„Rowdy“ wurde verurteilt. Lkw-Fahrer aus dem Bezirk Gänserndorf wurde aufgrund seines Fahrverhaltens und der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer zu 6,5 Monaten Freiheitsstrafe verdonnert.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 31. Juli 2021 (04:19)
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Ein riskantes Überholmanöver brachte einen 37-Jährigen vor Gericht.
Shutterstock/Vacarciuc

„Ich hab ganz normal überholt“, sagte ein 37-jähriger Arbeiter immer und immer wieder zu Richter Martin Gall-Vanek am Landesgericht Korneuburg. Nur wurde der Satz durch die oftmalige Wiederholung nicht wahrer und ein normales Überholmanöver hätte ihn wohl kaum ans Strafgericht gebracht. Angeklagt war der Mann wegen Nötigung und gefährlicher Drohung, weil er am 30. April dieses Jahres mit seinem Lkw einen Pkw auf der Breitenleer Straße vor Raasdorf zu einer Notbremsung gezwungen hatte.

Er sei nicht zu knapp aufgefahren, habe geblinkt und im Übrigen fahre er seit 17 Jahren immer brav. Dem widersprachen zwei Verurteilungen aus dem Oktober 2018 am Landesgericht Wiener Neustadt und April 2019 am Bezirksgericht Donaustadt. In beiden Fällen kam es zu ähnlichen Delikten und beide Auseinandersetzungen spielten sich ebenfalls im Straßenverkehr ab. Diese Verurteilungen stimmen doch auch nicht, kam sich der 37-Jährige ganz schön ungerecht behandelt vor. Die zwei Insassinnen des Pkw, Mutter und Tochter, schilderten das Überholmanöver weniger harmlos.

Der Angeklagte habe mit seinem Lkw vorher schon per Lichthupe hinter ihr gedrängelt; sie habe dann nach dem Ende der 70er-Beschränkung beschleunigen wollen, da sei der Lkw bereits an ihr vorbeigezogen und der Fahrer habe noch während beide Autos nebeneinander fuhren bereits rüber gelenkt. Nur eine Vollbremsung, so die 53-jährige Fahrerin bei ihrer Zeugenbefragung, konnte Schlimmeres verhindern. Auch die 23-jährige Tochter war überzeugt, dass der 37-Jährige das „auf jeden Fall mit Absicht“ gemacht hat.

Richtig ungerecht, zumindest aus der Perspektive des Angeklagten, wurde es dann bei der Urteilsverkündung. Gall-Vanek verurteilte ihn zu 6,5 Monaten Freiheitsstrafe, davon 4,5 bedingt und ordnete Bewährungshilfe an, damit er sich in Zukunft nicht so aggressiv im Straßenverkehr verhalten möge. „Heißt das, ich muss ins Gefängnis?“, war aber das Einzige, was den Mann interessierte. „Jein“, so der Richter, „entweder das oder Fußfessel“. Der 37-Jährige legte sofort Berufung „wegen allem“ ein. Die Staatsanwaltschaft gab zu dem Urteil keine Erklärung ab, nicht rechtskräftig.