Erstellt am 01. März 2017, 04:18

von Edith Mauritsch

Öl- und Gas-Förderung: Es wird doch wieder gebohrt.... Acht neue Bohrungen im Bezirk beenden die weltmarktbedingte Dürreperiode und sichern Arbeitsplätze.

Martin Schmid und René Matzka empfangen Gänserndorfs OMV-Geschäftsführer Reinhard Oswald an der ersten neuen Bohrstelle seit 2015. Das Lächeln im Gesicht ist nicht nur fürs Foto, es kommt vom Herzen.  |  Mauritsch

„Prottes 217“ bezeichnet keine Hausadresse, sondern die erste Bohrung der OMV seit Juni 2015. Die ölpreisbedingte Pause hat damit ein Ende. Rigorose Sparmaßnahmen und ein Anstieg des Marktpreises versetzen den Mineralölkonzern nämlich in die Lage, in den nächsten zwei Jahren im Weinviertel rund 170 Mio. Euro zu investieren. Ein Umstand, der Geschäftsführung, Mitarbeiter und Gemeinden gleichermaßen freut. Der Hauptfokus liegt auf acht Projekten im Bezirk – Prottes 217 ist eines davon.

Rund um den Bohrturm herrscht bereits rege Betriebsamkeit und wenn alles gut- geht, beginnt der eigentliche Bohrvorgang diese Woche. Vermutlich ein Monat wird es dauern, bis die Lagerstätte tief im Erdinneren erreicht ist, in voraussichtlich drei Monaten beginnt die Pumpe zu fördern. Filmreif mit Fontäne darf man sich den Austritt des Öls allerdings nicht vorstellen. Genau genommen tritt überhaupt kein Öl aus – es wird ohne Umweltberührung in die Infrastruktur, also in die Rohre, eingeleitet und für die weitere Bearbeitung abtransportiert.

OMV-Geschäftsführer Reinhard Oswald dazu: „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und der Umweltschutz haben höchste Priorität.“ Die Planung, Aufsicht und Verantwortung für Bohrungen liegt in Händen der OMV, das Aufstellen der Bohrtürme oder auch der Service wird von Kontraktoren wie der RAG (Rohöl-Aufsuchungs-Aktionengesellschaft) erledigt.

Um die 900 Stellen für Arbeiter sind gesichert

Insgesamt sind damit ca. 900 Arbeitsplätze vorerst abgesichert – was für ein Aufatmen in den Reihen der Beschäftigten sorgt, war die Situation in den letzten eineinhalb Jahren bei einem der größten Arbeitgeber der Region doch sehr angespannt.

Auch den Gemeindevertretern zaubert das geschäftige Treiben ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht, denn die Aktivitäten bedeuten einen Anstieg der Kommunalsteuer-Einnahmen und damit willkommene Zugänge in die manchmal sehr ausgereizten Gemeindekassen.

Der Fachmann unterscheidet zwischen Produktions- und Explorationsbohrungen. Erstere finden in einem Gebiet statt, wo bereits Öl und Gas gefunden wurde. Zweitere dienen zur Erschließung neuer Lagerstätten, die die Geologen in Altlichtenwarth, Roselsdorf und Maustrenk vermuten. Allerdings ist eine neue Bohrung mit Überraschungen verbunden: Die genaue Menge in der Lagerstätte stellt sich erst heraus, wenn diese erschlossen ist. Oswald präzisiert: „Im Erfolgsfall und je nach Ergiebigkeit können Bohrungen Jahre bis Jahrzehnte fördern, immer abhängig vom Ölpreis und damit von der Wirtschaftlichkeit.“

Die Anzahl an Produktions- und Explorationsbohrungen hat ein Verhältnis von zwei zu einem Drittel. Gezielte Bohrungen in bekannte Lagerstätten dienen der Absicherung, die Erschließung neuer sind Investitionen in die Zukunft. In beiden Fällen kommt modernstes Gerät zum Einsatz. „Wir sind der Marcel Hirscher der Bohrtechnik“, sagt Oswald nicht ohne Stolz. So können verschiedene Lagerstätten mit der Richtbohrtechnik wie Perlen auf einer Kette unterirdisch aufgefädelt werden, wenn eine direkte Vertikalbohrung nicht möglich ist, zum Beispiel, weil sich überirdisch eine Ortschaft befindet. Im Fördergut enthalten sind rund 40 Prozent Öl, 60 Prozent Gas – und zusätzlich sehr viel heißes Salzwasser aus dem Urmeer, das in der neuen Wasseraufbereitungsanlage Schönkirchen-Reyersdorf gereinigt, gefiltert und wieder in die Lagerstätten geleitet wird.

Noch ist Geothermik nicht das Thema Nummer eins im Konzern, was sich aber künftig ändern könnte, läuft doch derzeit ein Projekt in Raasdorf gemeinsam mit der Wien Energie (die NÖN berichtete). Jedenfalls hat die OMV enormes Wissen über die „Unterwelt“ des Weinviertels angehäuft.