Sexuelle Nötigung: Freispruch für Minderjährigen. Bursch soll Mädchen sexuell genötigt haben. „Opfer“ verstrickte sich in Widersprüche.

Von Robert Knotz. Erstellt am 27. Juni 2020 (01:14)
In einem Anklagepunkt machte das Gericht von der Möglichkeit Gebrauch, von der Weiterverfolgung der Straftat abzusehen. In allen anderen Punkten wurde ein Freispruch verhängt.
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Am Montag musste sich ein Bursch aus dem Bezirk vor Gericht verantworten. Er soll vor drei Jahren sexuelle Handlungen an einer ebenfalls Minderjährigen gegen deren Willen vorgenommen haben. Mit hängenden Schultern erzählte er, dass er mit dem Mädchen in einer On-off-Beziehung gestanden habe. Die beiden trennten und versöhnten sich mehrmals, bis es zum endgültigen Bruch gekommen sein soll.

Anfangs küsste man sich nur, dann wurde man allerdings intimer. Öfter soll der Beschuldigte dem Mädchen in die Hose gegriffen haben, was diesem angeblich nur deshalb missfiel, weil sich eine Freundin in unmittelbarer Nähe aufhielt. „Im Polizeiprotokoll steht das aber anders. Da sagten Sie, dass Sie das nicht wollten“, so Richter Franz Furtner. Weiters wurde dem jungen Mann vorgeworfen, dass er das Mädchen zum Oralsex gezwungen hätte.

Das Opfer – es wurde in einem Nebenraum vom Vorsitzenden einvernommen – soll vom Angeklagten dazu in eine Toilette gedrängt worden sein und während der Tat sollen Freunde von ihm die Türe des WC zugehalten haben. „Der Polizei haben Sie gesagt, dass er Sie dazu überredet habe, auf die Toilette mitzugehen. Das ist ein Widerspruch zu Ihrer Aussage“, so der Vorsitzende. Darauf das Mädchen: „Ja, anfangs haben wir ja nur geredet. Er hat zu mir gesagt, dass er mir etwas unter vier Augen sagen will. Aber dann im Klo bemerkte ich, dass etwas nicht stimmte, als er seine Hose öffnete.“

Da nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte, ob die ersten sexuellen Handlungen vor oder nach dem 13. Geburtstag des Mädchens stattgefunden haben, wurde vom Richter eine Diversion mit einer Probezeit und Bewährungshilfe verhängt. (Das Gericht machte von der Möglichkeit Gebrauch, bei hinreichend geklärtem Sachverhalt von der Verfolgung einer Straftat abzusehen.)

In allen anderen Punkten wurde der Angeklagte freigesprochen, weil der Vorwurf der sexuellen Nötigung – insbesondere auch wegen der Widersprüche des Opfers – nicht bewiesen werden konnte.