„Öffi-Weltreise“ durchs Marchfeld. Grüne fordern weiterhin günstigere Fahrkarten und ein besseres Öffi-Netz. Ein Selbstversuch gibt ihnen recht.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 03. November 2016 (02:57)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Grüne Power im Bezirk: Gemeinderat Lukas Schwarz aus Leopoldsdorf, Gänserndorfs Vizebürgermeisterin Margot Linke, Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger, Bezirkssprecherin Beate Kainz und Gemeinderat Gerhard Haitzer aus Strasshof (v.l.).
Schindler

Grünen-Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger aus Aderklaa, sie ist auch Verkehrssprecherin der NÖ Grünen, plädiert weiterhin für die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Niederösterreich. Dieses würde natürlich auch dem Bezirk und dessen Bewohnern zugutekommen.

Enzinger erklärt: „Jeder Niederösterreicher gibt pro Jahr durchschnittlich 6.200 Euro für Mobilität aus. Diese horrenden Kosten stellen viele Menschen vor großen Herausforderungen. Die Lösung wäre das 365-Euro-Ticket, das in Wien und Vorarlberg bereits Realität und ein voller Erfolg ist.“

Enzinger: „Der öffentliche Verkehr ist sicherer, billiger, bequemer und ökologischer.“
NOEN, Schindler

Gerade im Bezirk Gänserndorf, so die grüne Politikerin, sind Jobs rar. Die Menschen seien deshalb gezwungen, zur Arbeit nach Wien zu pendeln: „Und nachdem das Öffi-Netz bei uns schlecht ausgebaut und die Fahrkarten teuer sind, bleibt für viele nur das Auto übrig. Das nenne ich Zwangsmobilität.“

Aber auch für ältere Mitbürger, die über kein Auto verfügen, wäre das 365-Euro-Ticket extrem wichtig, betont Enzinger: „Um zum Beispiel Ausflüge unternehmen oder ins Krankenhaus fahren zu können. Ein Euro am Tag für alle Öffis in NÖ wäre eine leistbare und soziale Alternative zur jetzigen Situation.“

Die Grüne begab sich kürzlich selbst auf eine Testfahrt. Sie fuhr mit dem Zug von Deutsch-Wagram nach Gänserndorf, von dort mit dem Bus nach Orth, weiter nach Groß-Enzersdorf und (über Wien) wieder zurück nach Deutsch-Wagram: „Da war ich 7,5 Stunden unterwegs und die Fahrkarten kosteten 14,40 Euro.“

Ein untragbarer Zustand, wie Enzinger betont: „Klar, mit dem 365-Euro-Ticket wird das Öffi-Netz bei uns nicht besser, aber wenigstens einmal leistbarer. Der nächste Schritt muss natürlich der Ausbau des Netzes sein.“ Die Landtagsabgeordnete ist sich sicher: „Je mehr Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel benützen, desto mehr steigt der Druck auf die zuständigen Politiker und Behörden, die Öffis zu verbessern.“

Enzinger schätzt, dass das 365-Euro-Ticket das Land NÖ etwa 100 Millionen Euro kosten würde. Wie soll man das finanzieren? Darauf die Grüne: „Zum Beispiel durch die Lkw-Maut. Die Frage ist aber relativ irrelevant. Es fragt ja auch niemand, wie die zahlreichen sündhaftteuren Umfahrungsstraßen finanziert werden.“