine herkömmlichen Beregnungsanlagen zum Einsatz, wie man sie etwa, wenn auch ein paar Nummern kleiner, aus dem heimischen Garten kennt, sondern ein perforierter Schlauch, aus dem das Wasser tröpfchenweise abgegeben wird. „Das ist sparsamer und auch für die Pflanzen besser, weil das Wasser nicht so von oben auf die Pflanzen niederprasselt.“

So weit, so gut, aber wie lassen sich nun Süßkartoffel, Karden und Artischocken verarbeiten? Aus Ersteren kann man Pommes oder sogar Muffins zaubern, geerntet werden sie im Oktober kurz vor dem ersten Frost.

Artischocken als vielseitiges Gemüse

Die Artischockenernte findet zwischen Ende Juli und Ende Oktober wöchentlich statt. Die von Prossenitsch gesetzten Sorten tragen die klingenden Namen „Imperal Star“ und „Green Globe“. Man kann sie direkt in Wasser mit Salz und Zitrone kochen, in der Schweiz sind sie Teil traditioneller Weihnachtsgerichte.

Karden wiederum kommen mitunter in Backwaren zum Einsatz, geerntet werden sie Ende Oktober, anschließend müssen sie vier Wochen gelagert werden, damit die Bitterstoffe abgebaut werden können.