Schlepper wurden nun verurteilt. Drei slowakische Staatsbürger transportieren Afghanen in Pkw über Ungarn nach Österreich: Zielort war Dobermannsdorf. Für Kopf der Bande setzte es 32 Monate unbedingt.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 09. November 2020 (04:23)
Immer wiedermachen Menschen Geschäft mit der Notlage anderer – so auch drei slowakische Staatsbürger.
Symbolfoto: chairoij

Drei slowakische Angeklagte sollen als Mitglieder einer kriminellen Vereinigung mit fünf Schlepperfahrten unter anderem im Kofferraum ihrer Pkw afghanische Staatsbürger für ein Entgelt von 400 bis 700 pro Person von Serbien über Ungarn und die Slowakei nach Österreich geschleppt haben. So lautete sinngemäß die Anklage, die Staatsanwalt Peter Zimmermann vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Lydia Rada am Landesgericht Korneuburg erhob. Aufgegriffen wurden die drei in Dobermannsdorf, als sie ihre „Ware“ am Zielort ablieferten.

Bei den Slowaken handelt es sich um zwei Brüder – Ferdinand und Karol D. – und den Schwager eines der Brüder, Marek V., die – so schilderte es Karol D. vor Gericht – über Facebook als Schlepper angeheuert worden waren. Das Erstaunen war Richterin Rada anzusehen, die irritierte Nachfrage beantwortete der Angeklagte mit den Worten: „In der Slowakei ist das ganz normal.“ Da sich das Trio in der polizeilichen und der Vernehmung durch den Haftrichter immer wieder in Details widersprach, ordnete Rada an, dass die Angeklagten abgesondert vernommen werden.

Und tatsächlich förderte das Vorgehen der Richterin reichlich Widersprüchliches zutage. So wollen zwei der Slowaken Pausen auf ihren Schlepperfahrten gemacht haben, einer jedoch nicht. Auch über die Höhe der Entlohnung für die Schlepperei erhielt die Richterin unterschiedliche Auskünfte. Am gravierendsten wichen die Aussagen von Karol D. von denen der anderen ab. Er behauptete, alle drei hätten gleichzeitig den Facebook-Auftrag bekommen, während die anderen sagten, sie hätten ihre Aufträge von Karol bekommen.

Überhaupt zeigten sich Ferdiand D. und Marek V. weitaus reumütiger und erschütterter über ihre Taten als der dritte Angeklagte. Der Schwager versuchte, die Schlepperfahrten damit zu rechtfertigen, den Menschen helfen zu wollen. Dagegen verwehrte sich der Staatsanwalt energisch: „Schlepper sind keine Fluchthelfer. Hier wird beinhart Profit gemacht. Wir müssen uns und die Gesellschaft vor solchen Geschäftemachern schützen.“ Er forderte deshalb eine fühlbare Strafe.

„Mein Mandant ist der

Versuchung erlegen“

Verteidiger Rudolf Lind entschuldigte seinen Mandanten – Ferdinand D. – damit, dass dieser der Versuchung des Geldes erlegen sei. Im Namen von Karol D. bestritt dessen Anwalt Gerald Perl, sein Mandant wäre der Rädelsführer dieser Bande. Die besten Karten hatte Verteidigerin Katharina Rieder, da Marek V. ein sehr weitreichendes Geständnis abgelegt hatte, das mithalf, weitere Schlepperfahrten aufzudecken.

Das wertete das Schöffengericht als überaus strafmildernd, weswegen er „nur“ zu fünf Monaten unbedingt verurteilt wurde. Auch Ferdinand D. nahm das Gericht seine Reue ab; sein Urteil lautete sechs Monate unbedingt. Beide waren für das Delikt übrigens bereits im ungarischen Györ zu zwei Jahren bedingt verurteilt worden. Das machte eine unbedingte Strafe notwendig, argumentierte Richterin Rada.

Lediglich Karol D. traf die Härte des Gesetzes stärker. Der Schöffensenat hatte keine Zweifel, dass er „der führende Kopf der Partie“ ist. Die juristische Quittung lautete 32 Monate unbedingter Freiheitsstrafe, auch aus „generalpräventiven Gründen“, so Richterin Rada.