Nikolaus: Seid ihr alle brav gewesen?. Auch dieses Jahr wird wieder der Nikolaus gefeiert. Die NÖN sprach mit den Hobby-Heiligen mit Bischofsstab.

Von Lisa Unterreiter und Ulla Kremsmayer. Erstellt am 04. Dezember 2019 (04:27)

Die Augen weiten sich, die sonst so lebhaften Kinder werden immer stiller und die Spannung im Raum ist geradezu spürbar. Und das aus gutem Grund: Der Nikolo betritt gleich den Raum.

Ein Szenario, das vielen Leuten bis ins Erwachsenenalter gut in Erinnerung geblieben, und auch für kommende Generationen ein unverzichtbares Ereignis ist. Doch hinter dem dicken Gewand, dem weißen Bart und den großen Schuhen befinden sich Menschen, für die der Job – oft ehrenamtlich ausgeführt – mehr als bloß ein Pflichttermin ist. Rainer Winkler aus Deutsch-Wagram verkleidet sich schon seit acht Jahren, um den Kindern im Ort Freude zu bereiten: „Ich bin Mitglied der örtlichen Kinderfreunde und bin vor Jahren angesprochen worden, ob ich nicht gerne der Nikolo werden will.“ Er übt diese Tätigkeit aus tiefster Überzeugung aus.

So betont er, dass es wichtig sei, sich für die Rechte von Familien und vor allem für die der Kinder einzusetzen, indem man Vereine, wie beispielsweise die Kinderfreunde, unterstützt. „Wenn ich der Nikolo bin, kann ich etwas zurückgeben“, so Winkler. „Mit diesen leuchtenden Kinderaugen angesehen zu werden, ist unbezahlbar“, betont der Deutsch-Wagramer Nikolo mit einem Lächeln.

"Die unterschiedlichen Reaktionen sind total interessant"

Doch ein solcher Auftritt ist viel mehr als das Austeilen von Geschenken. Das Event beginnt meist mit einer Bastel- und Backstation. Dies dient einerseits dazu, die Kleinen abzulenken, und andererseits kann sich der Nikolo, noch in Zivil-Kleidung, einen Überblick über das Treiben verschaffen.

Nach der Verpflegung kommt der große Auftritt: Der Nikolo klopft auf den Boden, der Vorhang geht auf und die Kinder sind vor Aufregung nahezu sprachlos. „Die unterschiedlichen Reaktionen sind total interessant. Manchen Kindern verschlagt es die Sprache, andere beginnen zu weinen und wieder andere erzählen sofort, wie brav sie waren“, erklärt Rainer Winkler. „Manche Kinder sind da auch sehr direkt und sagen ganz ehrlich, dass sie im vergangenen Jahr nicht brav waren“, ergänzt er lachend.

Die Faszination der Sprösslinge habe sich jedoch in den letzten Jahren nicht verändert: „Die Kinder freuen sich nach wie vor, haben aber auch großen Respekt“, so Freizeit-Nikolo Winkler.

Auch Hannes Vogler darf sich einmal im Jahr Nikolaus nennen. Er ist hauptberuflich Deutschlehrer und Autor aus Groß-Enzersdorf. Er wurde erst zum Heiligen aus dem fernen Myra, als die große Flüchtlingswelle 2015 auch die Großgemeinde erreichte.

Nichtsdestotrotz sind sowohl Klein als auch Groß von seinen Auftritten begeistert. Obwohl viele Kinder bei seiner Ankunft unter den Tisch flüchteten, kommen die meisten von ihnen aus Neugier wieder vorgekrabbelt.

Der freiwillige Nikolaus weiß über jeden einzelnen zwei Sätze, hat für jeden ein kleines Sackerl voll Mandarinen, Nüssen und Datteln mit und lässt sich auch etwas vorsingen. Da gelingt selbst den dunkelhäutigen Kindern aus dem muslimischen Orient ein Nikolauslied. „Es ist ja ein Kulturgut, das wir pflegen. Ich mache es noch immer gerne“, sagt Vogler. Auch dieses Jahr wird er wieder mit schwerem Sack ausrücken und Kinderherzen höher schlagen lassen.

Sowohl Winkler als auch Vogler geben durch ihre Erzählungen einen Einblick in die Tätigkeit. Dabei verdeutlichen sie, dass ihre Auftritte, auch wenn diese nur von kurzer Dauer sind, eine persönliche Genugtuung darstellen und sie die Aufgabe mit Leib und Seele erfüllen. Denn schließlich gibt es nichts Schöneres als das Strahlen von Kinderaugen.