Patienten-Ärger: Klimaschutz bestraft?. Chronisch Kranke klagt, dass sie umweltfreundliche Inhalator-Nachfüllungpackungen bis 2020 selbst bezahlen muss.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:16)
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„Wird Umweltschutz von der Krankenkasse bestraft?“ Diese Frage stellte sich eine NÖN-Leserin, als sie beim Arzt ihr Medikament holte. Austauschpatronen des Inhalators sind entweder privat zu bezahlen oder vom Chefarzt zu bewilligen. Die Gesamtpackung bekommt sie wie bisher nur mit dem Aufwand der Rezeptgebühr.

Schon seit einigen Jahren verwendet die Leserin das rezeptpflichtige Medikament „Spiolto Respimat“, das unter anderem bei der chronischen Lungenkrankheit COPD verschrieben wird. „Als ich beim Arzt eine neue Packung holte, merkte ich, dass der Inhalator nun wiederverwendbar ist“, freute sich die Leserin, denn damit leiste sie einen Beitrag zur Müllvermeidung.

Nachfüllung privat oder chefärztlich genehmigt

Die Freude währte allerdings nur kurz. Im Gespräch stellte sich schnell heraus, dass die Nachfüllpatrone in der sogenannten „roten“ Lade verzeichnet ist. Das heißt: Die Nachfüllung ist entweder privat zu bezahlen oder muss chefärztlich genehmigt werden. Kostenpunkt: 65 Euro pro Patrone.

Die Leserin ist empört: „Warum ist ein Medikament, das schon lange am Markt ist, plötzlich kostenpflichtig oder mit bürokratischem Aufwand belegt, nur weil es eine Nachfüllung ist?“

Die NÖN fragte bei Walter Sohler von der NÖ Gebietskrankenkasse: „Das Produkt wurde von der Herstellerfirma neu auf den Markt gebracht (wiederverwendbarer Inhalator mit Austauschpatrone, Anm.) und ist laut Auskunft des pharmazeutischen Großhandels derzeit noch nicht verfügbar. Es liegt ein Antrag auf Aufnahme in den Erstattungskodex vor, der derzeit geprüft wird.“ Bei positivem Entscheid sei mit einer Aufnahme ab Februar 2020 zu rechnen. Unter Einhaltung der Indikationsvorgaben könne das Medikament dann vom Arzt frei verschrieben werden.