„Schweinbarther Kreuz“: VP schmettert Antrag ab. Bus gegen Bahn: Grüne und Aktionsgruppen wollen die Schließung der Zuglinie weiterhin nicht akzeptieren.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 25. September 2019 (04:06)
VOR-Busfahrer Dusan Sisic nahm sich in der Umsteigepause in Raggendorf kurz Zeit für ein Interview mit der NÖN. Er ist zuversichtlich, dass das Angebot mit der Zeit angenommen wird.
Mauritsch

„Die ÖVP hungert die Region aus!“ Mit diesem Vorwurf bekrittelt Grünen-Landtagsabgeordneter Georg Ecker die Schließung der Regionalbahn „Schweinbarther Kreuz“. Am Buskonzept lässt er jedenfalls kein gutes Haar. Seit Anfang September fahren die Busse parallel zur Bahn. Zur Eingewöhnung, wie seitens des Verkehrsverbundes Ostregion (VOR) betont wird. Mit Dezember soll die Regionalbahn eingestellt werden, was sowohl Grüne als auch Bürgerinitiativen so nicht hinnehmen wollen.

Eine davon ist die Gruppe „Regionalbahn statt Bus“ aus Groß-Engersdorf (Bezirk Mistelbach). Gabriele Rath-Schneider und Gerhard Mayer: „Das ist rückwärtsgewandte Politik. Die zusätzlichen 70 Diesel-Busse pro Tag verpesten unsere ohnehin sehr belasteten Dorfstraßen.“

Die Gruppe befürchtet deutliche längere Fahrzeiten. Die Busse würden nicht zuletzt wegen der vielen landwirtschaftlichen Fahrzeuge nicht vorankommen, Anschlusszüge würden versäumt. Ecker stößt in dasselbe Horn: „Nicht wenige werden dadurch gezwungen, aufs Auto umzusteigen.“

"So sieht in NÖ Bürgerbeteiligung aus"

Die Aktionsgruppe stößt sich auch an der Vorgangsweise: „Wir wurden vorher nicht gefragt und jetzt sollen wir an einem System mitarbeiten, von dem wir nichts halten. So sieht in NÖ Bürgerbeteiligung aus.“

Die NÖN konfrontierte VP-Landtagsabgeordneten René Lobner mit den Vorwürfen, der klarstellt: „Nicht das Land, sondern die ÖBB haben die Schließung des ,Schweinbarther Kreuzes‘ verursacht.“ Das Land versuche nun, ein Alternativkonzept zu entwickeln. „Ab Ende 2021 werden hier erstmals in NÖ E-Busse fahren. Der ökologische Fußabdruck wird so deutlich reduziert und CO eingespart.“ Lobner verweist auch darauf, dass die Zahl der Menschen, die innerhalb von 500 Metern von ihrem Wohnort eine Haltestelle finden, auf 13.600 verdreifacht wurde. Lokalaugenschein Freitagnachmittag beim – derzeit provisorischen – Busbahnhof in Raggendorf, dem Knotenpunkt der Busse aus Gänserndorf und in Richtung Wolkersdorf.

Fahrer Dusan Sisic versprüht Zuversicht: „Ich spreche viel mit den Menschen, bislang bekam ich durchwegs positive Rückmeldungen.“ Die Zahl der Fahrgäste sei allerdings (noch?) überschaubar – nur rund zehn Personen pro Tag. Schauplatzwechsel zur nahen Bahnhaltestelle Raggendorf: Der Zug fährt ein und gleich durch. Niemand will aussteigen, der Zug ist bis auf den Lokführer leer.

Am Donnerstag reichten die Grünen im Landtag einen Antrag auf Erhalt des „Schweinbarther Kreuzes“ ein. Er wurde von der VP-Mehrheit abgelehnt. „Wir geben den Kampf nicht auf und haben dem zuständigen Landesrat Schleritzko 2.200 Unterschriften übergeben. Nun liegt es an der ÖVP, ob sie die Anliegen der Menschen ernst nimmt“, schließt Ecker.

Mehr zum Thema