Pendler und ihr viel zu langer Weg zum Ziel. Die NÖN bietet Einblicke in die Zahlen und spricht mit einer Betroffenen.

Von Lisa Unterreiter, Manuel Mattes und Stefan Havranek. Erstellt am 11. Dezember 2019 (05:00)
In dieser Jahreszeit fährt Pendlerin Carina Treitler im Dunklen weg und kommt auch erst nach Sonnenuntergang wieder in ihrer Heimatstadt Groß-Enzersdorf an.
Unterreiter

Was für einige unvorstellbar ist, gehört für viele Leute zum Alltag: Das tägliche Pendeln, um vom Wohnort zum Arbeitsplatz bzw. zur Schule zu kommen. Dies kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, die auch mit Freizeitaktivitäten oder der Familie verbracht werden könnte. Das Gespräch mit einer Betroffenen soll Aufschluss darüber geben, wie sie ihre Situation beurteilt.

Die 25-jährige Carina Treitler pendelt schon seit zehn Jahren zwischen Groß-Enzersdorf und Wien. Früher, um eine Ausbildung in einer Gastgewerbefachschule zu absolvieren, und heute, um ihrer beruflichen Tätigkeit im Bereich der Hotelerie nachzugehen.

„Ich brauche etwa 50 Minuten pro Strecke“, so Treitler. Da sie über keinen Führerschein verfügt, ist dies die einzige Möglichkeit zu ihrer Arbeitsstätte zu gelangen. „Selbst, wenn ich einen Führerschein und ein Auto hätte, würde ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Der Stau ist einfach enorm“, ergänzt die junge Rezeptionistin.

"Wie Bekannte, obwohl man sie eigentlich gar nicht kennt“

Auf die Frage, ob es sie stört, jeden Tag knapp zwei Stunden fürs Pendeln zwischen Niederösterreich und Wien zu benötigen, entgegnet die 25-Jährige locker: „Nein. Es wäre zwar schön, wenn die Arbeit näher wäre, aber ich will meine Heimat nicht verlassen. Vielleicht ergibt sich in den nächsten Jahren ein Job in der Umgebung.“

Treitler zeigt sich mit dem Verkehrsangebot zufrieden. Sie kritisiert lediglich andere Fahrgäste, die durch ihr Verhalten die Fahrt verzögern: „Ansonsten würde das Ganze problemlos funktionieren.“ Interessant ist außerdem, dass sie beim täglichen Fahren in den Verkehrsmitteln der Wiener Linien meist bekannte Gesichter sieht. „Wenn man immer um die selbe Zeit fährt, sieht man auch immer dieselben Leute. Wie Bekannte, obwohl man sie eigentlich gar nicht kennt“, ergänzt Treitler.

Doch wo gibt es besonders viele Pendler und wo besonders wenige? Und warum ist das so? Ein Blick auf die Zahlen im Bezirk soll Antworten auf die genannten Fragen geben.

Starker Anstieg in Hohenau und Glinzendorf

Aus der Statistik geht hervor, dass der Anteil der Auspendler in Hohenau von 55,9 % im Jahr 1991 auf 78,2 % im Jahr 2017 gestiegen ist. Dies entspricht einem Plus von 22,3 %. Vorreiter was die stärkste Veränderung des Pendlerindex betrifft, ist Glinzendorf. Der Index stieg von 57 im Jahr 1991 auf 120 (Stand 2017).

Hoch zeigt sich außerdem die Auspendlerquote mit in Hauskirchen mit 87 %. Und auch in Prottes pendeln immerhin 86,6 % der Bürger.

In Engelhartstetten hingegen sieht die Situation etwas anders aus. In der Gemeinde gibt es 1.001 Erwerbstätige, die ihre Heimat für ihren Arbeitsplatz nicht verlassen müssen – das entspricht 30,5 % der Bevölkerung. Das überrascht selbst VP-Bürgermeister Josef Reiter, der nach einigem Nachdenken aber meint: „Wir haben schon einige große Arbeitgeber in der Gemeinde, angefangen vom Schloss Hof über die Firma Windisch Bau oder den Schrotthändler Redo und auch die Gemeinde selbst beschäftigt gar nicht so wenige Menschen.“ Den Ortschef freut es naturgemäß, dass viele „seiner“ Bürger nicht auspendeln müssen. Und auch über die Einnahmen aus der Kommunalsteuer wird sich der Bürgermeister wohl nicht beschweren.

Auch, wenn die Zahlen verdeutlichen, dass das Pendeln keine Seltenheit ist, ist offen, warum der Anteil in einigen Gemeinden, sehr hoch ist.

Prottes VP-Bürgermeister Karl Demmer erklärt die hohe Auspendlerquote vor allem durch die Tatsache, dass der Ort nahe an Wien liegte und die Hauptstadt ein weitaus breiteres Jobangebot bietet als Prottes.

Außerdem ist er der Meinung, dass die Entlohnung in der Stadt wesentlich attraktiver ist. Weiters behauptet er, dass die Pendler von einem Ausbau des Parkplatzangebotes am Bahnhof Gänserndorf profitieren würden.

Carina Treitler hingegen betont, dass in erster Linie das öffentliche Verkehrsnetz ausgebaut werden soll: „Mit den Öffis ist man einfach schneller am Ziel. Wenn, dann sollte man eher dort erweitern“, so die junge Pendlerin.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

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